Das aktuelle Wetter Dortmund 7°C
Korruptions-Verdacht

Theater-Chef vergibt Auftrag an seinen Bruder

20.11.2012 | 09:32 Uhr
Schauspieldirektor Kay Voges.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Dortmunds Schauspiel-Direktor Kay Voges ist ins Visier der Rechnugsprüfer geraten. Er soll einen Auftrag über knapp 23.000 Euro nicht nur ohne Ausschreibung vergeben haben – sondern auch an seinen eigenen Bruder.

Anfang des Jahres machte sich Kay Voges, Direktor am Dortmunder Schauspiel, mit einem Satirefilm über den Paragraphen-Dschungel und den bürokratischen Aufwand bei Neuanschaffungen lustig. „Der Klöng ist kaputt“ hieß das Stück, das im Mittelbau und auf Sachbearbeiter-Ebene in der Verwaltung für großes Hallo und Zustimmung sorgte. Jetzt schlägt das Imperium zurück: Voges hat einer Firma aus Krefeld einen Auftrag zukommen lassen, in der sein Bruder als Geschäftsführer tätig ist - und hat damit gegen Vergabe-Richtlinien verstoßen.

Wind bekommen haben die städtischen Rechnungsprüfer erst durch einen gezielten Hinweis auf „mögliche Korruption“ aus dem Theater selbst - was der Sache zusätzliche Pikanterie verleiht. Vermutlich wollte Theaterdirektor Voges, als Kreativer und Künstler ein Gegner ausufernder Bürokratie, die Angelegenheit ohne große Formalien regeln, als er die Krefelder Firma „sputnic visual arts“ beauftragen ließ, Plakate, Flyer, Postkarten und Abendspielzettel fürs Dortmunder Schauspiel herzustellen. Auftragswert: 22 586,03 Euro. Das Problem ist nicht nur, dass Voges den Auftrag ohne vorheriges Wettbewerbsverfahren rausgehen ließ.

Video
Dortmunds Schauspieldirektor Kay Voges und Videokünstler Daniel Hengst haben mit dem Kurzfilm „Der Klöng ist kaputt“ ein satirisches Paradestück auf bürokratischen Irrsinn geschaffen.

Noch schwerer wiegt, dass Voges seine Vorgesetzte Bettina Pesch, geschäftsführende Theaterdirektorin, darüber im Unklaren ließ, dass sein Bruder als Geschäftsführer von „sputnic visual arts“ tätig ist. Genau das reiben ihm die Prüfer in ihrem Bericht unter die Nase: Es handele sich um eine personelle Verflechtung, die Voges wegen möglicher Interessenkollision zwingend hätte offenlegen müssen - festgehalten und niedergeschrieben in Ziffer 5.3. der „Allgemeinen Dienst- und Geschäftsanweisung der Stadt Dortmund“ (AGA).

Voges hätte sich nicht am Vergabeverfahren beteiligen dürfen

Da Voges es aber vorzog zu schweigen, „hätte er nicht am Vergabeverfahren mitwirken dürfen“, kommentieren die Revisoren unter Hinweis auf die Regelungen der „Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge, VGV, § 16.“

Crashtest Nordstadt

Zwar sprechen die Revisoren den Theatermacher ausdrücklich vom Verdacht der Korruption frei. („... hat sich nicht bestätigt.“). Aber einmal in Fahrt gekommen, fahndeten die Prüfer mit der Liebe eines Maikäferforschers nach weiteren Verstößen. Sie wurden fündig: Ins nächste Fettnäpfchen sprang Voges, als er seine Mitarbeiterin aus der Pressestelle beauftragte, den Auftrag an die Firma abzuwickeln.

Mitarbeiterin war nicht berechtigt, Rechnungen zu unterschreiben

Das funktionierte zwar völlig reibungslos per mail. Die Crux ist nur: Voges Helferin sei dazu gar nicht ermächtigt gewesen, so die Revisoren. Obendrein habe sie das „Vier-Augen-Prinzip“ missachtet, das fällig wird, wenn der Wert des Auftrags 1500 Euro übersteigt. Dass die Mitarbeiterin mit ihrer Unterschrift auch die Richtigkeit der Rechnungen bestätigte, werten die Prüfer auch als Verstoß.

Video
Fangesänge heißt die neue Produktion des Theaters Dortmund. In der Oper mit vielen Fans als Backgroundchor spielt der BVB und natürlich der Fan an sich eine entscheidende Rolle. Stadionatmosphäre goes Kultur.

Paradox: Hätte die Frau im Stadthaus gesessen und in der originären Verwaltung gearbeitet statt im Theater, wäre sie nach der GAKAV (Geschäftsanweisung über die kassenmäßige Abwicklung von Verwaltungsgeschäften) sehr wohl berechtigt gewesen, zu unterschreiben. Da die GAKAV aber fürs Theater nicht gilt, hätte sie erst die Ermächtigung ihrer Vorgesetzten einholen müssen, monieren die Prüfer. Vom Theater kommt kein Protest gegen den Bericht. Die geschäftsführende Direktorin Bettina Pesch räumt alles ein und verspricht Besserung. Sie will mit Voges reden. Der Klöng hat zurückgeschlagen.

Gregor Beushausen

Kommentare
21.11.2012
12:36
Theater-Chef vergibt Auftrag an seinen Bruder
von DerMusikfreund | #5

In Bochum hatten damals Herr Steckel seinen Bruder, Herr Haußmann seine Eltern, Herr Hartmann seinen Schwager und Herr Görden seine Gattin angestellt....
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Bahn schleift Fußgänger über fast sieben Haltestellen mit
Akute Lebensgefahr
Ein 20-jähriger Fußgänger ist in der Nacht zu Pfingstsonntag auf dem Brackeler Hellweg unter eine Straßenbahn geraten und wurde über fast sieben...
Testen Sie Ihr Wissen zum Zoo-Geburtstag
10 Fragen, 10 Antworten
Der Dortmunder Zoo gehört einfach zur Stadt. Vor allem die Tierbabys locken im Frühling zahlreiche Besucher an. Am Sonntag feiert der Zoo Geburtstag....
Kirchenaustritte auf Rekordniveau und das Ende einer Ära
Neue Sonntagszeitung
Die Zahl der Kirchenaustritte in Dortmund bewegt sich auf einem neuen Rekordniveau. In den Gemeinden herrscht deswegen aber keine Panik. Damit befasst...
U43 schleift Dortmunder drei Kilometer mit – Lebensgefahr
Unfall
Schwerer Unfall in Dortmund: Eine Stadtbahn hat einen jungen Mann mehrere Kilometer mitgeschleift – erst dann zogen Passagiere die Notbremse.
Facebook-Seite von BVB-Spieler Jojic für Betrug genutzt
Borussia Dortmund
Über die Facebook-Seite von BVB-Spieler Milos Jojic erhält eine Dortmunderin ein tolles Angebot: Vier Karten fürs DFB-Pokal-Finale in Berlin. Sie...
Fotos und Videos
Schwere Einsatzfahrzeuge rund um die Hainallee
Bildgalerie
Fotostrecke
Straßenbahnunfall
Bildgalerie
Fotostrecke
article
7311171
Theater-Chef vergibt Auftrag an seinen Bruder
Theater-Chef vergibt Auftrag an seinen Bruder
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/theater-chef-vergibt-auftrag-an-seinen-bruder-id7311171.html
2012-11-20 09:32
Dortmund, Schauspiel, Korruption, Kay Voges, Direktor, Auftrag, Klöng
Dortmund