Sven (12) vor drohendem Knast bewahren
01.08.2012 | 11:56 Uhr 2012-08-01T11:56:00+0200
Dortmund. Unter dem Motto „Kurve kriegen“ hat das NRW-Ministerium für Inneres 2011 in acht Städten ein neues Modellprojekt entwickelt, um gefährdete Kinder und Jugendliche vor einem Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren. Ein Jahr nach dem Start: Was ist in Dortmund seitdem passiert?
Sven (12) ist ein netter, aufgeweckter Junge. Doch Sven hat ein Problem. Er prügelt sich häufig auf dem Schulhof, hat auch schon einmal einen Lehrer angegriffen. Die Jungs, mit denen er sich trifft, sind der Polizei bestens bekannt. Noch hat Sven aufgrund seines Alters Narrenfreiheit – aber die Uhr tickt. Damit er in zwei Jahren nicht als Intensivtäter im Jugendgefängnis landet, muss Sven jetzt die „Kurve kriegen“ .
Das gleichnamige Modellprojekt, 2011 vom NRW-Ministerium für Inneres gegründet, hat zum Ziel, gefährdete Kinder und Jugendliche vor einem Abrutschen in die Kriminalität zu bewahren. Zielgruppe: 8- bis 15-Jährige. Ein Jahr nach dem Start: Was ist passiert?
Pädagogen und Polizisten arbeiten Tür an Tür
Die 28 Mädchen und Jungen kommen aus fast allen Stadtteilen. Vorwiegend sind es deutsche Probanden (18).
Insgesamt 15 einzelne Maßnahmen begleiten das Modell, darunter der Kinderschutzbund.
Etwa 90 Prozent der Familien sind dem Jugendamt bekannt.
„Unser Jüngster ist neun. Schon komisch, der geht einem gerade mal bis hier“, sagt Stephan Moning, Fachpädagoge beim Freien Trägerverein „Die Brücke“, und zeigt mit der Hand gegen seine Brust. Moning ist einer der beiden „Fremdgänger“ im Polizeipräsidium: Zusammen mit Kollegin Anja Schwesig arbeitet er nicht nur Hand in Hand , sondern auch Tür an Tür mit der Polizei. „Wir sind die einzigen Nicht-Polizisten mit eigenem Büro.“
Pädagogen und Polizisten – können die es überhaupt miteinander? „Wir lernen voneinander“, sagt Kriminalhauptkommissar Rainer Nehm fein lächelnd. Die Vier – Kollege Kriminalhauptkommissar Klaus Beisemann ist gerade in Urlaub – können über mangelnde Arbeit jedenfalls nicht klagen.
Datenbank mit 900 Namen
25 Jungen und drei Mädchen haben sie unter ihren Fittichen. Die geringe Anzahl der Mädchen dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass „die auch schon mal mit der Faust statt mit der Hand zuhauen“, sagt Rainer Nehm. Er ist derjenige, der den ersten Kontakt zu den Eltern herstellt, der sondiert, wer überhaupt für das Projekt in Frage kommt.
Beim systematischen Durchforsten einer Datenbank, in der 900 straffällige Kinder und Jugendliche erfasst sind, falle einem schon der eine oder andere Kandidat ins Auge. Es gibt aber auch andere Wege: So landete der Grundschüler Dennis, mit neun Jahren der Jüngste, durch die dringende Empfehlung einer Schulsozialarbeiterin bei „Kurve kriegen“. Dennis hatte sich heftig geprügelt.
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