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Tatort Autohaus

19.04.2007 | 12:18 Uhr

Polnische Schieberbande fischte Pkw-Schlüssel aus den Briefkasten der Niederlassungen.Rund 750 000 Euro Schaden. Knapp 30 Fahrzeuge verschwanden. Gericht verhängt Haftstrafen

Der Tipp kam aus tiefstem Herzen. Und er kam - ungeachtet dessen, dass er sämtliche Vorurteile bedient - von einem Profi: "Wenn Sie zur Fußball-EM nach Polen wollen: bloß nicht mit dem eigenen Auto." Sagte ein Mitglied einer polnischen Autoschieberbande gestern auf der Anklagebank des Landgerichts. Knapp 30 Autodiebstähle in ganz NRW hat der 38-Jährige gestanden. Schaden: rund 750 000 Euro. Unterstützt wurde er von 2000 bis 2006 von seinem ebenfalls geständigen Komplizen.

Tatort Autohaus. Wer hat nicht schon abends seinen Wagen zur Inspektion abgegeben und den Schlüssel in den Briefkasten geworfen? Paradiesische "Arbeitsbedingungen" für die Profi-Bande. Die Aufgabe des einen Angeklagten: die Schlüssel aus dem Kasten zu fischen. Sein Grundwissen auf diesem Gebiet hat er nach eigenen Angaben während seiner Haftzeit aufgestockt. Der Mitangeklagte fuhr die Wagen vom Hof.

Allein in Dortmund schlug die Bande sieben Mal zu. Bei Hülpert verschwand unter anderem ein Audi A 3 im Wert von 20 000 Euro. Die geklauten Autos wurden von einem Schrottplatz in Unna aus nach Belgien weitertransportiert. Bei Einsätzen in Dortmund übernachtete das Duo gerne in Scharnhorst, bei dem anderweitig verfolgten mutmaßlichen Drahtzieher. "Das lag schön nahe am Flugplatz", erzählte der Angeklagte - ein gelernter Restaurator, der mit allen möglichen Jobs seine Familie über Wasser hielt. Als er sich vor Jahren in Polen als Barmann in einem Bordell versuchte, habe er dort dummerweise Schulden gemacht. Zur Tilgung hätte man ihm zu "Dienstleistungen im Bereich der Illegalität" geraten.

Gesagt, getan: Seiner Ehefrau gefielen die diversen Gefängnisaufenthalte gar nicht. "Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nach Hause komme", meinte er zerknirscht. Das wird noch dauern: Nach dem Urteil der 39. Strafkammer muss er fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis, sein Komplize drei Jahre. K.M.

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