Oleg Bilokon hat den Diskus fest im Griff
19.02.2010 | 17:14 Uhr 2010-02-19T17:14:00+0100Aplerbeck. Der eine sammelt Briefmarken, der andere kleine bunte Spielzeugautos - Oleg Bilokon reiht lieber Edelmetall an Edelmetall aneinander.
Silber bei den Europameisterschaften der Gehörlosen in Piraeus. Danach Gold in Tallinn, Sofia und Izmir. Wenn auch nicht wirklich abwechslungsreich, zeigen die Auszeichnungen doch auf beeindruckende Weise, dass der 33-Jährige Diskuswerfer vom ASC 09 Aplerbeck in seiner Altersklasse aktuell unschlagbar ist. Der letzte sportliche Höhepunkt liegt nicht lange zurück: Bei den Deaflympics in Taipeh erzielte der gebürtige Ukrainer im September 2009 einen Spitzenwert von 53,11 Metern. Und landete wieder auf dem Siegertreppchen ganz oben. Die Stadtteil-Zeitung schaute dem Ausnahme-Athleten beim Training im Winterquartier, in der Helmut-Körnig-Halle, über die Schulter.
Die Diskusscheibe zwischen den Fingern eingeklemmt, positioniert sich Oleg. Die Vorgehensweise ist immer die gleiche: Rücken in Wurfrichtung. Anschwung nehmen. 120-Grad-Drehung ausführen. Abwurf. Und dann hoffen, dass es gut war. „50 Prozent sind Technik, 50 Prozent Kraft”, erklärt Trainer Reiner Kobs. „Wichtig ist, eine gerade Achse zu bilden, da sonst der Schwerpunkt abhanden kommt.”
Mit dem Gleichgewichtssinn hat Oleg keine Probleme. Zum Glück. Wäre er gehörlos, könnte er diese Sportart sicherlich nicht ausüben. Als lediglich Hörgeschädigter mit einem Resthörvermögen von circa 30 Prozent, hat es der Wurfspezialist dagegen geschafft, sich auch in der Welt der hörenden Sportler durchzusetzen. Er ist der amtierende Deutsche Seniorenmeister der M 30 mit dem Diskus. Und will das bleiben. Im Mai bekommt er die Möglichkeit, den Titel zu verteidigen. „In seiner Klasse ist er konkurrenzlos”, erklärt der Trainer siegesgewiss. Die Bestleistung beträgt 53,32 Meter. „Jetzt peilen wir die 55 an”, sagt Kobs. Oleg bestätigt: „Das kann man schaffen.”
Trainiert wird bis zu
viermal in der Woche
Weitere Unterstützung erfährt er durch Vater Valerij, einen ehemaligen ukrainischen Spitzensportler im Hammerwerfen. Er war es, der den Sohn in jungen Jahren fürs Diskuswerfen begeisterte: „Er sagte zu mir: Da du schlecht hörst, muss du dich zumindest gegenüber den Stärkeren verteidigen können”, erinnert sich Oleg an die Worte des Vaters. Valerij Bilokon wusste, wovon er sprach: Wie alle Männer in der Familie ist auch er hörgeschädigt. Trotz oder eben wegen der körperlichen Beeinträchtigung: Oleg nimmt seinen Sport sehr ernst. Drei bis vier Mal die Woche wird trainiert. Im Winter in derüberdachten Körnig-Halle, im Sommer draußen auf dem Wurfplatz auf dem Höchsten. Hinzu kommen die täglichen Fitnessübungen, um den Körper in Form zu halten. Ein Leben für den Sport? „Nein.” Das ist für den Deutsch-Ukrainer unvorstellbar. Es gibt mehr als das. „Ich koche, höre Musik, lese, reise…”, zählt er auf.
Beruflich möchte der 33-Jährige wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen. In seinem Heimatland hat er als Ingenieur gearbeitet; eine Ausbildung, die ihm hier bislang nicht anerkannt wurde. Doch Oleg gibt nicht auf. Etwas anderes würde man von ihm auch nicht erwarten.
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