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Paul-Ehrlich-Berufskolleg

Respekt als Klassenziel

12.06.2012 | 18:19 Uhr
Respekt als Klassenziel
Jung und Alt beim virtuellen Bowling im Erna-David-Zentrum. Foto: Günter Schmitz

Brünninghausen.   Bowling auf der Mattscheibe mit der „Wii“ spielen – das waren für Ottilie Zöller bis vor kurzem noch „böhmische Dörfer“. Doch seit gestern schwenkt die alte Dame den Controller souverän in Richtung Bildschirm, drückt eine Taste und: „Zack – fast alle Neue“, staunt die junge Frau neben ihr.

Bowling auf der Mattscheibe mit der „Wii“ spielen – das waren für Ottilie Zöller bis vor kurzem noch „böhmische Dörfer“. Doch seit gestern schwenkt die alte Dame den Controller souverän in Richtung Bildschirm, drückt eine Taste und: „Zack – fast alle Neue“, staunt die junge Frau neben ihr.

Ottilie Zöller (78) war bis vor zehn Jahren Profi auf der Kegelbahn. Die junge Frau ist auf dem Weg zum Profi – beim Pflegen von alten Menschen. Fast 70 Jahre trennen die beiden Frauen, doch im Erna-David-Zentrum, beim virtuellen „Kugelschieben“ kommen sie sich näher. 12 Schülerinnen, drei Schüler vom Hacheneyer Paul-Ehrlich-Berufskolleg, zwei alte Herren und neun alte Damen aus dem Seniorenzentrum haben es sich bei Rhabarberkuchen und Chips in dem kleinen Saal an der Mergelteichstraße gemütlich gemacht.

Den Kuchen hat Tülin Köse gebacken, die demnächst ihren Abschluss an dieser Schule macht. Die 17-Jährige könnte sich mit dem Zertifikat auch eine Lehrstelle suchen, doch sie wird zur Gesamtschule gehen. „Ich will dort Abitur machen“, sagt sie, auch wenn ihr das Jahr in Hacheney an der Berufsschule für Gesundheit und Pflege Spaß gemacht hat. „Doch beruflich möchte ich das nicht machen“, betont Tülin Köse. Erwachsenen Menschen Windeln zu wechseln, sie zu waschen und anzuziehen sind für fast alle Schülerinnen und Schüler ein großes Problem. Nur Sarah Bräutigam (17) sieht ihre Zukunft in einem Gesundheitsberuf. Sie beginnt nach den Sommerferien mit einer Lehre als Arzthelferin.

Beim Spiele-Projekt im Erna-David-Seniorenzentrum, von den Lehrerinnen Juliane Prins-Viertel und Martina Hammerschmidt gemeinsam mit den Sozialpädagogen Michael Muth und Annette Hardem-Heinrichs ins Leben gerufen, ist die Pflege kein Thema. Neben Bowling standen Gespräche mit den Bewohnern des Hauses im Mittelpunkt. Und die hatten viel zu erzählen. Wie Joachim Zeipelt (84), der 18 Jahre lang Küster in der Alten Kirche Wellinghofen war. „Ich genieße das, ich habe junge Leute immer sehr gern gehabt“, lächelt der alte Herr, der zur Kurzzeitpflege ins Heim gekommen ist.

Der junge Mann vorn am Kuchenbuffet lächelt zurück. Hatim Hamoudan (18) wird zwar kein Altenpfleger werden, doch er weiß nach fast einem Jahr Berufskolleg, was es bedeutet, auf Hilfe angewiesen zu sein. Er hat ebenso wie seine Mitschüler in diesem Schuljahr bei vielen Stunden u. a. in Seniorenheimen gelernt, alten und pflegebedürftigen Menschen Respekt entgegenzubringen. Damit hat er eines der wichtigsten Klassenziele erreicht.

Susanne Meyer


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