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Ü 60-Herren gründen einen Chor

31.08.2012 | 17:21 Uhr
Ü 60-Herren gründen einen Chor
14 Mann stark ist der neue AWo-Chor Barop.Foto: schmitzfoto

Barop.   Normalerweise haben es Sängerchöre heutzutage schwer und klagen über Mitgliederschwund. In Barop hat sich nun aber ein Ü60-Chor neu gegründet.

Es sind 14 Männer, schon in Ehren ergraut, die sich gemeinsam in ein neues Abenteuer stürzen. Und dafür auch gemeinsam kräftig ihre Stimmen erheben. Müssen sie auch, denn die Herrenrunde will einen neuen Chor gründen. Nicht irgendeinen: Den Männerchor der AWo Barop. Schon zur Gründung mit einer Mann-Stärke, auf die andere neidisch sein können. Viele etablierte Chöre kämpfen ja angesichts von Sängerschwund oft um ihre Existenz.

Mit Erfahrung

INFO
Neuer Chor freut sich über Zuwachs

Der Männerchor der AWo Barop probt alle 14 Tage mittwochs ab 18 Uhr in der Baroper Bahnhofstraße 3. Der nächste Termin ist am 19. September.

Die Gründungsmitglieder setzen sich aus Gästen der Begegnungsstätte wie aus anderen AWo-Ortsvereinen zusammen.

Weitere Sänger, auch außerhalb der AWo, sind jederzeit willkommen.

Nicht so an der Baroper Bahnhofstraße. Hier bringt der eine Sänger noch den anderen mit. Der eine oder andere von ihnen hat auch schon Chorerfahrung. In Asseln, in Hörde, in Wellinghofen - sie können jetzt ihr Wissen an die anderen weitergeben. „Das ist gut so“, sagt Dieter Greuel, denn die Herren wollen sich nur untereinander helfen – einen „Chef“, den will die Ü 60-Truppe nicht mehr. Brauchen sie auch gar nicht, denn eine Dirigentin, die aus dem Hintergrund den Takt angibt, die haben sie schon: Ina Schüler. Die Leiterin des Baroper AWo-Treffs hat ihre Männerrunde erst nur bei den Freizeiten zum Singen animiert und dann zur Chorgründung.

Das hat für die resolute Frau, die so viele Männer wie keine andere in die Frauen-Domäne AWo lockt, schon Tradition.. Sie gründete den Frauenchor der Sängervereinigung Hörde, führte ihn mit Chorleiter Ernst Werner zum Meisterchor und brachte auch zur damals reinen Herrentruppe „Glocke“ Brücherhof die Frauen dazu. Als Wirtin vom „Haus Tacke“ an der Hombrucher Straße hob sie gemeinsam mit Ehemann Klaus den Männerchor Dortmund-Süd aus der Taufe. Vor allem aber gründete Ina Schüler 1973 den „Dortmunder Kinderchor“, der sich mit seinem Dirigenten Gerhard Rabe einen Namen machte. 18 Jahre lang war sie Jugendreferentin des Sängerkreises Dortmund, begleitete die Kinder bei Gesangsreisen bis nach Amerika und Kanada. „Über 240 Kinder hatten wir damals, Ich kannte sie alle, zu mir kamen sie, wenn sie etwas hatten. Ich hab ihnen zugehört und über den Kopf gestreichelt“, erinnert sich die 73-Jährige.

Was sie damals für die Kinder war, ist sie heute für ihre Senioren. Anlaufstation für Sorgen und Nöte, Quelle von Rat und Tat. Und vielen Ideen – wie jetzt eben die eines ganz neuen Männerchores.

„Hoch auf dem gelben Wagen“, schallt es bei der Gründung durch die ehemalige Kneipe an der ­Baroper Bahnhofstraße, die heute AWo-Heimat ist. „Nicht gegenein-ander singen – miteinander“, sagt Dieter Greuel, der mit seiner Gitarre den Gesang zusammenhält. Wenn er nicht in die Saiten greift, kann Adalbert Große mit dem Akkordeon den Ton angeben. „Nicht nur laut singen – mal laut, mal leise“, gibt Klaus Schüler die Tipps aus seiner jahrzehntelangen Chorerfahrung weiter. Und die Sänger mit einem Altersdurchschnitt jenseits der 60 folgen gerne. Der Benjamin zählt 59 Lenze, Günter Korzen bringt es auf 83, Günter Mohnwitz gar auf 84 Jahre. Der Stimmgewalt tut das keinen Abbruch, wenn die Truppe ihr Lieblingslied „Das Bier hat wunderbar Schaum“ schmettert.

Als Gast zur Gründung ist Anja Butschkau vom AWo Unterbezirk bekommen. „Anja – kümmer’ dich mal um ein Gründungs-Geschenk. Geld für Noten wäre gut“, geben die Herren der Dame mit auf den Weg. Denn Noten, die fehlen noch, bisher gibt’s nur Schnellhefter mit Texten.

Erste Kostprobe

„Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“, „Oh my Darling Caroline“, „Der Steiger kommt“ – das Repertoire umfasst Westernsongs, Volkslieder, Shantys oder Schlager. Später, ja, da will man sich vielleicht mal an Klassik wagen. „Wir wollen vor allem selber Spaß haben - und wenn wir dann noch anderen Spaß machen, umso besser“, steckt Dieter Greuel die Ziele ab.

Geprobt wird alle 14 Tage mittwochs ab 18 Uhr – dann haben die singenden Männer die AWo alleine für sich und ihre Stimm-Übungen. Eine erste Kostprobe des musikalischen Menus wird beim Herbstfest serviert. Dafür muss man sich aber schon ranhalten. Das Fest steigt im Oktober. Die Herren blättern, nicken und heben an zu singen „Ein schöööööner Tag . . .“

Katrin Kroemer


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