Klickende Ampeln beschäftigen weiter die Politik

Noch immer gibt es Ärger um die neuen Ampelsignale für Blinde und Sehbehinderte: Weil Anwohnern das Klicken an einigen Kreuzungen zu laut war, wurden die Signale leiser gestellt - doch das ist für Menschen mit Sehbehinderungen keine dauerhafte Lösung.

Hörde.. Richard Schmidt, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenvereins, steht an der Hohen Straße nahe der U-Bahn-Haltestelle Saarlandstraße. An einem der Orte, an denen der Streit entbrannt war. Hier klicken und brummen die Ampeln, so wie es für Menschen mit Sehbehinderungen unverzichtbar ist. "Jeden Gang über eine Ampel muss man trainieren, muss sich extrem konzentrieren", sagt Schmidt. Einfach loslaufen - das kann lebensgefährlich sein.

Deshalb hatte der Rat 2014 auch eine DIN-gerechte Umrüstung aller Ampeln beschlossen, beginnend mit mehreren großen Kreuzungen. Bedeutet: Der Signalton für die Richtungsorientierung ist lauter, die Grünphase wird durch eine Vibration am Boden des Knopf-Kästchens angezeigt.

DIN-gerechter Umbau war zu teuer

Aus dem großen Plan ist der "kleinste gemeinsame Nenner geworden", wie es Schmidt formuliert. Schon die umgebauten Kreuzungen waren nur eine Minimal-Lösung, weil der DIN-gerechte Umbau für die Stadt nicht bezahlbar ist. Dass es im Sinne aller funktioniert, scheiterte an der Umsetzung. Die installierten Anlagen waren zu laut. Und vor allem: Sie schaukelten sich gegenseitig hoch, weil sie sich den Umgebungsgeräuschen anpassen.

Die extremsten Folgen hatte das an der Kreuzung Nortkirchenstraße / Gildenstraße / Wellinghofer Straße, wo sich 16 Signale gegenseitig verstärkt haben. Die Anwohner protestierten massiv. Bis hin zu einer Klage eines Betroffenen an der Hohen Straße gegen Oberbürgermeister Ullrich Sierau, die eher symbolischen als strafrechtlichen Wert hatte. Der Blinden- und Sehbehindertenverein hat sich in der gesamten Debatte bisher zurückgehalten. Und auch jetzt möchte Schmidt nicht trommeln. Aber er hat dennoch klare Erwartungen.

Signal-Lautstärke sei gerade ausreichend

"Es muss ein Konzept vorgelegt werden, wie die Zukunft aussehen soll. Der jetzige Zustand kann nicht festgeschrieben werden." Nach dem Ärger um die Ampeln wurde das Signal leiser gestellt, die aktuelle Lautstärke sei gerade ausreichend. Wenn sich ein Fußgänger mit Sehbehinderung nicht ausreichend an dem Geräusch orientieren kann, kommt von der geraden Linie ab - und landet womöglich mitten im Verkehr statt auf der anderen Straßenseite.

Um die Wichtigkeit zu verdeutlichen, stellt Richard Schmidt einen markanten Vergleich an. "Was für Rollstuhlfahrer Rampen und Fahrstühle sind, sind für Blinde die Signale, Rippen und Noppen. Bei Fahrstühlen gäbe es nicht so eine Diskussion." In der nächsten Sitzung des behindertenpolitischen Netzwerks am 23. Juni soll das weitere Vorgehen zum Thema werden.