Syrer bricht Hungerstreik ab - Camp soll in die City ziehen

Syrische Kriegsflüchtlinge demonstrieren zurzeit noch vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Dortmumd.
Syrische Kriegsflüchtlinge demonstrieren zurzeit noch vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Dortmumd.
Foto: Peter Bandermann
Was wir bereits wissen
Der Syrer Majed Morshed hat seinen Hungerstreik vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Dortmund beendet. Das Camp könnte bald umziehen.

Dortmund.. Knapp eine Woche nach dem Beginn einer Protestaktion vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an der Huckarder Straße in einem Dortmunder Gewerbegebiet geben die Demonstranten das Protest-Camp sehr wahrscheinlich auf. Aber nicht ihre Forderungen nach deutlich schnelleren Anerkennungs-Verfahren für syrische Kriegsflüchtlinge, die ihre Familienangehörigen nach Deutschland holen wollen, um sie vor dem Krieg in Syrien zu schützen.

Protest Der neue Plan: Die Demonstranten verlagern das Protest-Camp in die Innenstadt. Mit der Polizei führen sie Gespräche über die Katharinenstraße. Der syrische Arzt Shady Haj Husein (27) ist einer der Sprecher der Demonstranten und sagt über das Ziel: "Wir demonstrieren so lange weiter, bis unsere Forderungen erfüllt werden." Die in Dortmund und in anderen NRW-Städten sicher untergebrachten Kriegsflüchtlinge richten sich weiter auf einen unbefristeten öffentlichen Protest ein. Dies ist auch ein Ergebnis nach einem Gespräch mit Politikern der Grünen aus NRW und Dortmund. Shady Haj Husein: "Wir demonstrieren ausschließlich friedlich und wollen keinen negativen Druck ausüben. Deshalb ist auch der Hungerstreik abgebrochen worden." Der Protest könne auch mehrere Wochen dauern.

"Wollten niemandem Probleme bereiten"

"Das Bundesamt hier in Dortmund hat unser Anliegen verstanden", sagte der syrische Journalist Majed Morshed über ein erstes Etappenziel. Allerdings sitzen dort die falschen Ansprechpartner. Er selbst sagt, dass der Hungerstreik letztendlich zu negativ gewesen sei: "Wir wollten damit niemandem Probleme bereiten." Dennoch bittet er die deutsche Regierung um Intervention. Das BAMF spricht von "beschleunigten Verfahren", doch die dauern in der Praxis allerdings Monate, teilweise sogar Jahre. Die in Deutschland angekommen Flüchtlinge, darunter auch Frauen mit Kindern, sind in großer Sorge um ihre Familien in der zerstörten Heimat. Die in Dortmund demonstrierenden Syrer geben ihrem Land keine Chance. Die Kommunikation mit Angehörigen ist stark eingeschränkt. Der Zugang zu Strom und Internet ist nicht planbar.

"Sehr, sehr dankbar sind wir den Dortmunder Bürgern", betonte Shady Haj Husein am Sonntag (15.6.) noch einmal. Helfer versorgten das Protest-Camp mit bis zu 100 Teilnehmern mit Lebensmitteln und Getränken - und wegen des Regens am Samstag auch mit Planen und Zelten. Laut Shady Haj Husein hätten sie auf Medienberichte reagiert.

Eine Herausforderung ist das Protest-Camp der Syrer für die Polizei: Egal, wo die Kriegsflüchtlinge demonstrieren: Sie müssen rund um die Uhr vor Störversuchen oder Übergriffen durch Neonazis geschützt werden. Dem Demonstranten, der sich am Freitag (12.6.) mit Benzin übergossen hatte und sich anzünden wollte, soll es wieder besser gehen. Er wurde in dem Camp nicht mehr gesehen. Die Demonstranten hatten sich von dieser mit ihnen nicht abgestimmten Aktionsform distanziert. Sie sei kontraproduktiv gewesen.