Mordfall Dirk W.: Angeklagter wohl älter als behauptet

Dirk W. wurde am ersten Weihnachtstag 2014 tot in seiner Wohnung im Clarenberg gefunden.
Dirk W. wurde am ersten Weihnachtstag 2014 tot in seiner Wohnung im Clarenberg gefunden.
Foto: Archivfoto: Oliver Schaper
Was wir bereits wissen
Ein junger Mann soll Dirk W. an Weihnachten erdrosselt haben. Das Alter des Angeklagten gibt Rätsel auf - und könnte entscheidenden Einfluss aufs Strafmaß haben.

Dortmund.. Wie alt ist der Angeklagte im Mordfall Dirk W.? Diese Frage ist durchaus wichtig, hat sie doch entscheidenden Einfluss auf das Strafmaß. Bisher hatte der Mann stets behauptet, zur Tatzeit an Weihnachten 2014 erst 19 Jahre alt gewesen zu sein. Dem widersprach nun ein Gutachter - ein weltweit führender Wissenschaftler.

Gericht Über das wahre Alter des Hauptverdächtigen im Mordfall Dirk W. wird seit langem gerätselt. Im Prozess vor dem Landgericht hat sich ein Sachverständiger am Montag ziemlich festgelegt. Der Angeklagte sei zum Zeitpunkt der Untersuchung - also etwa ein Monat nach der Tat - mindestens 21,6 Jahre alt gewesen zu sein.

Prof. Andreas Schmeling ist nicht nur der stellvertretende Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Münster. Vor allem ist er der weltweit vielleicht anerkannteste Experte auf dem Gebiet der Altersdiagnostik. Mehr als 1000 Fälle hat er bereits abgeschlossen. Sein Wort hat Gewicht, was Schmeling auch mit solchen Sätzen unterstreicht: "Ich glaube, ich kenne so gut wie alle Studien zu dem Thema, weil ich sie entweder selbst geleitet oder später als Sachverständiger begutachtet habe."

Absolutes Mindestalter ist laut Gutachter 21,6 Jahre

Den angeklagten Asylbewerber, der angibt, zur Tatzeit an Weihnachten 2014 gerade einmal 19 Jahre alt gewesen zu sein, hat er geröntgt und vermessen und außerdem einer CT-Untersuchung der Schlüsselbeine unterzogen. Vor allem letztere habe großen Aufschluss gebracht. Danach sei das "absolute Mindestalter" mit 21,6 Jahren anzugeben. "Wahrscheinlicher ist aber noch viel mehr."

Für den Angeklagten bedeutet dies: Legen sich die Richter genauso fest und schließen sie aus, dass er zur Tatzeit unter 21 Jahre alt war, könnte er nicht mehr nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Für den Fall, dass die Richter dann auch noch einen Mord sicher feststellen können, wäre eine lebenslange Haftstrafe unausweichlich.

Die Anklage wirft dem jungen Mann vor, Dirk W. in der Nacht auf den ersten Weihnachtstag in dessen Wohnung am Hörder Clarenberg erdrosselt zu haben. Der Angeklagte schweigt zu den Anschuldigungen.