Schulstunde mit einem großen Pianisten
26.10.2012 | 17:07 Uhr 2012-10-26T17:07:00+0200
Aplerbeck. Die Aplerbecker Grundschule hat viele musikalische Kinder. Und die haben ab sofort ein neues Vorbild: den Pianisten Michail Lifits.
Die Kunst sucht sich oft ungewöhnliche Orte, um ihr Wunder zu wirken. Der Musikraum der Aplerbecker Grundschule zum Beiispiel ist einer dieser in die Jahre gekommenen „Pavillons“, die man längst abgerissen glaubte. Doch plötzlich wirkt er wie verzaubert. Mozart perlt durch den nüchternen Zweckbau, untermalt von etwas Pausenhofgeschrei. 20 Kinder, ein paar Lehrer, ein paar Eltern halten inne. Und der Viertklässlerin Michelle, die selbst Klavier lernt, entfährt es hinterher: „Das war ja hammercool.“
Der Kontrabass ist vorneweg
Die große Kunst des Klavierspiels ist zu Gast bei den 20 Kindern, die im Rahmen des Projekts „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) seit drei, vier Schuljahren ihren ganz persönlichen Zugang zur Musik suchen. Ermöglicht hat die Begegnung zwischen Kunst und Kindern das Konzerthaus Dortmund. Auf dessen Initiative ist der in Taschkent (Usbekistan) geborene Pianist Michail Lifits für eine Unterrichtsstunde zu den Aplerbecker Kindern gekommen. Abends zuvor hatte Lifits noch mit der norwegischen Geigerin Vilde Frang in der Reihe „Junge Wilde“ auf der Bühne gestanden. Jetzt gibt er Antworten auf Kinderfragen. „Machen Sie auch Fehler auf der Bühne?“ Nun, wenn Fehler machen heißt, nicht immer zu 100 Prozent mit der eigenen Leistung zufrieden zu sein – dann kennt Lifits das Gefühl.
Finn kennt es noch nicht so gut. Der Viertklässler spielt den großen Kontrabass im JeKi-Orchester und findet das eigentlich „ganz leicht“. Dass er Rhythmus-Gefühl hat, beweist der Junge, wenn er das kleine Schulorchester mit ein paar coolen Zupfern und Klapsen auf das Instrument auf die erste Kostprobe einstimmt. Wump-da, wump-da ... „wir sind Kanalpiraten“. Oskar sorgt dafür, dass die Bläser-Sektion nicht zu überhören ist. Michail Lifits scherzt hinterher mit dem kleinen Trompeter, dass dessen Instrument ja einfacher sei als sein Klavier: „Du hast drei Tasten, ich hab’ 88.“ Natürlich kommt da sofort eine weitere Kinderfrage auf: „Vertippt man sich auf Ihrem Instrument auch mal?“
Ein Ständchen für Paula
Paula hat Geburtstag. Drei Geigen aus der dritten Klasse wurden zusätzlich eingeladen. Und nun darf der mit reichlich klugen Fragen gelöcherte Pianist endlich an sein Instrument, um seine Kunst zu zeigen. Beginnen wir also mit „Happy Birthday“. Der Kontrabass ist wie immer vorneweg, die Streicher halten Anschluss, die Bläser sind wieder stärker als alle anderen. Im vierhändigen Spiel, begleitet von Viertklässlerin Michelle, lässt Pianist Lifits natürlich auch noch nicht erahnen, was Musik vermag, wenn man gaaaaaaaaaaanz viel übt. Er selbst hat mit fünf Jahren in einem Urlaubsort angefangen, als er eine Melodie aufschnappte und sie dann sofort am Hotelklavier nachspielte. Seither ist fast kein Tag vergangen, an dem das Klavierspiel nicht den weitaus größten Raum in Lifits’ Leben eingenommen hat. Auch das erzählt er den Kindern ganz ehrlich. Wie sagt man noch? Von nichts kommt nichts.
Musiklehrer Dirk Bracklow ist mit seinem kleinen JeKi-Orchester aber schon sehr zufrieden. Ein ordentliches Niveau bescheinigt er den Kindern. Wer jetzt mehr üben wird, der entdeckt vielleicht eines Tages den Zauber der Musik. Michelle scheint schon etwas zu spüren. Die Mitschüler fordern sie auf vorzuspielen. Ein kleines Übungsstück rundet sich hübsch im Raum. Applaus!
Dann Mozart. Ein Rondo. Lifits beschert den Kindern ein Hörerlebnis, wie sie es wohl noch nie hatten. Auch der Mann vom Fach, Musiklehrer Bracklow, ist begeistert. „Super!“, sagt er. Was ja ungefähr so viel heißt wie „hammercool“.
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