Neuer Flüchtlings-Ansturm auf Dortmunder Erstaufnahme

Die Erstaufnahme-Einrichtung in Hacheney ist neben Bielefeld der einzige Ort in NRW, wo sich Flüchtlinge melden können.
Die Erstaufnahme-Einrichtung in Hacheney ist neben Bielefeld der einzige Ort in NRW, wo sich Flüchtlinge melden können.
Foto: Dieter Menne
Die Flüchtlings-Erstaufnahme in Dortmund-Hacheney ächzt unter einem neuen Ansturm an Asylsuchenden. Allein am Montag waren dort zeitweise 150 Menschen mehr als die Einrichtung eigentlich fassen kann. Dortmunds Ordnungsdezernentin Diane Jägers sagt: "So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie."

Hacheney.. Die Erstaufnahme-Einrichtung (EAE) für Asylsuchende in Dortmund-Hacheney sieht sich einem wahren Flüchtlingsstrom ausgesetzt. Dortmunds Ordnungsdezernentin Diane Jägers warnte am Montag, dass der Kreislauf, den die Flüchtlinge in Hacheney beginnen, vor 14 Tagen kollabiert sei.

2013 kamen insgesamt 23.179 Asylbewerber nach NRW, im laufenden Jahr sind es schon bisher über 20 000 Menschen und das Innenministerium rechnet damit, dass es am Ende des Jahres mehr als 37.000 Menschen sind, die hierher geflohen seien werden. Zwei Erstaufnahme-Einrichtungen sind für diese Menschen zuständig, eine in Bielefeld, die andere hier in Hacheney. Und 80 Prozent der Flüchtlinge kommen nach Dortmund.

Unterbringungsplätze sind Malngelware

Die EAE in Hacheney hat eigentlich nur Platz für 300 Menschen, zusätzlich gibt es 50 Notplätze. Am Montagnachmittag sind 510 Menschen in der EAE. Wenn alles gut läuft, werden später am Tag noch 250 Flüchtlinge mit Bussen nach Gießen und Unna gebracht werden. Wenn alles gut läuft, denn bundesweit sind Unterbringungsplätze im Moment Mangelware.

Asyl Die Zentrale Unterbringungsstelle Hemer, wo sie eigentlich hin sollten, ist dicht. Masern.
Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken waren dann letztlich der Tropfen, der das Fass in NRW am vergangenen Freitag zum Überlaufen brachte: Es gibt neun zentrale Unterbringungseinrichtungen im Land, fünf wurden am Freitag de facto vom Betrieb abgemeldet. Für eine Woche also werden keine zusätzlichen Flüchtlinge in NRW mehr aufgenommen. In Hacheney kommen dennoch Menschen an, in den letzten 14 Tagen waren es rund 700 Menschen, die dann von hier aus weiter über das Land verteilt werden.

Das Flüchtlingsversorgungs-System ist überlastet

Das System der deutschen Flüchtlingsversorgung, heruntergefahren Ende der 90er Jahre, steht nicht am Rande seiner Belastbarkeit, es ist schon einen Schritt weiter. Nur wird das Menschen, die in Syrien oder dem Irak vor dem IS-Terror fliehen, nicht dazu bringen, dann lieber doch zu bleiben, wo sie sind.Erschwerend kommt die Jahreszeit dazu: In den Ländern des Balkans wird es langsam kalt, neben den Flüchtlingen aus den Kriegs- und Terrorgebieten kommt die sogenannte Winterflucht hinzu. Im Herbst 2012 hatte die ehemalige Gehörlosenschule mit Überbelegung zu kämpfen, im Herbst 2013 ebenfalls, jetzt, zu Beginn des Herbstes 2014 sagt Jägers: "So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie."

Grundschulen und Kindergärten wurden in Dortmund schon als Zwischenquartiere genutzt. Das wird, sagt Jägers nicht mehr passieren, "wir brauchen einfach mehr Unterbringungsstandorte im Land".