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Aplerbeck

Vom Priester zum Atheisten

29.07.2010 | 17:08 Uhr
Vom Priester zum Atheisten
Der Aplerbecker Gerard Rohr ist Buchautor und ehemaliger Priester Foto: Anja Cord

Aplerbeck.Er ist ein Mann der Gegensätze und harten Schnitte, der ehemalige katholische Priester Gerhart Rohr. Zwölf Jahre lang predigte der Aplerbecker von der Kanzel herab, dann fand er die Frau seines Lebens. Was folgte, war der totale Bruch mit der Kirche und dem Glauben. Rohr schulte um zum Lehrer, machte Karriere als Studiendirektor und Buchautor. Heute sagt er: „Ich bin Atheist“.

Die Aplerbecker kennen ihn als streitbaren Ratsvertreter, als Flughafengegner und Geschäftsführer ihres Geschichtsvereins. Einer, der sein ganzes Leben lang, leider oft zu leise, sein Herz auf der Zunge trägt. Gerhart Rohr ist ein Mann der Wahrheit. Einer der für seine Meinung auch schon mal ein Parteiausschlussverfahren riskiert. Dass die SPD ihn in ihren Reihen beließ, ist ihm heute nicht mehr so wichtig. Er spricht lieber über die neun Sachbüchern, die er mit seinem Freund und Ex-Kollegen Rolf Heiderich bisher geschrieben hat. Sie entstanden aus dem Bedürfnis heraus, Eltern, Lehrern und Schülern Unterrichts- und Lebenshilfen mit auf den Weg zu geben.

Studium an fünf Universitäten

Interesse wecken und zum Nachdenken anregen sollen sie. Das bisher letzte Buch „Bewegende Jahre“ über Deutschland nach 1945 kam im Frühjahr auf den Markt.

Bevor der ehemalige Seelsorger seine Frau Elke kennen- und lieben lernte, war er ein Mensch auf der Durchreise. Philosopie und Theologie studierte er allein an fünf Universitäten. Zehnmal ist er als Kind umgezogen, mit einer Familie, die von den Nazis nicht viel hielt. Den Vater zog es von Mannheim nach Dresden, Wien, Frankfurt und der kleine Gerhart fuhr immer mit, wechselte die Schulen, wie andere Leute ihre Handtücher. Später arbeitete er als Domkaplan in Frankfurt, zuletzt als Priester in Bad Schwalburg. Dort wollte ihn die Gemeinde nicht fortlassen, trotz Ehefrau und seiner kritischen Einstellung zur Kirche. Dafür, dass er ging,,sorgten der Bischof und das Zölibat.

Noch heute schüttelt Rohr fassungslos den Kopf, wenn er sich an die beiden Enzykliken von Papst Johannes XXIII. in den Jahren 1967 und 1968 erinnert.

Die Religion lässt den 79-jährigen nie ganz los

Die eine verlangte von den Priestern der Katholischen Kirche eine lebenslanges Enthaltsamkeit, die andere machte Front gegen die damals gerade auf den Markt gekommene Anti-Baby-Pille. „Diese beiden päpstlichen Rundschreiben waren ein Rückschritt ins Mittelalter und extrem menschenfeindlich“, sagt Rohr.

In Dortmund fand er eine Anstellung in einer Berufschule, studierte nach Feierabend an der Uni, war dann Studienrat an der Anne-Frank-Gesamtschule im Dortmunder Norden. Dort blieb er nur ein Jahr. Zuletzt lehrte er als Studiendirektor an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel. Zwei Söhne wurden geboren, inzwischen ist der 79-Jährige Großvater und seit 41 Jahren immer noch mit derselben Frau verheiratet.

Heute hat sich Rohr, der von 1989 bis 1994 als SPD-Ratsvertreter für Aplerbeck tätig war, aus der Politik weitgehend verabschiedet. „Ich unterstützte nur noch meine Frau“. Elke Rohr ist Ratsvertreterin, saß lange Jahre in der Bezirksvertretung, war SPD-Stadtbezirksvorsitzende

Es ist daher etwas ruhiger geworden um Gerhart Rohr. Er hat jetzt viel mehr Zeit, das Kleine im Großen zu entdecken – neue Räumen im Kopf zu finden, die er mit weiteren Gedanken und Erkenntnissen füllen und veröffentlichen kann. Ein zehntes Sachbuch für den Unterricht ist schon auf dem Papier entstanden, er hat es zusammen mit dem Freund geschrieben. Im Mittelpunkt steht ein Gott und der Arbeitstitel lautet: „Herausforderung Islam“. Und der sonst so sanft lächelnde Rohr bekommt einen grimmigen Gesichtsausdruck, wenn er über das spricht, was er im Koran gelesen hat. Das sei ebenfalls ein zutiefst menschen- und besonders frauenfeindlicher Glaube, wettert der ehemalige Pfarrer. Die Religion, sie lässt auch einen Atheisten nie ganz los.

Susanne Meyer

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Kommentare
30.07.2010
11:11
Vom Priester zum Atheisten
von Martin Grohmann | #1

... die beiden Enzykliken von Papst Johannes XXIII. in den Jahren 1967 und 1968 erinnert.

Sorry, aber hier sollte wohl besser Papst Paul VI., besser auch bekannt als Pillen Paul, als Verfasser der beiden Enzykliken genannt werden. Der liberale Papst Johannes XXIII. (Roncalli) verstarb leider schon 1963.

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