Tattoo- und Piercing-Convention in Dortmund geht Stefan Kretzschmar unter die Haut

Bei der 17. Internationalen Tattoo- und Piercing-Convention in Dortmund ließ sich auch Handballer Stefan Kretschzmar ein neues Bild von „Miami Ink“ stechen. Fotos:
Bei der 17. Internationalen Tattoo- und Piercing-Convention in Dortmund ließ sich auch Handballer Stefan Kretschzmar ein neues Bild von „Miami Ink“ stechen. Fotos:
Foto: Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Jeder zehnte Deutsche ist mittlerweile tätowiert. Und es werden immer mehr, wovon auch die 17. Tattoo & Piercing Convention in der Westfalenhalle Dortmund mit Promis wie Handball-Punk Stefan Kretzschmar profitiert. Der Trend sind fotorealistische Portraits etwa von Andy Engel.

Dortmund.. Wer in diesen Tagen die Fußball-Europameisterschaft schaut, sieht neben deutschen Siegen vor allem eines bei den Spielern: Tattoos ohne Ende. Insofern könnte der Zeitpunkt kaum besser sein, mit der 17. internationalen Tattoo & Piercing Convention auf aktuelle Trends aufmerksam zu machen. Und wer noch bis Sonntag, 17. Juni, in Dortmunds Westfalenhalle 3B Ausschau nach neuen Motiven und Techniken hält, dem geht das breite Angebot mit Sicherheit unter die Haut.

Und noch ein Wortspiel: Aus der Masse der Tätowierten und Gepiercten sticht Handball-Legende Stefan Kretzschmar hervor. „Der ist schon länger ein Freund unserer Messe“, sagt Organisationschefin Carolin Stutzmann vom Veranstalter Wildcat. Zur 17. Auflage begab sich „Kretzsche“ besonders gerne und bereitwillig auf den Stuhl der renommierten US-Künstler von „Miami Ink“. Die Hauptdarsteller der erfolgreichen Amerika-Serie “ Chris Garver, Darren Brass, James Hamilton und Yoji griffen direkt neben der Bühne zu Farbe sowie Nadel und verpassten nicht nur dem Vorzeige-Model ein weiteres einschneidendes Erlebnis.

Und überhaupt: Das Programm der Messe zeigt sich an diesem Wochenende sportlich und lässig. Rocker und Dschungelcamp-Bewohner Martin Kesici betätigt sich als Moderator, unterstützt von der Berliner Radiokollegin Nic. Am Wochenende gibt es Bodypainting, Burlesque-Shows und Wettbewerbe zu sehen. Musiker wie etwa Rapper Lonyen (manch einem bekannt aus der Serie „Tattoo - ein Familie sticht zu“) tritt Sonntagnachmittag auf und präsentiert passenderweise Auszüge wie den Song „Hol die Nadel raus“aus seinem Debütalbum „Unter die Haut“.

Größte Fachmesse dieser Art in Deutschland

Sie sorgen für das Beiwerk, wenn rund 300 Tätowierer und knapp 1000 Aussteller aus aller Welt auf 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Angebote bei der größten deutschen Fachmesse dieser Art präsentieren. „Es wird von Jahr zu Jahr umfangreicher und internationaler“, meint Carolin Stutzmann und führt das darauf zurück, dass auch „Ältere“ etwa aus dem Bildungsbürgertum ihre Tattoo-Vorlieben konkret ausleben. „Es gibt nicht mehr nur den einen Typus, der sich tätowieren oder piercen will, hier treibt sich Jung und Alt herum.“

Auch die Technik habe sich gleichermaßen weiterentwickelt. Es gebe immer mehr Varianten. Zudem werde die Qualität der Tätowierungen immer besser, die Zeichen, Symbole und Bilder kämen immer schärfer zum Vorschein. Das lockte im letzten Jahr 25.000 Neugierige nach Dortmund, auch 2013 wird sich die Szene wieder in der Westfalenhalle vom 7. bis 9. Juni treffen.

Andy Engel sticht Fotos, die unter die Haut gehen

Gestochen scharf ist auch das, was Andy Engel auf der Tattoo Convention in der Westfalenhalle macht. Seine Kunst geht unter die Haut, wovon auch sein erster prominenter Kunde Bela B von der Punkband Die Ärzte ein Lied singen kann. Denn der Künstler mit der Nadel hat sich auf fotorealistische Tätowierungen spezialisiert. Ein Trend, der derzeit mächtig angesagt ist unter den Liebhabern der kunstvollen Hautbemalung. „Dabei wird als Vorlage alles genommen, was zu fotografieren ist“, erklärt Andy Engel. „In erster Linie sind es aber Familienporträts, auch Rockstars, Fußballspieler oder einfach Haustiere wie Hund und Katze.“

Wer sich wie Ramona (23) für ein solch äußerst realistisches Konterfei auf seinem Körper, hier konkret der Unterarm, entschieden hat, der muss in erster Linie Zeit und Geduld aufbringen. „Das dauert so sechs bis sieben Stunden“, schätzt der 39-Jährige. Es komme bei diesen fotorealistischen Bildern auf jedes auch noch wo winzige Detail an. Denn: „Hier würde jeder kleine Fehler auffallen, und mal eben drüber malen, das geht nicht.“

Alles jugendfrei

Und so entsteht in der Westfalenhalle 3B ein Porträt auf dem Unterarm von Ramona, äußerst realistisch, erst die hellgrauen Bereiche, dann nach und nach alles bis ins tiefe Schwarz. Plastisch und mit dem richtigen Kontrast sollen die Bilder unter die Haut gebracht werden. Dabei hat Engel bis zu drei Vorlagen im Auge, um den richtigen Kontrast zu haben, die richtigen Grauabstufungen und das Bild schwarz/weiß vorzuzeichnen. Für die junge Frau aus Borken ist es bereits das 6. Tattoo, „allerdings das erste richtig große“, gesteht sie.

Und der Preis? Den könne man so nicht nennen. Manche Leute hätten Schuhe für 300 Euro im Schrank, CDs für tausende Euros oder Designer-Anzüge. „Und hier bekommt man immerhin etwas sehr Persönliches. Wenn man hier spart, dann spart man am falschen Ende“, so der Mann, der in Bayern ein eigenes Tattoostudio betreibt und mittlerweile einer der Stars in der Szene ist. Es gebe auch schlechte Tätowierer, die horrende Preise aufrufen. Deshalb rät er seinen potenziellen Kunden, sich im Internet vorher genau zu informieren, auf Facebook zu stöbern, um vielleicht auch Bewertungen und Meinungen von Menschen nachlesen zu können, die sich ein Tattoo haben stechen lassen. „Denn ist das Bild unter der Haut, dann kann man nichts mehr verändern“, erklärte der Tattooartist, der seit 18 Jahren in der Szene aktiv ist - und das weltweit.

Tattoo-Szene boomt

Der Boom der Tattoo-Szene scheint also weiter anzuhalten. Nicht umsonst ist die Dortmunder Tattoo-Messe laut Veranstalter jugendfrei, sprich: Besucher unter 14 Jahren zahlen keinen Eintritt, Schüler, Studenten und Behinderte ermäßigt 13 Euro.

Dennoch warnt Carolin Stutzmann speziell zu junge Tattoo-Fans, nicht zu früh dieser Leidenschaft zu verfallen. „Alle, die unter 18 sind, sollten schlicht die Finger davon lassen.“ Außerdem rät sie, sich auch prägnante Tätowierungen etwa im Gesicht, am Hals oder auch an den Händen genau zu überlegen. „Selbst wenn es legal ist und moralisch vertretbar, sollte man genau überlegen, ob das zu einem passt oder sogar womöglich im Beruf zum Hindernis werden kann.“