Theater-Chef vergibt Auftrag an seinen Bruder
20.11.2012 | 09:32 Uhr 2012-11-20T09:32:00+0100
Dortmund. Dortmunds Schauspiel-Direktor Kay Voges ist ins Visier der Rechnugsprüfer geraten. Er soll einen Auftrag über knapp 23.000 Euro nicht nur ohne Ausschreibung vergeben haben – sondern auch an seinen eigenen Bruder.
Anfang des Jahres machte sich Kay Voges, Direktor am Dortmunder Schauspiel, mit einem Satirefilm über den Paragraphen-Dschungel und den bürokratischen Aufwand bei Neuanschaffungen lustig. „Der Klöng ist kaputt“ hieß das Stück, das im Mittelbau und auf Sachbearbeiter-Ebene in der Verwaltung für großes Hallo und Zustimmung sorgte. Jetzt schlägt das Imperium zurück: Voges hat einer Firma aus Krefeld einen Auftrag zukommen lassen, in der sein Bruder als Geschäftsführer tätig ist - und hat damit gegen Vergabe-Richtlinien verstoßen.
Wind bekommen haben die städtischen Rechnungsprüfer erst durch einen gezielten Hinweis auf „mögliche Korruption“ aus dem Theater selbst - was der Sache zusätzliche Pikanterie verleiht. Vermutlich wollte Theaterdirektor Voges, als Kreativer und Künstler ein Gegner ausufernder Bürokratie, die Angelegenheit ohne große Formalien regeln, als er die Krefelder Firma „sputnic visual arts“ beauftragen ließ, Plakate, Flyer, Postkarten und Abendspielzettel fürs Dortmunder Schauspiel herzustellen. Auftragswert: 22 586,03 Euro. Das Problem ist nicht nur, dass Voges den Auftrag ohne vorheriges Wettbewerbsverfahren rausgehen ließ.
Noch schwerer wiegt, dass Voges seine Vorgesetzte Bettina Pesch, geschäftsführende Theaterdirektorin, darüber im Unklaren ließ, dass sein Bruder als Geschäftsführer von „sputnic visual arts“ tätig ist. Genau das reiben ihm die Prüfer in ihrem Bericht unter die Nase: Es handele sich um eine personelle Verflechtung, die Voges wegen möglicher Interessenkollision zwingend hätte offenlegen müssen - festgehalten und niedergeschrieben in Ziffer 5.3. der „Allgemeinen Dienst- und Geschäftsanweisung der Stadt Dortmund“ (AGA).
Voges hätte sich nicht am Vergabeverfahren beteiligen dürfen
Da Voges es aber vorzog zu schweigen, „hätte er nicht am Vergabeverfahren mitwirken dürfen“, kommentieren die Revisoren unter Hinweis auf die Regelungen der „Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge, VGV, § 16.“
Zwar sprechen die Revisoren den Theatermacher ausdrücklich vom Verdacht der Korruption frei. („... hat sich nicht bestätigt.“). Aber einmal in Fahrt gekommen, fahndeten die Prüfer mit der Liebe eines Maikäferforschers nach weiteren Verstößen. Sie wurden fündig: Ins nächste Fettnäpfchen sprang Voges, als er seine Mitarbeiterin aus der Pressestelle beauftragte, den Auftrag an die Firma abzuwickeln.
Mitarbeiterin war nicht berechtigt, Rechnungen zu unterschreiben
Das funktionierte zwar völlig reibungslos per mail. Die Crux ist nur: Voges Helferin sei dazu gar nicht ermächtigt gewesen, so die Revisoren. Obendrein habe sie das „Vier-Augen-Prinzip“ missachtet, das fällig wird, wenn der Wert des Auftrags 1500 Euro übersteigt. Dass die Mitarbeiterin mit ihrer Unterschrift auch die Richtigkeit der Rechnungen bestätigte, werten die Prüfer auch als Verstoß.
Paradox: Hätte die Frau im Stadthaus gesessen und in der originären Verwaltung gearbeitet statt im Theater, wäre sie nach der GAKAV (Geschäftsanweisung über die kassenmäßige Abwicklung von Verwaltungsgeschäften) sehr wohl berechtigt gewesen, zu unterschreiben. Da die GAKAV aber fürs Theater nicht gilt, hätte sie erst die Ermächtigung ihrer Vorgesetzten einholen müssen, monieren die Prüfer. Vom Theater kommt kein Protest gegen den Bericht. Die geschäftsführende Direktorin Bettina Pesch räumt alles ein und verspricht Besserung. Sie will mit Voges reden. Der Klöng hat zurückgeschlagen.
12:36
In Bochum hatten damals Herr Steckel seinen Bruder, Herr Haußmann seine Eltern, Herr Hartmann seinen Schwager und Herr Görden seine Gattin angestellt. Das hat niemanden interessiert. Aber die Zeiten ändern sich. Zum Glück. Aber - nota bene: Der Filz findet nicht nur in Familien statt, sondern genauso ärgerlich in Parteien, Vereinen, Gewerkschaften und und und ...
11:40
Der Artikel wird angekündigt mit dem Wort "Korruptions-Verdacht", und im Artikel dürfen wir dann lesen, dass dieser Verdacht bereits ausgeräumt war, als der Artikel geschrieben wurde.
Aber: Korruption ist halt ein zugkräftiges Wort für die Überschrift, da wollte man nicht drauf verzichten, oder!?
Und irgendwann muss der Verdacht ja mal bestanden haben, also kann man das auch schreiben. Grenzwertig, diese Effekthascherei.
11:02
Das ist ja echter "Klöng"el da im Theater. Früher hiess das doch "Vetternwirtschaft" - nun scheint es durch die "Bruderschaften" abgelöst - oder ergänzt - zu werden? Irgendwie - lustig!
10:24
Theater-Leute sind keine Kaufleute, sondern Künstler.
Das Geld bedeutet ihnen nichts, hauptsache, es ist immer genug da für ihre schönen Künste!
Also sollte man auch nur einen Kaufmann auf diese Position setzen!
Danke! Schöner kann man es nicht ausdrücken.
10:11
Richtige Tat des Kollegen aus dem Theater, der den Tipp gegeben hat. Gute Arbeit der Rechnungsprüfer. Schließlich wird hier unser aller Geld ausgegeben, da muss man gegen Klüngel entschieden vorgehen. Wehret den Anfängen!