Mit dem Aufzug ins Obergeschoss
08.06.2009 | 18:08 Uhr 2009-06-08T18:08:00+0200
Berghofen. Bald ist es wieder so weit: Am 27. und 28. Juni laden Architekten mit ihren Bauherren alle Interressierten in Nordrhein-Westfalen beim „Tag der Architektur” dazu ein, sich neue und erneuerte Bauten sowie Parks, Gärten und Plätze vor Ort anzusehen.
Dortmund ist mit 31 Objekten vertreten. Eines davon ist der behindertengerechte An- und Umbau der Familie Kemper in Berghofen aus dem Jahre 2006, geplant und begleitet vom Dortmunder Architekten Gerhard Gruschczyk.
Das Schicksal von Marcia Kemper hat viele Dortmunder bewegt (die Stadtteil-Zeitung berichtete). Die damals 11-Jährige blieb als Folge einer Wirbelsäulenoperation querschnittsgelähmt. Die Hilfsbereitschaft der Menschen in und um Dortmund hat es möglich gemacht, die notwendigen baulichen Änderungen und Anpassungen des Hauses für ein weiteres Leben von Marcia in ihrem Zuhause zu planen und zu realisieren.
Die Doppelhaushälfte von Nilüfer und Thomas Kemper wurde in den 1920er Jahren erbaut. Die Erschließung der oberen Geschosse war dementsprechend eng ausgelegt. Erschwerend kam noch hinzu, dass das Erdgeschoss als Sockelgeschoss etwa 1,50 m höher gelegen ist als die Straße.
Klar war: Hier musste ein Aufzug her; breitere, über Funk gesteuerte Türen und ein für die Pflege entsprechend ausgelegtes Badezimmer mussten eingeplant werden. Für den Aufzug war im Inneren des Hauses kein Platz. Die Lösung war, den alten Hauseingangs-Vorbau abzureißen und in diesen Bereich ein neues, zweigeschossiges Gebäude zu errichten, in dem sowohl der Aufzug als auch die aus Stahl gebauten Treppen und Galerien Platz fanden. Entstanden sind zudem einige interessante Details: ein überdachter Eingangsbereich, ein „Sitzfenster” und ein flächenbündiger Garderobenschrank.
„Uns blieb nicht viel Zeit für Planung und Realisierung”, erinnert sich Gerhard Gruschczyk. „Marcia konnte ja erst nach Abschluss der Bauarbeiten aus der Reha in Heidelberg nach Dortmund zurückkehren. Am 1. August 2006 habe ich den Bauantrag in Dortmund eingereicht und auf die Dringlichkeit verwiesen. Nach einer halben Stunde war alles genehmigt.” So konnte das ganze Projekt in nur drei Monaten Bauzeit realisiert werden.
Weitere Informationen zum Tag der Architektur: www.aknw.de
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