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Tagesbruch-Arbeiten auf vollgesperrter A45 in Dortmund dauern länger als eine Woche

20.01.2012 | 18:10 Uhr
Tagesbruch-Arbeiten auf vollgesperrter A45 in Dortmund dauern länger als eine Woche
Die Tagesbruch-Arbeiten auf der vollgesperrten A45 in Dortmund dauern länger als eine Woche.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Die A45 bei Dortmund bleibt, wie berichtet, wegen des Tagesbruchs länger als bisher geplant gesperrt. Auch, weil das bereits verfüllte Loch auf dem Mittelstreifen nachgesackt sei. Da es dort noch weitere Hohlräume gibt, erklärt der leitende Bergdirektor Andreas Nörthen, wie löchrig das Revier ist.

Die A45 bei Dortmund bleibt, wie berichtet, wegen des Tagesbruchs länger als bisher geplant gesperrt . Die zuständige Sicherheitsfirma habe das zehn Quadratmeter große Loch auf dem Mittelstreifen mit Spezialbeton verfüllt, das sei allerdings nachgesackt, wie der WDR berichtet. Probebohrungen haben ergeben, dass es noch weitere Hohlräume gibt, die verfüllt werden müssen. Weitere Informationen will Straßen.NRW am Montag bekannt geben.

Der Tagesbruch an der A45 hat massive Auswirkungen auf den Verkehr , zum Glück kam aber niemand zu schaden.

Und er ist kein Einzelfall: In Bochum-Höntrop brach im Januar 2000 eine riesige bebaute Fläche ein, weil ein alter Schacht nicht richtig gesichert worden war. In Siegen stürzte im Jahr 2004 ein sogenanntes Roll- oder Schrägloch ein, das überbaut worden war. Der dortige Erzbergbau ist zwar weit sicherer als der Kohlenbergbau, da er meist durch festes Gestein führt, doch die lediglich verfüllten Zugänge waren nicht standsicher genug.

Bergbau-Erinnerungen im südlichen Ruhrgebiet

Der aktuelle Tagesbruch an der A45 erinnert an den Bergbau im südlichen Ruhrgebiet. Irgendwann hatte die Eiche 18 Meter in der Erde eben keine Lust mehr und knickte ein.

Übersicht über den Altbergbau in NRW (Quelle: Bezirksregierung Arnsberg). Grafik: Manuela Nossutta

Wann der Tagesbruch, der zur Sperrung der Autobahn 45 zwischen den Kreuzen Dortmund-Süd und Dortmund/Witten in Gang kam, kann Andreas Nörthen, leitender Bergdirektor Landesoberbergamtes, nicht sagen. Ganz sicher sagen kann er, dass in vielen Gebieten Nordrhein-Westfalens ähnliches passieren kann.

Gibt es Bergschäden denn nicht nur in aktiven Abbaugebieten?

Nein, dort treten Bergschäden auf, so wie sie in den letzten Jahrzehnten üblich waren. Nach Abbau der Kohle drückt das mächtige Deckgebirge den Hohlraum ein, in verhältnismäßig kurzer Zeit sinkt die Oberfläche ein. Gebäude, die im Bereich des Randes eines solchen Troges stehen, können beschädigt, manchmal sogar zerstört werden.

War das bei der A45 der Fall?

Nein, hier handelt es sich um historischen Bergbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wenn weniger als 100 Meter Gestein über dem Hohlraum sind, reicht der alte Holzausbau, mit dem die Bergleute früher die Stollen und Abbaupunkte sicherten, um ihn Jahrzehnte lang offen zu halten.

Wann brechen Sie ein?

Meist, wenn Wasser von der Oberfläche in den Hohlraum gerät und das Holz anfängt zu modern.

Was passiert dann?

Video
Die A45 ist zwischen Dortmund und Witten infolge eines Tagesbruchs löchrig wie ein Käse. Unser Video zeigt, wie Spezialtiefbauer die Löcher stopfen.

Die „Stempel“ aus Holz knicken ein, die Decke – der Bergmann sagt „das Hangende“ – bricht ein. Manchmal hält eine dünne Sandsteinschicht den Durchbruch auf, doch nach und nach stürzen Erde und Steine ein bis auch die oberste Schicht in die Tiefe stürzt: der Tagesbruch ist da.

Passiert das oft?

Seit Mitte der 60er Jahre verzeichnete die Bergbaubehörde mehr als 2200 bergbaubedingte Tagesbrüche.

Sind nur die Kohleabbaugebiete betroffen?

Nein, auch der Erzbergbau, etwa im Siegerland. Auch an der A45 war ein alter Erzflöz Auslöser für den Tagesbruch. Allerdings sind Erzbergbaugebiete bei Weitem standsicherer als die Kohlegebiete.

Wie erfahre ich, ob meine Wohngegend auch gefährdet ist?

Eine Grobanalyse gibt es kostenlos von der Bergbaubehörde über das Internet. Unter der Adresse www.gdu.nrw.de kann jeder in Sekundenschnelle nachschauen, ob sein Umfeld gefährdet ist. Wer genauere Angaben benötigt – etwa, weil auf einem Grundstück gebaut werden soll – erhält dort auch eine genauere, allerdings kostenpflichtige Auskunft.

Welche Spuren des Bergbaus finden sich im Ruhrrevier?

Überwiegend Kohleabbau. Der Abbau aus Zeiten seit Gründung der Ruhrkohle 1969 ist exakt belegt. Auch die Jahrzehnte davor. Im Krieg wurden viele Unterlagen, die einst bestanden, zerstört. Ungenau wird es, wenn der Abbau in Notzeiten wild in der sprichwörtlichen „Zeche Eimerweise“ geschah. Niemals verzeichnet wurde der historische Bergbau – immerhin wird im Revier schon seit 350 Jahren nach Kohle gegraben.

Wo ist die Gefahr dieses oberflächennahen Bergbaus am größten?

Dies kann nur ungenau gesagt werden, die Faustregel lautet: südlich der Bundesstraße 1 bis zur Ruhr. Ausnahme ist Sprockhövel, der dortige uralte Steinkohlebergbau könnte auch heute noch für Überraschungen gut sein.

Wer zahlt für Schäden?

Eigentlich der Rechtsnachfolger des Bergwerks – aber der ist so gut wie nie existent. Im Zweifel muss das Land selber zahlen.

Wer zahlt die Sicherungsmaßnahmen im Vorfeld?

Meist wird derjenige herangezogen, der den bestehenden Zustand „stört“, der also etwas tut, was eine Sicherung notwendig macht. Das muss nicht unbedingt der Grundstückseigentümer sein. Der ist lediglich zur Sicherung verpflichtet, wenn er zum Beispiel über dem Hohlraum bauen will.

Was tut das Land?

Das finanziert aktuell ein Programm zur Sicherung alter Bergwerksschächte. Zwei Millionen Euro wurden allein 2011 dafür gezahlt.

Vollsperrung A45 für zwei Wochen

 

Christoph Bauer

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