Land unter in Nachbars Garten
11.08.2009 | 20:00 Uhr 2009-08-11T20:00:00+0200Aplerbecker Mark. Zuerst störte nur der Bretterzaun. Zehn Meter lang und über zwei Meter hoch haben Brigitte und Dieter Hauptvogel aus der Aplerbecker Mark die hässliche Lattenwand seit Juli 2008 beim Sonnenbad auf der Terrasse immer im Visier.
Der Nachbarschaftstreit um die Grenzbebauung begann als Ärgernis und wächst sich nun für das Ehepaar zur handfesten Katastrophe aus.
Denn seit Ende Mai läuft bei starkem Regen auch noch Wasser durch den Zaun zwischen undichten L-Steinen vom erhöhten Nachbargrundstück fast ins Haus hinein. Ein Fall fürs Amtsgericht, doch dort sind die Schreiben des Rechtsanwaltes der Familie nicht auffindbar.
„Kurios" überschreibt Richter Dr. Gerhard Breuer, Pressesprecher des Dortmunder Amtsgerichtes, diesen Fall. Denn eine Akte gibt es schon. Die wurde angelegt, als das Ehepaar Hauptvogel sich mit dem Nachbarn beim Schiedsmann nicht einigen konnte. Schon damals ging es nicht nur um den Zaun, sondern auch - mit Blick auf die verrutschten L-Steine - um eine stabilere Grenzfixierung. Die Hauptvogels klagten. Ein Gütetermin wurde im März anberaumt, den Parteien noch einmal sechs Wochen Zeit gegeben, den Streit auf außergerichtlichem Wege zu lösen. Dies gelang nicht. „Das teilte der Anwalt dem Gericht unter Hinweis auf die aufgetretene Dringlichkeit Ende Mai auch mit”, sagt Hauptvogel. Ein weiterer Brief, fünf Wochen später, blieb ebenfalls unbeantwortet.
Das Wasser wartet nicht. Wenn es heftig regnet, verwandelt sich die Terrasse des Ehepaares innerhalb von wenigen Minuten in einen Gartenteich. Und droht, an der Hauswand entlang ins Souterrain zu fließen. Die typische Hanglage der rund 30 Jahre alten Reihenhäuser in der Aplerbecker Mark ebnet dem Wasser dabei den Weg. Brigitte Hauptvogel hat inzwischen neben der Terrasse ein Loch in die Erde gegraben. Davor steht sie jetzt, wenn ein Wolkenbruch kommt, und versucht die Fluten mit einem Eimer abzuschöpfen. Denn das Loch allein bremst das Wasser nur für kurze Zeit. Dann läuft es über. Rund 250 Liter Wasser hat das Ehepaar schon auf diese Weise in der Regentonne gesammelt.
Die Not ist groß: „Wir trauen uns nicht, mal länger wegzufahren, denn es könnte ja ein Gewitter oder einen heftigen Schauer geben. Dann wird das Haus in Mitleidenschaft gezogen”, sagt die 65-Jährige. Sie und ihr 67-jähriger Mann haben ihr Heim vor 23 Jahren gekauft, es gehegt und gepflegt: „Das lassen wir uns jetzt nicht kaputt machen.”
Der Nachbar habe im Juli die L-Steine notdürftig mit Erde abgedichtet, berichtet das Ehepaar.
»Wir trauen uns nicht,
länger wegzufahren«
„Das war wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das muss man vernünftig machen. Wir brauchen eine richtige Betongrenze”, glaubt Hauptvogel. Selbst dürfen sie nicht Hand anlegen, um den Schaden erst einmal provisorisch zu beheben; die Steine liegen auf dem Nachbargrundstück.
Rechtsanwalt Ulrich Schepers ist sich sicher, dass seinen Mandanten nur noch per Gerichtsbeschluss geholfen werden kann. Doch Justitia schweigt seit fünf Monaten. Der zuständige Richter kommt laut Dr. Breuer am 17. August aus dem Urlaub zurück. „Vielleicht weiß der ja, wo die beiden Anwaltsschreiben gelandet sind”, fragt sich Brigitte Hauptvogel. Der Pressesprecher hat jedenfalls schon vorsoglich einen Brief aufsetzen lassen. Darin wird angefragt, ob die Klage weiter verfolgt werden soll.
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