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Ferwärmekraftwerk Schüren

Sorgen auf Schürens Wärme-Insel

15.08.2012 | 22:00 Uhr
Sorgen auf Schürens Wärme-Insel
Schwarz auf Weiß hat sie ihre Heizkostenabrechnung – 295 Euro für ihr kuscheliges Haus.

Dortmund.   Altes Fernwärmekraftwerk scheint zunehmend unrentabel zu sein. Hohe Rechnungen, alte Leitungen. Manch Mieter wechselt zu anderen Anbietern. Steigen dann die Kosten?

95 Jahre alt ist Annemarie Burchardt geworden und sie mag es in ihrem kleinen schmucken Haus in Schüren gerne kuschelig. Doch das hat für die alte Dame mit ihrer Witwenrente einen Preis: 295 Euro reine Heizkosten zahlt sie monatlich. Ihr Haus an der Gevelsbergstraße wird durch das alte Fernwärme-Heizkraftwerk der ehemaligen Firma Favorit, heute RWE, versorgt.

Seit 1963 lebt Annemarie Buchardt in der Zeile mit den fünf Reihenhäusern – für jegliche Veränderung fühlt sie sich mittlerweile viel zu alt. Ein Treppenlift hilft ihr von Etage zu Etage, aber noch mehr Umbauten, die kann und will sie nicht mehr stemmen. Auch nicht eine Veränderung des angestammten Heizsystems.

DEW lehnte es ab,Gasleitungen zu legen

Doch selbst wenn – das wäre in dem Bereich von Schüren auch gar nicht so einfach, weiß der bisherige Bezirksbürgermeister Sascha Mader. Der gesamte Bereich jenseits der Ladenstraße wurde seit jeher über das alte Kraftwerk versorgt, deshalb gibt es auch keine Gasleitung. Diese zu verlegen habe DEW vor einigen Jahren als unrentabel abgelehnt.

Unrentabel ist aber offenbar für andere Hausherren die angestammte Fernwärme-Versorgung. Der Spar- und Bauverein scherte aus und errichte für seine ca. 200 Wohneinheiten ein eigenes Kraftwerk, das nun auch die Friedrich-Ebert-Grundschule mitversorgt. Auch am Vorläuferweg, weiß Mader aus seiner Kenntnis als Schürener CDU-Mann, wurden rund 100 Wohneinheiten umgestellt. Auf eine Pellet-Heizung. Wieder andere entschieden sich für die Alternative Flüssig-Gas.

Wärmedämung kannKosten reduzieren

Wer dem bisherigen Anbieter treu bleibt, der muss um seine Kosten zumindest kämpfen. „Ich habe den alten Vertrag gekündigt und auf die Wärmedämmung an meinem Haus hingewiesen“, erzählt Rita Sommer-Weigandt. Mit Erfolg: Für ihr durch Anbauten größeres Heim reduzierten sich die monatlichen Heizkosten dadurch von 259 auf nun 176 Euro. Das allerdings fließt nur in die Heizung – Warmwasser wird über Strom hergestellt.

Für viele der immer älter werdenden Menschen in Schüren ein ernstzunehmender Kostenfaktor, weiß Sascha Mader. Als Anfang der 1960er Jahre die Siedlung an der Gevelsbergstraße durch die Westfälisch-Lippischen Heimstätten als Fertighäuser errichtet wurde, da galten sie als Sozialbauten. „Man musste mindestens drei Kinder haben oder die Angehörigen pflegen und durfte nicht so viel verdienen“, erinnert sich Melanie Steinweg. Und so sind dort bis heute keine reichen Leute zu Hause – „wir müssen schon auf die Kosten gucken“, sagen die drei Nachbarinnen.

So interessiert man sich in Schüren nun dafür, wie es denn mit dem alten Heizkraftwerk weitergeht. „Wenn immer mehr Menschen ausscheren – wird es dann für die verbleibenden teurer?“, formuliert Mader einen der Knackpunkte.

Gesprächsbedarf zuvielen Fragen

„Die könnten ruhig auch mal die Meinung der Verbraucher anhören“, meint auch Melanie Steinweg. Denn es gibt schon Punkte, die den Kunden auffallen: „Wo die Leitung langläuft, da brauche ich im Winter keinen Schnee zu schippen“, sagt Rita Sommer-Weigandt. Wärmeverluste durch nicht ausreichende Dämmung, die auf die Abnehmer umgelegt werden? Es gibt Gesprächsbedarf, findet auch Mader. Dazu könnten RWE als Betreiber des Kraftwerkes einmal einladen. Auch, um die Treue ihrer Kunden zu belohnen.

Katrin Kroemer



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