Theaterpartisanen sammeln Geld für Dortmund
08.09.2010 | 21:02 Uhr 2010-09-08T21:02:00+0200
Dortmund.Kapitulieren und weinen – das möchten wohl die meisten Dortmunder ob der katastrophalen städtischen Haushaltslage. Die Gruppe Theaterpartisanen will etwas anderes: Zum Wohle der Stadt dieselbe ein wenig aufmischen.
„Eine Umarmung für Dortmund! Die Stadt liebt und braucht Sie!“ Lauthals singend und rufend laufen die acht als Hippies verkleideten Jugendlichen an diesem Mittwochabend durch die Innenstadt. Es ist der erste Streifzug der Gruppe Theaterpartisanen, die aus der Initiative „Stadt ohne Geld“ des Theaters Dortmund hervorgegangen ist. Heute heißt es Love& Peace für Dortmund, die Passanten in der Fußgängerzone bekommen eine Umarmung – ob gewünscht oder nicht – und zahlen dafür 50 Cent.
Zum Reflektieren und Nachdenken anregen
Die Leute schauen den Jugendlichen verdutzt, verärgert, oder aber auch freudestrahlend hinterher. In jedem Fall halten sie Inne und genau darum geht es bei „Stadt ohne Geld“. Das Theater Dortmund geht für die Initiative eine Kooperation mit dem Institut für urbane Krisenintervention und den Künstlergruppen kainkollektiv und sputnic ein. Ab 6. Oktober und bis Februar 2011 werden Inszenierungen, Konzerte, Stadtinterventionen und Streitgespräche entwickelt, die die Veränderungen der Stadt vom Zechen- zum Kreativstandort reflektieren und kritisch zur Diskussion stellen. Im eigens dafür eingerichteten Spielort, dem „Institut“ im Theaterfoyer. Informationen im Internet.
„Wir haben uns überlegt, was wir als junge Leute zu dem Projekt beitragen können, was uns an Dortmund stört“, sagt Tobias Bergmann. „Darüber haben wir letzten Mittwoch diskutiert und festgelegt, dass wir heute an die Liebe der Dortmunder zu ihrer Stadt appellieren.“ Passend dazu spielt er auf seiner Gitarre Jason Mraz und Bob Dylan, der 19-Jährige macht gerade sein Freiwilliges Soziales Kulturelles Jahr (FSKJ) am Theater Dortmund und hat die junge Gruppe aus 14 bis 19-Jährigen mit aufgebaut. Die sieben beteiligten Jugendlichen sind allerdings noch keine festen Theatermitglieder, sie sind letzte Woche dem Aufruf im Internet gefolgt und ins Theaterfoyer gekommen. „Wir machen aber auf jeden Fall weiter“, sagen sie.
Weitere Partisanen willkommen
Die Partisanen hoffen, dass noch viel mehr junge Leute aktiv werden. Sie wollen nun bis November jeden Mittwoch ab 18 Uhr (Treffpunkt: Theaterfoyer) unter einem anderen Motto durch die Stadt laufen, Leute zum Nachdenken bringen und tatsächlich auch ein wenig Geld für´s klamme Theater sammeln. Immerhin 30 Umarmungen sind es heute geworden- 15 Euro fürs Schauspiel. Neben Bergmann begleitet die Theaterpädagogin Sarah Jasinszczak vom jungen Schauspiel Dortmund die Partisanen. Sie sagt: „Der Name ist Programm, wir wollen aus dem Untergrund kommen und die Leute mit unseren Aktionen überraschen.“ Fürs erste Mal habe man sich mit den Hippies ein luftiges Motto ausgesucht, aber das könne auch durchaus noch politischer werden – je nachdem, was die jungen Leute aktuell bewegt. Informationen bei junges-schauspiel@theaterdo.de
„Mutig, witzig, mein Ding.“ So beschreibt Roman von Kölln die ganze Aktion. Er lässt sich gern umarmen und spendet auch eine Münze. Das Thema betrifft ihn selbst ganz persönlich, denn die Bachelorarbeit des Objekt& Raumdesignstudenten ist 2009 wegen des knappen städtischen Haushalts geplatzt: Der 24-Jährige wollte die Eingangshalle des städtischen Klinikums verschönern, dann kam das Haushaltsloch. „Meine Meinung ist: Wir müssen jetzt selbst klar kommen. So eine Aktion ist genau das Richtige.“
07:29
Weil Eltern für ihre Kinder selber zahlen sollen.
Immer die Meckereien! Langsam nervst!!
14:38
Wieso geht eigentlich niemand für marode und baufällige Kindergärten auf die Straße und sammelt ein paar Euro ein? Fände ich sinnvoller als für eh schon hoch subventionierte, elitäre Theater.