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Mukoviszidose

Laufen gegen die tödliche Krankheit

17.10.2012 | 22:00 Uhr
Laufen gegen die tödliche Krankheit
Trotz Mukoviszidose ist Sebastian Koch ein begeisterter Läufer.Foto: Christina Hesse

Hörde.   „Es ist, als müsstest Du durch einen Strohhalm atmen.“ Sebastian Koch aus Hörde ringt nach Luft, seit er denken kann. Seit seinem zweiten Lebensjahr leidet er unter Mukoviszidose. Antibiotika helfen ihm ein wenig. Doch er hat noch ein anderes Rezept gefunden: Sebastian läuft.

„Es ist, als müsstest Du durch einen Strohhalm atmen.“ Sebastian Koch aus Hörde ringt nach Luft, seit er denken kann.

Als er zwei Jahre alt war, stellten die Ärzte fest, dass er unter Mukoviszidose leidet. Organe in seinem Körper bilden einen zähflüssigen Schleim. Die Symptome: Heftiger Husten mit Auswurf, Lungenentzündungen, starke Gewichtsabnahme, Schlappheit, Konzentrationsstörungen. Was ein bisschen hilft, sind Antibiotika, ein Leben lang. Doch Sebastian Koch hat noch ein anderes Rezept gefunden: Er läuft.

Sport ist kein Allheilmittel

Das Laufen kann die Krankheit nicht heilen, aber es kann sie bremsen. „Sport ist wichtig, aber kein Allheilmittel“, sagt Koch, der seit Januar gegen sein Leiden anrennt. Mit Erfolg: Seine Lungenfunktion hat sich von 60 auf 90 Prozent verbessert, am 14. Oktober hat er zum ersten Mal an einem Marathon in Essen teilgenommen. Doch nach 25 Kilometern wurde er aus dem Rennen genommen. „Ich hätte sonst die Zeit der Streckensperrung überschritten“, bedauert der 26-Jährige. Die lag bei 5,30 Stunden für die olympische Distanz. Koch brauchte schon 3,14 Stunden für die Hälfte. Dabei hätte er noch länger laufen können.

Er wird es wieder versuchen, im nächsten Jahr. Und dann auch wieder einen Flyer verteilen, in dem er um Spenden bittet. 500 Stück hat er vor seinem Lauf in Essen drucken lassen und 1000 Euro bei Firmen, Freunden und Unbekannten gesammelt für den Mukoviszidose-Verein. Eine Gemeinschaft, die dem jungen Mann sehr geholfen hat – unter anderem mit Klimaaufenthalten im Winter auf Gran Canaria: Dort ist es immer Frühling – für Mukoviszidose-Kranke ein Segen: „Ich konnte mal richtig durchatmen.“

Unheilbare Erbkrankheit

Sebastian Koch gibt die Hoffnung nicht auf, dass es vielleicht mal ein Mittel gegen Mukoviszidose geben wird. Denn Menschen, die diese unheilbaren Erbkrankheit haben, werden nicht alt. „40 Jahre höchsten“, schätzt der 26-Jährige. Seine jüngere Schwester war 22, als sie an Mukoviszidose starb. Bei ihr hatte die Antibiotikatherapie nicht mehr gewirkt. Kurz vorher war ihr eine Lunge transplantiert worden, die vom Körper jedoch abgestoßen wurde. „Damals wollte ich auch aufgeben“, sagt der Bruder, „wozu noch kämpfen? Doch dann fing ich an zu laufen.“ Mit jedem Kilometer mehr kehrte die Lebensfreude zurück. Heute schmiedet der 26-Jährige wieder Zukunftspläne. Seinen Meister will der gelernte Garten- und Landschaftsbauer machen. Seine Zeit mit Freundin Nicole (25) genießen, mit der er sich seit drei Jahren eine Wohnung teilt. Auch sie ist an Mukoviszidose erkrankt.

Viel Disziplin gehört zum Überleben dazu. „Man muss die Therapiepläne genau einhalten“, hat Koch gelernt. Das sei besonders in der Pubertät sehr schwer. Denn dann werden junge Menschen mit dieser Krankheit oft zu Außenseitern, weil sie mit ihren Klassenkameraden und Freunden nicht mithalten können. Eine schlimme Zeit sei das gewesen, blickt Koch zurück: „Ich bin in der Schule ausgegrenzt und gemobbt worden.“ Rückendeckung hat er von seiner Familie bekommen: „Meine Eltern haben sich immer für uns stark gemacht. Ich bin stolz auf sie.“ Und auch die Freunde sind da, wenn sie gebraucht werden. Seine Freundin, deren Freundin Fabiola (22) und seine eigene gesunde Schwester Stephanie (25) haben ihn beim Training begleitet. Sein bester Kumpel Rene (24) war in Essen beim Triathlon dabei.

Laufen, Schwimmen, Krafttraining

Man sieht es dem jungen Mann nicht an, dass er schwer krank ist. Im Gegenteil – er wirkt durchtrainiert und ausgeglichen, obwohl er alle drei Monate zwei Wochen lang im Krankenhaus am Antibiotika-Tropf hängen muss und im Mai einmal wieder eine schwere Lungenentzündung überstanden hat. Jede noch so kleine Infektion kann für ihn den Tod bedeuten.

Doch Sebastian Koch geht weiterhin jeden Tag zur Arbeit in den elterlichen Gärtnereibetrieb in Brackel, ist jeden zweiten Tag auf der Laufstrecke, schwimmt regelmäßig bis zu 3000 Meter und stemmt im Fitnesscenter Gewichte: „Ich lebe mit der Krankheit, nicht die Krankheit mit mir. Und genieße mein Leben, solange es geht. Jeder Tag ist kostbar.“

Von Susanne Meyer



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