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Schloss Duwiseb

Warum Hörder Stahl in Namibia immer noch eine Rolle spielt

08.02.2016 | 18:55 Uhr
Dieser Aufdruck lässt darauf schließen, dass der für diesen Träger verwendete Stahl über 15.000 Kilometer aus Hörde angeliefert wurde.
Dieser Aufdruck lässt darauf schließen, dass der für diesen Träger verwendete Stahl über 15.000 Kilometer aus Hörde angeliefert wurde.Foto: Christian Barrenbrügge

Hörde..  Stahl des Hörder Bergwerks- und Hüttenverein hatte einmal Weltruf. Eine kleine Spur findet sich an einem Ort, der heute eine bekannte Touristenattraktion in Namibia im Südwesten Afrikas ist. Eine Geschichte darüber, wie Hörder der Hörder Stahl es über die Weltmeere schaffte.

Man lässt den Ort Beta, der eigentlich nur die Häuseransammlung um die Tankstelle darstellt, hinter sich, steuert über staubige, mehrere Höhenmeter starke, Wellen werfende Schotterpisten unter der sengenden Sonne Afrikas durch die ehemalige deutsche Kolonie Deutsch-Südwest.

Von 1894 bis 1915 war das heutige Namibia Teil des Deutschen Kaiserreichs. Eine Geschichte von Unterdrückung und blutig niedergeschlagenen Aufständen der Herero. Aber auch von Spuren, die deutsche Siedler in Afrika hinterlassen haben.

Rechts und links nur Buschsavanne voll mit Springböcken und Antilopen. Jeder europäische Tourist, der heute Namibia bereist, steuert auf Schloss Duwiseb zu. Duwiseb liegt einsam, stolz empor auf einer Anhöhe. Das sogenannte Schloss ist eine im wilhelminisch-neuromanischen Stil erbaute akkurate Burganlage aus grobem roten Felsstein aus dem Jahre 1908.

Der deutsche Offizier der dortigen Schutztruppe, Hans-Heinrich von Wolf, erspähte das Stück Land, erwarb insgesamt 55.000 Hektar. Nachdem er in der europäischen Heimat die US-Amerikanerin Jayta Gumphries geheiratet hatte, ließ er in zweijähriger Bauzeit dort die surreale Burg errichten. Das verwendete Baumaterial und Inventar war fast ausschließlich aus Europa geordert und per Schiff über den deutschen Hochseehafen Lüderitz antransportiert worden.

Das Klima am Rand der Namibwüste war und ist extrem trocken und heiß, doch das junge Ehepaar wollte nicht auf Annehmlichkeiten verzichten. So verbaute man auf 900 Quadratmeter Wohnfläche 22 großzügige und feudal eingerichtete Zimmer. Unter dem Vierungsturm führt eine kleine enge Treppe in die Tiefe und endet an einem Weinkeller mit Tresen.

Mit Kalk weiß verputzte Wände geben dem Kellerraum einen robusten Charme. An der Decke sind noch die Stahlträger zu sehen, die die Decke als auch darüberliegende Eingangshalle stützen. Interessant sind aber die Aufdrucke, die die schwarzen Stahlträger zieren.

Neben der in grün-beige gehaltenen Aufschrift "Wolf und Lüderitzbucht", die wohl dem Reeder aufzeigten, wohin die Ladung sollte, ist viel schwächer eine Einprägung zu erahnen, die "Hoerde 18" verrät.

Das Paar von Wolf hatte, obwohl er aus dem fernen Sachsen stammte, dem westfälischen Stahl den Vorzug gegeben und Hörder Stahl geordert, diesen dann per Schiff über 15.000 Kilometer den Atlantik heruntersegeln lassen. Anschließend mussten diese Stahlträger mühsam per Ochsenkarren an die 350 Kilometer in den versteckten Winkel abseits der Namib gezogen werden.

Ein deutliches Indiz für den Ruhm und die Qualität der damaligen Stahlarbeiter des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins. Bei der dortigen Regenarmut werden diese Träger wohl noch länger Stabilität garantieren und den Namen Hörde als Stahlstandort im Bewusstsein halten.

Christian Barrenbrügge, Felix Guth

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