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Mutter starb in Dortmunder Krankenhaus - Sohn nicht informiert

08.08.2012 | 10:00 Uhr
Mutter starb in Dortmunder Krankenhaus - Sohn nicht informiert
Das Krankenhaus Bethanien in Dortmund-Hörde.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.  Dass Herbert Fleischhauers Mutter bald sterben würde, war klar. Dennoch ist der 54-Jährige fassungslos, unter welchen Umständen er vom Ableben der Mutter erfuhr – eine makabere Krankenhaus-Posse. Und dann gab es auch noch Ärger mit dem Senioren-Stift.

Herbert Fleischhauer ist ein Mann mit freundlichen Augen, die sehr dunkel werden, wenn er traurig oder wütend ist. Jetzt sind sie fast tiefschwarz. Und das liegt nicht nur daran, dass seine Mutter am letzten Donnerstag starb. Dass sie bald sterben würde, das wusste der Kraftfahrer lange. Fassungslos ist er über das, was er im Bethanien-Krankenhaus nach ihrem Tod erlebte.

Annemarie Fleischhauer (86) wohnte bis zum 2. August im Johanniter Stift am Marksbach. Ihre Nieren waren schon länger krank und auch die Leber funktionierte nicht mehr so, wie sie soll.

In der Nacht vom 1. auf den 2. August gegen 0 Uhr ruft ein Pfleger aus dem Stift bei ihrem Sohn an. Seine Mutter sei gerade vom Notarzt ins „Bethanien“ gebracht worden. Ihr gehe es nicht gut, aber sie sei ansprechbar. Fleischhauer wartet bis zum Morgen. Um 8 Uhr ruft er in der Rezeption der Klinik an und bekommt dort die Auskunft, dass seine Mutter schon wieder entlassen wurde.

Rezeption konnte nicht weiterhelfen

Der 54-Jährige ist erleichtert und meldet sich umgehend im Johanniter-Stift. Doch dort ist seine Mutter nie angekommen. Der Kraftfahrer ruft wieder im Krankenhaus an, aber die Rezeption kann ihm nicht weiterhelfen. Fleischhauer setzt sich sofort ins Auto und fährt in die Klinik. Erst vor Ort erfährt er, auf welchem Zimmer seine Mutter lag, bevor sie angeblich entlassen wurde. Auf Station 7 dann der Schock: Die Oberärztin teilt ihm mit, dass Annemarie Fleischhauer um 4 Uhr morgens gestorben ist.

Fleischhauer ringt nach Worten, während er erzählt. Die Ärztin entschuldigte sich damit, dass die Info-Mappe, die das Heim seinen Bewohnern auf den Weg ins Krankenhaus mitgibt, nicht auffindbar gewesen sei. Deshalb habe sie keine Telefonnummer von ihm gehabt. Den Überleitungsbogen findet sie jedoch während des Gesprächs. Und die Dame in der Rezeption habe sich auch nicht über den Entlassungsgrund informiert, sagt später Ute Panske, Geschäftsführerin der Ev. Krankenhaus GmbH, zuständig für die Kliniken in Hörde und Lütgendortmund. „Vom Nachtdienst gab es noch keine offizielle Nachricht, dass die Patientin verstorben ist“.

„Menschliches Versagen in zwei Fällen“ sei der Grund für dieses „Versehen“, betont Panske, die den Vorfall sehr bedauert. Ihre Aufgabe liege nun darin, die Mitarbeiter zu sensibilisieren: „Das kommt wieder auf meinen Stapel“.

Weitere Vorwürfe gegendas Bethanien-Krankenhaus

Der ist in den letzten Wochen schon gewachsen: Das „Bethanien“ steht wegen eines Vorwurfs der unterlassenen Hilfeleistung ebenso in den Schlagzeilen, wie wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung einer 82-jährigen Frau . „Das wird uns noch ein paar Wochen beschäftigen“, sagt Panske.

Etwas mehr Zeit hätte auch Fleischhauer gern gehabt. Denn der nächste Schock wartete noch am Todestag seiner Mutter im Senioren-Stift. Dort spricht die Heimleitung ihr Beileid aus, dann erfährt er, dass er am selben Tag das Zimmer seiner Mutter räumen muss. Damit der Nächste auf der Warteliste einziehen kann.

Abschied nehmen, von der Mutter, das konnten der Kraftfahrer und seine Schwester erst im Beerdigungsinstitut. Dabei hätte er gern noch eine Weile ihre Hand gehalten, im Krankenhaus. Diese Möglichkeit wurde ihm verwehrt. Und Herbert Fleischhauer, langjähriger Beitragszahler der gesetzlichen Krankenkasse, fühlt sich jetzt „wie ein Mensch zweiter Klasse.“

Susanne Meyer

Kommentare
09.08.2012
08:27
Mutter starb in Dortmunder Krankenhaus - Sohn nicht informiert
von Lancelot66 | #26

Herzliches Beileid Herr Fleischhauer.

Ich habe meine Mutter auch erst vor kurzem verloren und kann somit nachfühlen, was sie gerade...
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2012-08-08 10:00
Tot, Mutter, Krankenhaus, Bethanien, Dortmund
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