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Pogromnacht

Menschen sterben, Orte bleiben

08.11.2012 | 17:20 Uhr
Menschen sterben, Orte bleiben
Collagen mit einer Wachsschicht: Wer will, kann Vergangenheit sichtbar machen und sie wegreiben.Foto: Klaus Pollkläsener

Hörde.   Gutenberg-Realschüler haben das Grauen der Pogromnacht von 1938 künstlerisch und ergreifend in einer Ausstellung umgesetzt.

Am 7. November wurde in der Verwaltungsstelle Hörde an die Pogromnacht, die sich nun schon zum 74. Mal jährt, mit einer Gedenkfeier erinnert.

In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden Synagogen, jüdische Läden und Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei abgebrannt und zerstört. Tausende Juden wurden getötet, misshandelt und gefoltert. Diese Nacht gilt als offizielles Signal zum größten und grausamsten Völkermord in unserer Geschichte.

Info
Hörder Synagoge Opfer des Rassenwahns

Die Pogrome in der Nacht des 9. November 1938 waren von den Nazis organisierte Gewaltausbrüche gegen jüdische Mitbürger. Über 1400 Gebetshäuser wurden in Deutschland zerstört.

Neben der alten Synagoge in der Innenstadt gab es in Hörde und Dorstfeld zwei weitere repräsentative Synagogen. Das Hörder Gebetshaus im maurischen Stil entstand 1897-1899 am Friedrich-Ebert Platz.

Es wurde 1938 ein Opfer des Rassenwahns. Nach der Pogromnacht lebten nur noch 69 Juden in Hörde. Auch sie erwartete ein schlimmes Schicksal.

Schon am Sonntag wurde eine Ausstellung zu diesem Thema von der Geschichts-AG der Johann-Gutenberg-Realschule eröffnet. Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich nun schon das sechste Mal mit dem Holocaust auseinander, allerdings mit immer neuen Schwerpunkten. Das diesjährige Kunstprojekt mit dem Titel „Hinter die Fassaden schauen – Man sieht nur, was man sehen will!“ beschäftigt sich mit der ehemaligen Gestapo-Leitstelle Hörde in der Benninghofer Str. 16, in der sich heute die Polizeiwache befindet. Das Gebäude wurde durch Bombenangriffe weitgehend zerstört und später wiederaufgebaut. Die Gestapo war die geheime Staatspolizei der Nationalsozialisten, die für die Bekämpfung politischer Gegner zuständig war. Darunter fielen Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden und die Zeugen Jehovas.

Die Schüler der 9. und 10. Klasse näherten sich der Thematik mit dem Film „Die weiße Rose“ und einem Interview mit einem Überlebenden der Gestapo-Folter.

Wache mit dunkler Vergangenheit

Als die Schüler durch ihr Geschichtslehrerin Barbara Posthoff von der dunklen Vergangenheit der Polizeiwache erfuhren, saß der Schock tief. Sie konnten nicht glauben, wie so ein Gebäude, an dem sie ständig vorbeigehen, wiederaufgebaut werden kann. Neben der Entwicklung dreier Monologe – Zitate daraus nebenstehend– aus der Sicht eines Gefangenen der Gestapo wurden Collagen angefertigt, die mit einer weißen Wachsschicht übermalt wurden.

Die Besucher der Gedenkveranstaltung konnten mit Spachteln auf Spurensuche gehen, indem sie die Bilder freilegten und selbst entscheiden konnten, wie viel sie von der Vergangenheit freilegen möchten. Die Schüler wollen darauf aufmerksam machen, dass Menschen oft Dinge übertünchen und Fakten verstecken wollen.

Aber die Fassade trügt, wie im Fall der ehemaligen Gestapo-Leitstelle.

Berit Leinwand



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