Lautstarke Vorurteile gegen Kaddor
28.01.2009 | 19:05 Uhr 2009-01-28T19:05:44+0100Wellinghofen. (wma) "Stellt euch vor, Gott schmeißt eine Riesenparty. Alle sind eingeladen, wer ganz nah bei ihm sein will, kann spezielle Aufgaben erfüllen. Und wer nicht kommen will, braucht es nicht. ...
... Aber Gott feiert auf jeden Fall." Mit diesem Bild erklärt Lamya Kaddor ihren Schülern das Wesen Gottes. Die Lehrerin für Islamkunde war zu Gast beim Runden Tisch Grimmelsiepen - und wurde zum Teil lautstark mit Islam-Vorurteilen konfrontiert. "Was Kinder und Jugendliche über den Islam lernen sollten" war der Vortrag überschrieben. Aber auch Erwachsene hatten die Gelegenheit, sich kritisch mit ihrem Bild der Weltreligion zu beschäftigen. "Viele denken, der Islam sei nur kein Schweinefleisch essen, beten, fasten, Gott lieben." Das geht der Religionswissenschaftlerin Kaddor nicht weit genug. Für sie, die sich selbst als liberal bezeichnet, steht Toleranz im Vordergrund. "Ich möchte meine Schüler zu religionsmündigen Muslimen erziehen."
Lamya Kaddor unterrichtet in Dinslaken. Für die Lehrerin ist die Religion gar nicht das Haupthindernis für eine gelungene Integration. "Der Schlüssel ist die Bildung."
Für ihre liberalen Ansichten wurde und wird die Islamwissenschaftlerin immer wieder kritisiert, nicht nur von konservativen Muslimen. Auch im ev. Gemeindehaus Wellinghofen nutzten einige wenige der über 50 Zuhörer die Gelegenheit, ihre Vorurteile zum Teil lautstark auf den Tisch zu bringen: Alle Muslime sind Terroristen, wollen aus ihrer Sicht Nichtgläubige bekehren, passen nicht in unsere Gesellschaft.
Kaddor blieb trotz der Anfeindungen ruhig und betonte mehrmals, dass es den Islam und die Muslime gar nicht gebe. "Zur Religion gehören zahlreiche Ausrichtugen. Das empfinden wir gerade als Bereicherung." Wer Gläubige pauschal als Extremisten verurteile, tue der Mehrheit Unrecht. Dafür bekam sie nicht nur Beifall. Einigen Zuhörern platzte förmlich der Kragen. "Sie halten jetzt mal Ihren Mund", herrschte eine Dame einen Zuhörer an, der populistische Vorurteile ins Spiel brachte.
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