Rollstuhl-Ermittler und Pferde als Mord-Zeugen

"Eine Frau zu viel": Die Bewohner des Bethel-Hauses haben im "Nix als Theater" dieses gleichnamige Kriminalstück inszeniert. Es feiert am 6. Februar Premiere. Wir stellen das Projekt vor - und erklären, was die Fortsetzung mit Pferde-Zeugen zu tun hat.

Hörde.. Ermittler Horst Schimanski kommt auf die Bühne. Synchron bewegt sein Darsteller Bastian Selbach die Lippen zu der Stimme, die aus den Boxen ertönt: "Hände hoch, sie sind verhaftet". Auf seinem Schoß liegt eine Computer-Tastatur, er sitzt im Rollstuhl. Seine Kollegin Bella Bond, gespielt von Astrid Folgner, ermittelt ebenfalls im Rollstuhl.

Selbach und Folgner sind im wirklichen Leben auch an den Rollstuhl gebunden, sie leben im Bethel-Haus Breslaustraße. Eine plötzliche Hirnschädigung riss sie aus dem normalen Leben. Auf der Theaterbühne soll nun ein Stück Normalität wiedererlangt werden. Und das führt dann manchmal auch zu kleinen Wundern: Bastian Selbach hat auf einmal wieder mehrere Sätze gesprochen.

Die Mitarbeiter des Bethel-Hauses, Anne Brendt und Christa Franke, die auch im Stück mitspielen, erklären sich das so: "Er hat bei den Proben und der Auseinandersetzung mit dem Sprechtext wieder das Sprechen gelernt." Solche Ereignisse bestärken die Bethel-Mitarbeiter nur noch mehr in ihren Theater-Projekten.

Ein Hengst als Mordzeuge

Ein Stück Normalität ist das Ziel des Theater-Projektes, das zusammen mit den Theaterpädagogen Susi und Lisa Zimmermann vom "Nix als Theater" an der Kipsburg 46 gerade umgesetzt wird. Die Proben laufen seit fast einem Jahr. In dem Krimi mit dem schönen Untertitel "Ein Mord im Stall und nur der Hengst war Zeuge" geht es um einen Mord in Adelskreisen.

Entwickelt hat die Handlung Astrid Folgner zusammen mit Susi und Lisa Zimmermann. Für die beiden Theaterpädagoginnen ist es die erste Zusammenarbeit dieser Art. "Hemmungen auf beiden Seiten mussten erstmal fallen", sagt Susi Zimmermann. Doch seitdem diese Barrieren beseitigt seien, herrsche pure Spielfreude und Lockerheit bei den Proben, sagt sie. Und ergänzt: "Das Erlernen des Sprechtextes war aber ein wenig komplizierter als bei anderen Inszenierungen."

Grenzen verschwanden

Deshalb greifen die Theaterpädagoginnen bei der Arbeit mit den insgesamt acht Teilnehmern auf Hilfsmittel und Tricks zurück. Dazu gehört, neben Sprachcomputer, auch die Tageszeitung, in der sich der Sprechtext zum Ablesen verbirgt.

"Die Behinderung spielte nach nur wenigen Proben keine Rolle mehr, die Grenzen verschwanden. Im Vordergrund stand dann nur noch der gemeinsame Spaß am Theater", erklärt Lisa Zimmermann. Eine Fortsetzung des Projekts ist bereits geplant.

Das müssen Sie wissen:

  • Das Theaterstück "Eine Frau zu viel" feiert am 6. Februar um 16 Uhr im "Nix als Theater" an der Kipsburg 46 Premiere.
  • Weitere Vorstellung ist am 7. Februar um 15 Uhr. Noch gibt es Karten unter Tel. 42 720 11.
  • Kosten im Vorverkauf: 10 Euro, 8 ermäßigt. Abendkasse 12 Euro, ermäßigt 10.