Warum neue Blinden-Signale an Ampeln für Ärger sorgen

Es klickt - aber nicht richtig: Einige Ampeln in Dortmund haben neue akustische Signale für blinde und sehbehinderte Menschen bekommen. Doch diejenigen, für die sie eingerichtet wurden, sind nicht zufrieden. Und Anwohner treibt das durchgehende Klicken geradezu in den Wahnsinn.

Hörde.. Was hat sich bei den Ampeln in Dortmund geändert?

Neue Signalanlagen wurden zunächst an insgesamt sieben Ampeln angebracht. Das Behindertenpolitische Netzwerk hatte die Initiative dazu in den Stadtrat eingebracht. Denn an vielen Stellen sind die akustischen Signale zu leise eingestellt- oder ganz kaputt. Deshalb beschloss der Rat im Mai 2014, auf lange Sicht alle alten Anlagen durch die neueste Generation zu ersetzen. Bedeutet: Sie sind lauter, höher und reagieren auf die Umgebungslautstärke. "Das reduziert die Belastung der Anwohner", sagt Stadtsprecher Frank Bußmann. In der Realität ist offenbar das Gegenteil der Fall.

Worin liegt das Problem?

Wenn der Verkehr an der Kreuzung Wellinghofer Straße/ Nortkirchenstraße in Hörde weniger wird, bleibt nur noch ein Ton: Ein grelles, monotones "Klick, Klick, Klick", durchgehend, von 6 bis 22 Uhr, aus insgesamt 16 gelben Kästen an dieser Groß-Kreuzung.

Was sagen die Anwohner?

"An den Verkehrslärm kann man sich gewöhnen. Aber dieses Geräusch ist nicht zu ignorieren. Vor allem, wenn es drumherum ruhiger wird", sagt die 69-jährige Ursula Behler. Sie steht stellvertretendfür eine mittlerweile massive Front von Beschwerden, die das Tiefbauamt und das Behindertenpolitische Netzwerk in den vergangenen Wochen erreicht haben. Aus Hörde, von der Märkischen Straße, aus dem Kreuzviertel und anderen Orten.

Und wie finden blinde und sehbehinderte Menschen das neue Signal?

"Nach meinen Beobachtungen wird das nur sehr träge oder überhaupt nicht leiser", sagt Richard Schmidt, aktiv im Vorstand des Blinden- und Sehbehindertenvereins sowie im Behindertenpolitischen Netzwerk. Gerade die Situation in Hörde sei für Blinde und Sehbehinderte trotz der an sich sinnvollen neuen Signale nicht optimal. Teilweise führt das angesichts der vielen Übergänge an dieser Stelle zu verwirrenden Doppel-Signalen.

Was muss jetzt geschehen?

"Das Problem scheint, dass die Anlagen falsch eingestellt sind", sagt Schmidt. Deshalb drängt das Behindertenpolitische Netzwerk auf einen raschen Termin mit Technikern vor Ort. "Ziel muss sein, dass wir etwas davon haben, und Anwohner nicht über Gebühr belastet sind."

Die akustischen Signale dienen zur Orientierung an den Ampelmasten. Mit Ton und Vibration signalisieren sie die Grünphase. "Lebenswichtig", nennt das Richard Schmidt.Hintergrund der Ratsinitiative war die Forderung, "dass zukünftig nur noch DIN-gerechte Zusatzeinrichtungen zum Einsatz kommen" und Wartung und Ersatzteile garantiert seien.