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Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur

08.04.2012 | 06:00 Uhr
Mozarts Cosi fan tutte im Opernhaus Dortmund. Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Vom Umtausch ausgeschlossen – dass diese Regel auch für Theaterkarten gilt, musste Angela Ranft jetzt erfahren: Seit fast 20 Jahren ist sie treue Besucherin des Theater Dortmund und wollte jetzt Karten wegen Krankheit umtauschen. Eine Situation, die sich erst nach Intervention unserer Zeitung klärte

Vom Umtausch ausgeschlossen – dass diese Regel auch für Theaterkarten gilt, musste Angela Ranft jetzt erfahren: Seit fast 20 Jahren ist sie treue Besucherin des Theater Dortmund und wollte jetzt Karten wegen Krankheit umtauschen. Eine Situation, die sich erst nach Intervention unserer Zeitung klärte.

Angela Ranft liebt Theater . Sie fährt gern in andere Städte, um sich Vorstellungen anzusehen – als Dortmunderin besucht sie aber vor allem gern das städtische Theater. Diese Freude wollte sie mit einer älteren Bekannten teilen und schenkte ihr Karten für die Vorstellung von „Cosi fan tutte“ am 5. April. Die Eingeladene wurde krank.

„Kein Problem“, dachte Angela Ranft, die schon vor einem Jahr einmal Karten in Dortmund umgetauscht habe. An der Theaterkasse sollen sich die Mitarbeiter diesmal aber nicht einsichtig gezeigt haben. Sie hätten auf die Geschäftsbedingungen verwiesen – und dort heißt es tatsächlich: „Eine Kartenrücknahme oder ein Umtausch gedruckter Karten ist leider nicht möglich.“

Aus allen Wolken gefallen

Angela Ranft fiel aus allen Wolken. Geschäftsbedingungen hin oder her – „als langjährige Kundin fühlte ich mich nicht gut behandelt, zumal ich ja nicht das Geld zurück haben wollte, sondern nur einen Gutschein für eine andere Vorstellung.“ Sie machte ihrem Ärger Luft. Erst beim Kassenpersonal, dann fragte sie sich durch bis zum Sekretariat von Bettina Pesch, der geschäftsführenden Direktorin. Die Auskunft aber blieb immer die gleiche: Ein Umtausch ist nicht möglich .

Angela Ranft fühlte sich abserviert – zumal umliegende Opernhäuser anders mit einer vergleichbaren Situation umgehen: Das Aalto Theater in Essen etwa bietet seinen Kunden bei Eigenveranstaltungen den Service, die Karten zwei Tage vor der Vorstellung umzutauschen.

Doch noch Einigung

Auch auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte Eckhard Martin, Pressesprecher des Theater Dortmund, zunächst, man wolle keinen Präzedenzfall schaffen – um der Zuschauerin schließlich nach weiterer Rücksprache mit Opernintendant Jens-Daniel Herzog und Bettina Pesch doch entgegenzukommen: Angela Ranft wird mit ihrer Bekannten nun doch „Cosi fan tutte“ genießen können – in Dortmund.

„Der Meister und Margarita“

Nadine Albach



Kommentare
09.04.2012
19:27
Genau das sind die Folgen staatlicher Betätigung im privatwirtschaftlichen Bereich !
von nike8 | #10

@ xxyz: Ich stimme Ihren Ausführungen und hierbei insbesondere den von Ihnen geschilderten Anforderungen an ein modernes Dienstleistungsunternehmen voll zu. Flexibilität und Kundenzufriedenheit dürfen dort keine fremden Ideen sein. Aber gerade deshalb bin ich persönlich strikt gegen die kommunale Betätigung in diesem Wirtschaftsbereich.

Ein privates Unternehmen hat nicht die Gemeindeordnung, Gemeindehaushaltsverordnung, Gemeindekassenverordnung, die Geschäftsanweisung über die Abwicklung von Verwaltungsgeschäften in der Stadt Dortmund (GAKAV) u.s.w. zu beachten. Da steht ein Mitarbeiter auch nicht mit jedem „flexiblen“ Handeln vor arbeitsrechtlichen Maßnahmen.

Das genau ist do0ch das Problem dieser privatwirtschaftlichen kommunalen Betätigung: Mit den gleichen Rechtsvorschriften, die im Ordnungsamt, im Sozialamt, in der Stadtkasse etc. zu beachten sind, versucht man sich auch im Bereich von Theatern und Museen, Hallenbädern und Freizeitparks. Das kann nicht funktionieren!

09.04.2012
17:46
Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft stockt
von xxyz | #9

Wenn ich mir die meisten Kommentare durchlese, finde ich eine Erklärung dafür, wieso die Region eine so hohe Arbeitslosigkeit hat und viele Geschäfte nicht mehr konkurrenzfähig sind.

Die Anforderungen einer Dienstleistungsgesellschaft sind wohl noch nicht angekommen. Wie schaffen es Hotelanbieter nur, Stornierungen noch bis 18 Uhr bei Anreise am selben Tag zu erlauben und damit erfolgreich zu agieren? Sie haben den Markt verstanden und gehen ins Risiko. Das machen auch Firmen, die eine Zufriedenheitsgarantie mit Rückgabe bei Schuhen anbieten.

In Dortmund und Umgebung ist ein solches Marktverhalten wohl nicht angekommen. Das sieht man u.a. an den Kommentaren. Ob diese Einstellung auch für die wirtschaftliche Lage verantwortlich ist?

Auch der öffentliche Dienst als Grundlage für die Wirtschaft muss mit Wachstums-Regionen konkurrieren. Der schlanke Staat ist vielfach Realität, in Dortmund schafft man es nicht, die Personalkosten auch nur geringfügig zu senken.


09.04.2012
16:40
Was sollte die arme Kassiererin denn machen - gegen interne Dienstweisungen verstoßen und die Kündigung riskieren?
von nike8 | #8

Na super, da hat sich aber mal wieder eine Bürgerin mit Hilfe der ach so guten Presse durchgesetzt. Gratulation!

Oder kann man den Fall auch anders betrachten? Ich denke ja!

Warum gibt sich das Theater eigentlich Geschäftsbedingungen, wenn notorisch-querulante Kunden mit Hilfe der Presse ihren Willen gegen jede Regelung durchsetzen? Die Kassiererin kommt sich doch verschaukelt vor: Da handelt sie brav gemäß den Geschäftsbedingungen und wird am Ende als unflexible Verwaltungskraft hingestellt. Was für ein Nonsens!

Und dass hier die gesamte Hierarchie mit dem Fall beschäftigt war, ist logisch: Die Kassiererin kann überhaupt nicht eigenmächtig über bestehende Regelungen hinweggehen, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Das unterscheidet ein Theater in Trägerschaft einer Stadt von einem „freien“ Theater. Als städtische Organisation prüft die Kassenvorgänge möglicherweise einmal das Rechnungsprüfungsamt – und die kennen den Begriff „Kundenfreundlichkeit“ gar nicht.

09.04.2012
15:23
Anleitung !
von clausalleinzuhaus | #7

Sie gehen mit dem umzutauschenden Artikel in den Laden. Ist der Mitarbeiter/in bockig, falten sie sie/ihn lautstark zusammen und achten darauf, das ausreichend andere Kunden mithören können. Entweder sie können jetzt schon einen Sieg feiern, oder aber sie machen dem/der Angestellten klar das er/sie ja auch nur ein kleines licht ist und nix dafür kann und verlangen energisch den Chef. Meistens klappt es hier schon. Falls es nicht klappt, drohen sie dem Chef mit der "Zentrale" Ist der noch immer bockig rufen sie die Zentrale an und drohen sie dieser mit der "Zeitung". Spätestens jetzt ist ihr Sieg gewiss. Um ihn aber jetzt noch richtig genießen zu können, denken sie sich eine herzzerreißende Story aus und schreiben sie dann doch alles der Zeitung. Meistens finden sie einen Redakteur der ihnen auf den Leim geht und ihr Sieg wird glanzvoll sein ;-)

09.04.2012
12:11
Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von dortmunder2012 | #6

Tauschen die großen Musikveranstalter selbst bei ausverkauften Veranstaltungen um? NEIN. Aber das ist ja nicht erwähnenswert. Aber wenn eine städtische subentionierte Einrichtung mal wieder nicht spurt, muss die Presse ran.....

08.04.2012
23:32
Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von geordie96 | #5

Es ist ganz und gar nicht ungewöhnlich, dass Theater und Opernhäuser Karten nicht umtauschen. Daher ist solch ein Artikel, der hier den Kartenkäufer zm Opfer und das Theater zum Buhmann macht, völlig unangebracht.

08.04.2012
14:47
#2 Kartenrückgabe ist bei Musical und Privattheatern völlig unüblich
von meigustu | #4

Gerade weil den kommunalen Theatern ständig vorgeworfen wird, sie seien gepampert, gehen die ja vom bisher üblichen Service runter. Denn der kostet aller Bürger Geld, insbesondere dann, wenn die Vorstellungen nicht ausverkauft sind.

08.04.2012
13:46
Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von PhilChori | #3

Als ob 20 Jahre (angeblicher) Theaterbesuch eine Extrawurst rechtfertigen würden.

08.04.2012
08:26
Service und Kundenorientierung bei stark subventionierten Organisationen
von xxyz | #2

lassen offensichtlich zu wünschen übrig.
Im Einzelhandel ist ein solches Verhalten undenkbar. Aber dort wird man ja nicht vom Steuerzahler gepampert und muss sich selber um Kunden kümmern.

Dass dann noch die ganze Hierarchie mit dem Umtausch beschäftigt ist, erscheint bedenklich und berichtenswert.

3 Antworten
Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von dortmunder2012 | #2-1

Das ist ja völlig neu, dass der Einzelhandel da anders verfährt..denn gekauft ist gekauft und nach BGB muss auch der Einzelhandel garnichts zurücknehmen, nur weil jemand krank wurde, denn dieser Umstand liegt ja nicht in dem Einflussbereich des Dienstleisters.

Das einige Einzelhändler wie IKEA oder Esprit oder HuM Ware trotzdem zurücknehmen, ist ein erfreulicher Einzelfall. Verpflichtet sind diese nicht und die Regel wie in den USA ist das NICHT.

Also sachlich bleiben und nicht wieder hetzen.

Das das Theater seine Regeln ändern sollte ist etwas anderes, aber ich vermisse in diesem Forum die Sachlichkeit

Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von xxyz | #2-2

Natürlich sind die Firmen nicht gesetzlich verpflichtet, die Ware umzutauschen. Aber der Wettbewerb zwingt sie, die Kundenfreundlichkeit zu erhöhen. Für Verbraucher ist das toll.
Viele andere Firmen reagieren auch sehr kundenfreundlich und erfreuen Kunden, um sich am Markt zu behaupten, obwohl diese Leistungen oft nich vereinbart waren.
Meine These ist, dass dies im öffentlich subventionierten Bereich nicht bzw. kaum der Fall ist. Die Gelder der Steuerzahler fließen auch, wenn die Einrichtungen nicht bzw. kaum besucht werden.

Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von Sk.Ahlers | #2-3

Richtig, ich wünsche ihnen mal viel Spaß bei dem Versuch Karten für den BVB oder Mario Barth aus Krankheitsgründen umzutauschen.
Das gleiche gilt für Kinokarten , Konzertkarten irgendeiner Art und Wahl.

08.04.2012
08:14
Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von msdong71 | #1

Wer ist unsere Zeitung, kann man jetzt immer unsere Zeitung ansprechen wenn man mal den uneinsichtigen Dienstleister mit schlechter Presse erpressen will und warum ist das überhaupt ein Artikel wert wenn das eh nur ein einzelfall ist?

1 Antwort
Theater Dortmund stellte sich bei Kartenumtausch stur
von Sk.Ahlers | #1-1

So habe ich das noch gar nicht gesehen.
Denke aber das die Kundin so etwas nicht beabsichtigt hat, sondern nur auf einen Missstand hinweisen wollte. Ansonsten wäre das ja wirklich eine Erpressung, der dann auch noch nachgegeben worden ist und somit wohl doch einen Präzedenzfall geschaffen wurde.
ich werde das am Dienstag mal testen und sehen ob die Zeitung mit dann auch beisteht.

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