Das aktuelle Wetter Dortmund 9°C
Im Schaufenster

Tänzer als bewertbare Ware

13.10.2010 | 18:38 Uhr
Tänzer als bewertbare Ware
Pipo Tafel und Felix Bürkle im Schaufenster. Bild: Ralf Rottmann

Dortmund. Tanz ist immer eine Art von Zurschaustellung: Ein Tänzer zeigt seinen Körper und im besten Fall auch einen Teil seiner Seele auf der Bühne, vor fremden Zuschauern. Felix Bürkle und Pipo Tafel treiben dieses Prinzip deutlich weiter: Die beiden stellen ihre Kunst im Schaufenster an der Hohen Straße 87 zur Diskussion – und gehen sogar so weit, sie im Internet bewertbar zu machen.

Ein Projekt, das vom NRW Kultursekretariat mit dem Stipendium „Tanzrecherche NRW“ unterstützt wird: „Ein Freiraum, sich intellektuell und inhaltlich mit einem Thema auseinanderzusetzen“ ohne Druck, dass das Ergebnis in einer Aufführung münden mus, erklärt Christian Esch, Direktor Kultursekretariat. Tut es bei Felix Bürkle und Pipo Tafel aber doch: Die beiden Folkwang-Absolventen untersuchen in ihrem Projekt „Autoresponder“, inwiefern sich das Aufkommen der sozialen Medien wie Facebook kreativ nutzen lässt – und ob es zu einem Austausch kommen kann, der Einfluss auf ihren Tanz hat. Das Ergebnis ist am 5. November, 17 Uhr im Rahmen des Festivals „Favoriten 2010“ in der Hohen Straße zu sehen.

Dort proben sie bis zur Aufführung täglich außer sonntags und montags von 20 bis circa 23 Uhr im Schaufenster und stellen Mitschnitte bei YouTube und Facebook ein. „Tanz ist wie Kommunikation ein flexibles System“, sagt Pipo Tafel. „Wir wünschen uns direkte Reaktionen“, erklärt Felix Bürkle.

Pochende BVB-Fans

Bislang haben sie die mehr von Vorbeiflanierenden bekommen: Sei es, dass der persische Nachbar mit ihnen diskutierte – oder BVB-Fans aggressiv gegen die Scheibe pochten.

Am Abend des Deutschland-Spiels ist das Licht ihres Schaufensters eines der wenigen Anzeichen von Leben auf der Hohen Straße. Die beiden schmalen Tänzer klammern sich aneinander, der eine zieht den anderen hoch, dann verknäulen sie sich. Mal kreisen sie wie im Boxring umeinander, dann wirken sie, als umarmten sie sich. Beide inspirieren einander: Felix Bürkle, der aus dem Zirkusbereich kommt und viel mit Kontaktimprovisation arbeitet, und Pipo Tafel, der schon mit William Forsythe arbeitete und sich entsprechend für den Körper im Raum interessiert.

Sie scheinen Energien, Impulse des anderen aufzunehmen und weiterzutragen. Schlag, Zucken, Stampfen. Und den Raum bis zu seinen Grenzen auszutesten. Doch selbst, als sie gegen das Schaufenster gepresst sind und das Glas vor Hitze und Emotion beschlägt, schauen Passanten nur kurz hin. Eine andere Bewegung ist an diesem Abend wichtiger: Fußball.

Nadine Albach



Kommentare
14.10.2010
02:51
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Schild warnt vor Giftködern — als Abschreckung erlaubt?
Warnung
"Giftköder zur Hundeabwehr ausgelegt!" — dieser Satz steht auf einem Schild in einem Vorgarten in Dortmund-Oestrich. Zur Beruhigung: Dort liegt nicht wirklich Gift. Aber ist eine solche Abschreckung erlaubt? Und was hilft wirklich, damit der Vorgarten nicht zum Hundeklo wird?
Westfalenhalle und FZW bekommen Konkurrenz
Konzerte
Dortmund bekommt einen neuen Partytempel: Die Phoenix-Halle in Hörde wird zur Konzert-Arena mit Disko-Betrieb. Ein privater Investor will das denkmalgeschützte Gebäude umbauen und erweitern. Mit einer Kapazität von bis zu 3600 Plätzen könnte die Phoenix-Halle den Westfalenhallen Konkurrenz machen.
Bürgersteige verhindern Straßensanierung
Lichtendorfer- / Sölder...
An der Stadtgrenze ist Schluss mit der neuen Fahrbahndecke: Während die Verkehrsteilnehmer auf Schwerter Stadtgebiet aufatmen dürfen, müssen die auf Dortmunder Seite weiter mit Tempo 30 über die Lichtendorfer- / Sölder Straße rumpeln. Die Begründung dafür überrascht: Schuld sind die Bürgersteige auf...
Umbau des Dortmunder Hauptbahnhofs startet mit der U-Bahn
Verkehr
Es ist eines der wichtigsten Bauvorhaben in Dortmunds Stadtbahn-Netz: Am Mittwoch hat die Erweiterung der U-Bahnhofs unter dem und am Hauptbahnhof begonnen. 37 Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren verbaut. Auch der heißersehnte Umbau des Bahnhofs rückt näher.
AWO-Kitas werden Freitag bestreikt
Tarifkonflikt
Warnstreik bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO): Am Freitag wollen zum wiederholten Mal die Beschäftigten von Kitas, Seniorenzentren, Küchen und Behindertenwerkstätten ihre Arbeit niederlegen.
Fotos und Videos
Ausstellung 'Foto Stories' im Depot
Bildgalerie
Fotostrecke
Bilder aus Sila Sahins Karriere
Bildgalerie
Fotostrecke
Foto-Projekt "Wir: echt Nordstadt"
Bildgalerie
Fotostrecke