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OB im Hallenbad

Offener Brief an das OB-Einsatzteam

14.09.2012 | 18:17 Uhr
Offener Brief an das OB-Einsatzteam
Startsprung: OB Ullrich Sierau (vorn) macht sich in Hombruch lang.Foto: Knut Vahlensieck

Hombruch.   Im Hombrucher Hallenbad löste Dortmunds OB Ullrich Sierau ein Versprechen ein

Einen Oberbürgermeister in der Badehose: das gibt’s selten zu sehen. Ullrich Sierau löste im Hallenbad Hombruch ein Versprechen ein, das er Stefan Raetsch, dem Vorsitzenden der DLRG in Hombruch, gegeben hat.

Die Lebensretter hatten sich sich richtig auf den seltenen lokal-prominenten Besuch vorbereitet. Als Ullrich Sierau mit blauer Plastiktasche ins Bad kam, wurde ihm sofort der Schlüssel für die Umkleidekabine in die Hand gedrückt: „Sie haben Spind 77“.

Kurz drauf tauchte der OB ungewohnt auf: ohne den üblichen Schlips und Kragen, dafür mit dunkelblauer Badehose und knallgelben DLRG-Shirt. Im Getümmel von gut 100 Kindern und Erwachsenen, die an der Schwimmausbildung teilnehmen, reihte sich der OB am Ein-Meter-Brett brav in die wartende Kinderreihe ein.

Zwei mehr oder weniger elegante Sprünge vom Ein-Meter-Turm und - gemeinsam mit Stefan Raetsch - einen auf OB-Seite etwas verunglückten, harten Start vom Startklotz. „Hat’s weh getan?“ Knappe Antwort: „Nein“. Klar, schließlich ist er erfahren. Ullrich Sierau erinnerte sich an seine Zeit als Leistungsschwimmer „vor mehr als 40 Jahren in Wolfsburg“: „Mein Trainer war damals Ralf Beckmann, der spätere Cheftrainer der deutschen Schwimmer“. Aus zeitlichen Gründen habe er damals nicht mehr weiter machen können. Beckmann habe er später mal bei einem Wettkampf im Südbad getroffen. Heute zieht er eher im Urlaub seine Runden, wie im Sommer auf der Mittelmeerinsel Korsika.

Hintergrund der nassen Stunde: 2009 hatten sich die Hombrucher Sorgen gemacht, dass das Bad geschlossen wird. Zu den engagierten Aktivisten für das Stadtteil-Bad gehörte Stefan Raetsch. Mit der Übergabe des Hallenbades an die Sportwelt Dortmund im Jahr 2010 wurde letztlich der Erhalt gesichert. Die gemeinnützige Gesellschaft Sportwelt, die bereits länger die städtischen Freibäder betrieb, hatte Erfahrungen mit dem Badebetrieb und qualifiziertem Personal.

Mit den Bezirkshallenbädern Brackel, Hombruch, Lütgendortmund und Mengede hat sich inzwischen ein erfolgreiches Betreibermodell bewährt. Die DLRG-Ortsgruppe Hombruch zum Beispiel verdoppelte die Mitgliederzahl von 120 auf knapp 250. Stefan Raetsch: „Davon sind 60 ganz aktiv dabei; zwölf Mitglieder haben einen Übungsleiterschein“. Die angebotenen Schwimmkurse mittwochs in Hombruch sind gefragt – selbst über die Stadt- und Stadtbezirksgrenzen hinaus. „Das Hallenbad Hombruch ist nun nicht mehr in Gefahr“, versprach OB Sierau nach seinem kurzen Bad DLRG-Chef Stefan Raetsch.

Lieber Ullrich Sierau, wir hätten da mal eine Frage. Dürfen Sie jetzt auch all die anderen Dortmunder Einrichtungen einladen, die um ihren Erhalt fürchten oder sich etwas Geld von der örtlichen Politik wünschen? Wir könnten uns vorstellen, dass Sie da einiges zu tun bekommen. Vielleicht sollten sie sich gleich mit Bürgermeisterin Birgit Jörder und Bürgermeister Manfred Sauer zusammen tun und ein schlagkräftiges Task-Force-Team „Einsatz für Dortmund“ schmieden.

Bestimmt bekommen Sie als erstes Post von besorgten Schülern. „Liebes Tasg-Forz-Tiiem“ steht dann in krakeligen Buchstaben in bunten Briefen, „unsere Schule muss überleben.“ Und raus geht’s für die Task Force auf die kleinen Stühlchen in den Zwergschulen. Die Presse schaut natürlich zu – und schreibt: „Ullrich Sierau lehrt das kleine Einmaleins der Politik.“

Ganz viel Post bekommen Sie auch von den Dortmunder Sportvereinen: „Liebes Task-Force-Team, seit Jahren warten wir auf einen Kunstrasenplatz. Leider spielen unsere Kinder noch auf Asche. Das heißt: Die Kinder, die noch nicht zum Nachbarverein (dem mit dem Kunstrasenplatz!!!) abgewandert sind.“



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