Meine Tante Leah Moss
14.02.2012 | 18:45 Uhr 2012-02-14T18:45:00+0100
Sölde. Sölde. Daran hat Angelika Stork aus Sölde nicht mehr geglaubt: Sie hat eine längst verschollene Tante aus England wieder gefunden. Diese Tante, Leah Moss, hatte sich auch durch einen Bericht in der Stadtteikl-Zeitung auf die Suche nach ihren Wurzeln in der Dortmunder Heimat im Stadtteil Aplerbeck begeben.
Angelika Stork ist total aufgeregt: Durch die Stadtteil-Zeitung hat sie eine längst verschollen geglaubte Verwandte wieder gefunden. Leah Moss aus England ist eine Halbschwester von Angelika Storks Vater. Nun steht im März ein Treffen von Tante und Nichte auf deutschem Boden an.
Den Stein ins Rollen brachte Wolfgang Noczynski: An den Aplerbecker Chronisten hatte sich Leah Moss auf der Suche nach ihren Wurzeln gewandt. Der Bericht der Stadtteil-Zeitung über die Wahl-Engländerin mit ihrer jüdischen Mutter Edith Golding, geborene Meyers, brachte Angelika Stork in Sölde auf die Spur.
Ihr Vater Rolf Houben stammt aus der ersten Ehe von Edith Meyers mit Heinrich Houben. So ist also Ediths Tochter Leah eine Halbschwester von Rolf und damit eine Tante von Angelika Stork.
Dabei sind die beiden Frauen nahezu gleichaltrig: Leah Moss, Jahrgang 1954, und Angelika Stork, Jahrgang 1959 trennt dennoch eine Generation. Denn: (Groß)-Mutter Edith Meyers, Jahrgang 1911, war keine 20 Jahre alt, als ihr Sohn Rolf 1930 geboren wurde. Und bei Tochter Leah war sie eher eine ältere Mutter.
All das mit ausgegraben hat Ingrid Göbel. 1944 geboren ist sie die Tochter von Hans Houben, einem Bruder des 1. Ehemannes von Edith Meyers und die Cousine von Rolf. Als der kleine Kerl durch die Flucht der jüdischen Familie Meyers und die von Nazis 1935 erzwungene Scheidung seiner Eltern zunächst ins Heim kam, holte die gemeinsame Großmutter Eva das Kind zu sich. Gegen alle Widerstände, denn der Junge war Halbjude.
So wuchs Rolf an der Ringofenstraße, dem damaligen Familienwohnsitz, auf, ebenso wie dann auch Ingrid. „Rolf hat überhaupt nur dank der Großeltern überlebt. Er hatte eine schwere Kindheit: In der Schule war er als Halbjude nicht gerne gesehen, durfte nirgendwo mitmachen und er konnte vor allem den Verlust der Mutter nicht verwinden“, weiß Ingrid Göbel aus Erzählungen ihrer Mutter Klara.
Auch Angelika Stork erinnert sich: „Mein Vater hat immer viel geweint“. Und er hat seine Familie stets gesucht. Fand heraus, dass sie in England gelandet war, erhielt aber auf seine Briefe nie Antwort. Der Grund scheint heute klar: Mutter Edith hatte nach furchtbaren Leiden in der NS-Zeit mit der Vergangenheit komplett gebrochen. Das Treffen im März mit seiner Halbschwester erlebt er nicht mehr: Rolf Houben starb 1991.
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