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Phoenix-See

Warten auf den (See-) Adler

07.09.2012 | 17:01 Uhr
Warten auf den (See-) Adler
Volker Heimel mit einem ausgestopften Wespenbussard.Foto: Jochen Linz/PiLi

Hörde.   Vor dem Mensch ist die Natur da: Am Phoenix-See in Hörde haben sich bereits viele Tierarten angesiedelt. Auch der Fischadler wird auf seinem Durchzuig erwartet. Hörde hätte einen (See-)Adler.

Es ist ein Hämmern, Klopfen und Brummen rund um den Hörder Phoenix-See. Neubürger machen sich breit und bestellen Grund und Häuser. Mancher Bewohner ist schon längst da, aber nicht immer zu sehen: Seltene Tiere und Pflanzen haben das Gewässer als Heimstatt entdeckt. Ein Rundgang mit dem Dortmunder Biologen Volker Heimel.

Zugzeit für Greifvögel

Weil man ihn selten beobachten kann, hat ihn Volker Heimel eben unter den Arm geklemmt. Es ist ein ausgestopfter Wespenbussard, in Dortmund ein höchst seltener Greifvogel. Erst Mittwoch noch hat Heimel zwei Exemplare über dem Phoenix-See gesichtet.

Es ist Zugzeit für Greifvögel, auch auf den Fischadler wartet der Biologe noch und dann hätte Hörde so etwas wie einen See-Adler. „Der Wespenbussard ist auf Wespen spezialisiert, nur selten fängt er auch mal eine Maus“, sagt Heimel. Diese Bussarde fliegen wie Weihen und Milane, ein leichteres Schweben, erläutert er. In der Tier- und Pflanzenwelt ist der See bereits angekommen.

Ist so ein künstlich angelegtes Großbiotop eigentlich ökologisch sinnvoll? Von einem hartgesottenen Umweltschützer würde man an dieser Stelle eine Abrechnung mit einem Projekt menschlichen Wahns erwarten; Volker Heimel zuckt nur mit den Schultern.

Man merkt den Menschen Freude an

Der See biete vielen Leuten Arbeit, vielen Leuten Spaß und Entspannung und sei für Dortmund eine Bereicherung. Für Hörde sei es immer noch ein wenig unvorstellbar, wie eine Vision, die Wirklichkeit geworden sei. „Und den Menschen merken sie die Freude an, die ihnen der See bereitet“, sagt er.

Wie bestellt treffen wir auf eine Reisegruppe aus Schwaben, die vier Tage Ruhrpott intensiv machen. „Schwobe aus Stugerd“, erfahren wir auf Nachfrage, der Phoenix-See hat sich also schon bis nach Stuttgart herumgesprochen ist neben Zeche Zollverein eine vollwertige Attraktion geworden.

Wenig später laufen wir einem weiteren Neubürger über den Weg. Auf der Kaimauer hat sich ein Strandläufer niedergelassen, offenbar müde von seiner Reise. Uns lässt er ziemlich nahe heran. „Das der hier so am Ufer sitzt, hätte ich nicht erwartet. Das ist selbst für mich als Ornithologe eine Seltenheit“, sagt Heimel.

Größte Schilfzone der Stadt

Auch Rekorde „kann“ der See. Er ist in Dortmund größter Brutplatz der Reiherente, 30 Jungvögel wurden gezählt; das sind die Enten, die plötzlich abtauchen und wie ein Korken wieder an die Oberfläche springen. Er besitzt auch die größte Schilfzone des Stadtgebiets. „Schilf wirkt wie ein Filter und reinigt das Wasser“, erläutert Heimel, greift in seine Tasche und holt einen Teststreifen hervor. Der pH-Wert liegt bei 7, wie beim Trinkwasser. Die Wasserqualität sei gut und der Phosphatabscheider am Hafen wirklich einmalig in Deutschland.

Leere Flaschen, Styropor

Doch gegen den menschlichen Besucherdruck richten auch die besten Maßnahmen nichts aus. Im Hafenbereich dümpelt ein dünner Styroporfilm auf dem Spülsaum des Sees, Plastikverschlüsse, leere Flaschen und auch ein iPod-Kopfhörer liegen auf dem Grund. Regen spült die Ausscheidungen von Gänsen und Hunden in den See.

Weiter östlich am Südrand des Sees beginnt ein schmaler, durch feinen Draht geschützter Schilfsaum. Sumpfdotterblumen gedeihen darin, Kalmus, Froschlöffel und Schwertlilie und mit Glück kann man den Grünfrosch sichten und die Goldene Acht, einen seltenen gelben Schmetterling; die Königslibelle, den Blaupfeil und die Becher-Azur-Jungfer sowieso.

Was man alles an grünem Zeugs rund um den See findet, haben Mitglieder des Bochumer Botanischen Vereins unter Leitung des Dortmunder        Naturschützers Dieter Büscher im Juli dieses Jahres notiert. Ihre Liste beginnt bei A wie Acer platanoides (Spitzahorn) und endet bei Vulpia myuros (Mäuseschwanz-Federschwingel). Dazwischen liegen drei eng beschriebene Seiten verschiedenster Gewächse. Noch ein Rekord?

Michael Schmitz und Jochen Linz (Fotos)

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Kommentare
10.09.2012
22:33
Warten auf den (See-) Adler
von boehmann | #2

Ist wohl ein Scherz ,; Seh atler aus Plastik bei der " Bucht " zu kaufen.
Ich warte auf die ersten KONDORE an den Kohle Halden.
Wann taucht der erste Wesse Hai auf.???
Ich war gestern zun ersten mal am PH-SEE und habe " PHÖNY " gesehen,,,,Loch Ness lässt grüssen.

08.09.2012
02:56
Au ja, Artenvielfalt
von vaikl2 | #1

Lt. RN ist die "Artenvielfalt" in dieser Pfütze durch anonymes Aussetzen von Goldfischen und sogar (bislang) einem gesichteten Karpfen sprunghaft gestiegen. Da ausgerechnet Karpfen die als Superwaffe gegen Wasserpest ausgesetzte Armleuchteralge als "lecker Essen" betrachten, muss der einfallsreiche Seebiologe dann wieder gegensteuern und plant schon mit Hechten ab 2014.

Scheinbar entwickelt sich der Phoenix-See zu einem Schul-Beobachtungsprojekt, wie man mit Natur - ob echt oder nur "naturiert" - auf keinen Fall umgehen sollte.

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