Vereinsgemeinschaft droht Verlust der Gemeinnützigkeit

Die Vereinsgemeinschaft in Wellinghofen ringt mit dem Finanzamt in Hörde um ihre Gemeinnützigkeit. Für die Wellinghofer steht damit ihr Dorffest auf dem Spiel. Ein Einzelfall ist das nicht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wellinghofen.. Paragraf 52 der Abgabenordnung regelt in seinem zweiten Absatz, wann Vereine gemeinnützige Zwecke erfüllen. Allgemein müssen die "die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos" fördern. Konkret nennt das Bundesgesetz 25 Kriterien, die je nach Ziel des Vereins zu erfüllen sind. Die Wellinghofer Vereinsgemeinschaft hat gerade ein Problem damit - hier Fragen und Antworten dazu:

Was genau bereitet den Wellinghofern die Probleme?

Die 24 zusammengeschlossenen Vereine überweisen jeweils 15 Euro pro Jahr an die Gemeinschaft. Das ergibt 360 Euro pro Jahr. Um die Fixkosten in Höhe von 1000 Euro bezahlen zu können, benötigen die Wellinghofer aber 1000 Euro. Bisher konnten sie die Lücke immer schließen. Das Finanzamt äußerte Ende 2014 Bedenken.

Wofür benötigt die Vereinsgemeinschaft 1000 Euro und wie deckt sie die Kosten?

Kosten entstehen durch den jährlichen Frühjahrsputz im Dorf, beim Schmücken des Maibaums und für ein Fest am Volkstrauertag, bei dem Blechbläser, ein Chor und der Chorleiter zu bezahlen sind. Bisher konnte die Vereinsgemeinschaft diese Ausgaben mit den Einnahmen aus dem Wellinghofer Dorffest ausgleichen.

Worin sieht das Finanzamt ein Problem?

Die Prüfer gehen davon aus, dass das Dorffest keine der 25 Kriterien erfüllt, die zur Anerkennung der Gemeinnützigkeit führen. Damit sind die Einnahmen zu versteuern. Das Dorffest sei rein wirtschaftlicher Natur.

Kann sich die Wellinghofer Vereinsgemeinschaft dagegen wehren?

Ihr Vorsitzender Peter Pfeiffer hält daran fest: "Wir erfüllen gemeinnützige Zwecke." Der Vereinsvorstand widersprach schriftlich und versuchte auch, das Finanzamt in einem persönlichen Gespräch von der Gemeinnützigkeit zu überzeugen. Bisher vergeblich. Jetzt verhandelt ein Steuerberater mit den Prüfern.

Was ist, wenn das Finanzamt nicht nachgibt?

Dann kann die Vereinsgemeinschaft das Dorffest nicht mehr ausrichten. Damit fehlen ihr die Einnahmen für die ehrenamtliche Arbeit. Das Fest dabei jedoch nicht über Bord gehen. Der Vorstand denkt darüber nach, einen kommerziellen Veranstalter zu beauftragen.

Welche Folgen hat das für die Vereins-Finanzen?

Die Gemeinschaft hat 9000 Euro auf der hohen Kante. Mit diesem Polster wollten die Vereine vorsorgen und Ausfälle ausgleichen können, falls ein Fest ins Wasser fällt. Sollte das Finanzamt die Gemeinnützigkeit aberkennen, müsste die Wellinghofer Vereinsgemeinschaft diese 9000 Euro unter anderen gemeinnützigen Organisationen aufteilen.

Was sagt das Finanzamt in Hörde zu diesem Fall?

Nichts. Denn der Fall fällt unter das Steuergeheimnis. Öffentliche Aussagen dazu sind nicht vorgesehen.

Sind noch andere Vereine betroffen?

Ja. Das Finanzamt hat spezialisierte Prüfer, die sich ausschließlich um die Vereine kümmern.