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Taxifahrer hilft Seniorin - und bleibt auf Kosten sitzen

14.06.2012 | 18:46 Uhr
Taxifahrer hilft Seniorin - und bleibt auf Kosten sitzen
Taxifahrer Wolfgang Löbken transportierte die gehbehinderte Frau ohne Schein. Jetzt bleibt er auf den Kosten sitzen.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Was kürzlich einer schwerst gehbehinderten Patientin nach einem Zahnarztbesuch geschah ist leider kein Einzelfall: Der Arzt weigerte sich, ihr einen Transportschein auszustellen, der es ihr ermöglicht, mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Er hatte Angst, auf seinen Kosten sitzen zu bleiben.

Eigentlich ist die Sache sonnenklar: Eine schwerst gehbehinderte Patientin hat einen Anspruch, mit einem Taxi zum Arztbesuch chauffiert zu werden. Dennoch ist die betagte Patientin in einer Zahnklinik in der Dortmunder Innenstadt beinahe gestrandet, weil sie dort nicht den erforderlichen „Transportschein“ erhielt. Taxifahrer Wolfgang Löbken handelte letztlich kundenfreundlich, beförderte die Dame mit dem Rollator dennoch, bleibt jetzt aber eventuell auf seinen Kosten sitzen. Mit dieser Geschichte sind Löbken und die Seniorin nicht allein, wie verschiedene Krankenkassen bestätigen.

Der behandelnde Arzt hat nicht zu entscheiden

„Es liegt überhaupt nicht im Ermessen des Arztes, darüber zu entscheiden“, führt Löbken aus. „Die Patientin war bereits vom medizinischen Dienst des Versorgungsamtes untersucht worden und hat einen Schwerbehindertenausweis unbefristet mit dem höchsten Einschränkungsmerkmal aG für außergewöhnlich gehbehindert.“ Diese Personen erhalten ebenso wie Blinde und Hilflose sowie Pflegebedürftige mit der Einstufung zwei und drei den Transportschein.

Doch der Arzt fürchtete wohl, auf Kosten sitzen zu bleiben, als er die Ausstellung verweigerte. So bestätigte der Sprecher der AOK Nordwest, Johannes Löhr, dass es immer wieder vorkomme, dass „Behandler aus Unsicherheit keine Bescheinigung ausstellen“. Eine Unsicherheit, die unterschiedlich bewertet wird. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) hält den Wunsch der Zahnärzte nach einer eigenen Richtlinie für unnötig, wie Sprecherin Claudia Widmaier erklärte: „Die Genehmigung der Kasse für eine Übernahme der Fahrkosten hängt nicht von der Fachrichtung des Arztes ab, sondern von den inhaltlichen Vorgaben der Krankentransport-Richtlinie.“ Seit der Einführung dieser Richtlinie im Jahr 2004 ist die Bewilligung in der Tat auf klar definierte Ausnahmen eingeschränkt worden.

Grauzone Transportschein

Dass es bei dem Transportschein tatsächlich eine Grauzone gibt, beschreibt die Sprecherin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung, Anne Sandfort. Ihrer Ansicht nach dürften Zahnärzte den Transportschein nur ausfüllen, wenn die Behandlung im Zusammenhang mit der Gehbehinderung stehe. Deshalb sei auch der Hausarzt in der Pflicht, so die Sprecherin. Doch auch der Hausarzt kann die Ausstellung des Papiers verweigern, wenn die Fahrt gar nicht zu ihm ging.

Diese Schwächen im System sind den Krankenkassen bekannt. Die Bundesknappschaft gehe deshalb sehr unbürokratisch mit dem Problem um, beteuert ihr Sprecher. „Uns reicht schon eine Bescheinigung des Zahnarztes, dass die Fahrt stattgefunden hat“, so Volker Meier. Aber auch diese verweigerte der betreffende Zahnarzt. Und jetzt?

Gerald Nill

Kommentare
15.06.2012
22:59
Taxifahrer hilft Seniorin - und bleibt auf Kosten sitzen
von dongiovanni | #16

Diese Gesundheitsreformen gingen bisher immer zu Lasten der Patienten.
Dieser sollte doch in der Lage sein, die Notwendigkeit eines Transportes zu...
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2012-06-14 18:46
Dortmund