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Licht und Schatten im Aplerbecker Ortskern

03.01.2013 | 16:22 Uhr
Licht und Schatten im Aplerbecker Ortskern
Blick über die Köln-Berliner StraßeFoto: Susanne Meyer

Aplerbeck.   Eine lange Straße – viele kleine Geschäfte. So präsentiert sich der Aplerbecker Ortskern seit Jahrzehnten. Und fast genauso lange brauchte die Politik, um einen Bebauungsplan für die Köln-Berliner Straße aufzustellen.

Eine lange Straße – viele kleine Geschäfte. So präsentiert sich der Aplerbecker Ortskern seit Jahrzehnten. Und fast genauso lange brauchte die Politik, um einen Bebauungsplan für die Köln-Berliner Straße aufzustellen. Der hat inzwischen viel verändert – nicht nur zum Guten, wie viele Aplerbecker meinen. Die Stadtteil-Zeitung sprach vor Ort darüber mit Kaufleuten und Kunden.

Investor gesucht

„Viel zu viel wurde nachgebessert. Mal wird das Tempolimit raufgesetzt, dann wieder runter. Der Taxistand wurde verlegt, dann wird wieder alles zurückgenommen. Und dann kam auch noch diese unselige Einbahnstraßenregelung“, kritisiert Projektentwickler Reinhard Frank, der für das seit mehr als zehn Jahren leerstehende ehemalige Modehaus Weber einen Investor sucht. Fast hätte er das Gebäude im Jahr 2011 an den Mann gebracht, doch der Unternehmer aus Bonn konnte die Finanzierung nicht stemmen. Frank verhandelt noch mit zwei weiteren Interessenten und hofft, dass die ursprünglichen Pläne für eine Ladenpassage an dieser Stelle doch noch umgesetzt werden können.

Mode statt Döner

Neben Weber steht im Ortskern derzeit nur noch ein Ladenlokal leer. Das an der Köln-Berliner Straße 27. Dort wurden früher Fleisch und Wurst verkauft, dann zog ein Döner-Imbiss ein. Dessen Türen haben sich inzwischen geschlossen, der Pächter will das Geschäft aber noch behalten. Hausbesitzerin Britta Krautscheid wünscht sich als künftigen Mieter ein Reformhaus oder eine Boutique. Die rund 100 qm großen Wohnungen über dem Laden hat sie liebevoll ausgebaut und vermietet. Eine wird demnächst in der Fernsehsendung „Mieten, kaufen, wohnen“ vorgestellt.

Ungeliebte Einbahnstraße

Nicht nur die Hausbesitzerin und der Projektentwickler schauen genau auf die sich ständig verändernde Infrastruktur im Aplerbecker Ortskern – auch die Kaufleute beobachten mit viel Argwohn und Angst, was die neuesten Planungen bewirken. Manch einer fühlt sich da als Versuchskaninchen und fürchtet um seinen Standort. Über 4000 Unterschriften haben die Gewerbetreibenden mit ihrer Vorsitzenden Regina Holland-Erlei in den Geschäften gegen die Einbahnstraßenregelung gesammelt, die probeweise vorerst ein Jahr lang gelten soll. Die Autofahrer können seit Juli 2012 aus nordöstlicher Richtung nicht mehr in den Ortskern einfahren, müssen Umwege über die Schürufer- und Rodenbergstraße in Kauf nehmen.

Viele scheuen die längeren Wege, wie die Arzthelferin Andrea S., die früher gern in Aplerbeck unterwegs war. Nicht nur Birgit Grenda, seit 20 Jahren Inhaberin des Schokolädchens an der Marsbruchstraße 1 hat somit eine Stammkundin verloren. „Zweimal habe ich schon woanders eingekauft, weil ich nur über Umwege zum Parkplatz komme“, sagt Andrea S., die an Wochentagen wenig Zeit zum Shoppen hat. Über Umsatzeinbußen klagen die Kaufleute vor Ort noch nicht. „Aber die Kunden schimpfen über die Einbahnstraßenregelung“, weiß Petra Miklejewski vom Modegeschäftes „Impulse“. Sie eröffnete ihren Laden im Mai 2012 in den Räumen der ehemaligen Filiale der Bäckerei Feldkamp an der Köln-Berliner Straße 68. Kunden finden in ihren Räumen hochwertige Mode.

Shoppen auf hohem Niveau

Solche Fachgeschäfte treffen den Nerv vieler Menschen im Dortmunder Süden. „Da könnte es ruhig noch mehr von geben“, wünschen sich gleich mehrere Frauen, die in Aplerbeck unterwegs sind. Einige Boutiquen haben sich im Ortskern längst etabliert. Besonders die Modegeschäfte für die ältere Generation sind beliebt. Und deren Inhaber freuen sich auch über mehr Kundschaft, seit die Einbahnregelung gilt. „Die Seniorinnen und Senioren haben bei dem starken Verkehr früher Probleme gehabt, über die Straße zu kommen und konnten uns daher manchmal nicht erreichen. Das hat sich jetzt geändert“, berichtet eine Verkäuferin. Ältere Menschen, die zu Fuß im Ort unterwegs sind, stimmen ihr zu. „Jetzt traue ich mich auch wieder über die Straße“, sagt eine 80-Jährige, die auf den Linienbus wartet. Die Werbegemeinschaft hat schon früh dieses Problem erkannt, fordert jedoch statt einer Einbahnstraßenregelung Querungshilfen und eine bessere Verkehrsüberwachung beim Tempolimit.

Die Angst vor der Pleite

Eine Kundin wünscht sich sogar, dass der Verkehr ganz aus dem Ortskern verschwindet. Doch eine Einkaufszone, wie es sie in Hombruch und Hörde gibt, würde die Einzelhändler an der Köln-Berliner Straße endgültig in den Ruin treiben, glauben Anja Stange und Daniela Heinrich-Kalverkamp von Blumen Risse am Aplerbecker Marktplatz 2. Denn die nächste Risse-Filiale ist gleich nebenan – im Rodenbergcenter mit Parkplätzen direkt vor der Eingangstür. Und sollten die Umsätze durch die Einbahnstraßenregelung zurückgehen, könne das das Aus für Geschäfte im Ortskern mit Filialen im Rodenbergcenter bedeuten, sorgt sich Holland-Erlei.

Klaus Gerhardy, der sein „Radhaus“ an der Köln-Berliner-Straße 35 betreibt, findet auch lobende Worte: „Gut dass die Politik in Aplerbeck fair ist und auch wieder was zurücknimmt“, sagt er mit Blick auf die inzwischen rückverlegten Taxiplätze.

Z Gut dass die Politik in Aplerbeck fair ist und auch wieder was zurücknimmt.

Z Wir fordern statt einer Einbahnstraßenregelung Querungshilfen und eine bessere Verkehrsüberwachung , damit das Tempolimit eingehalten wird.

Von Susanne Meyer

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