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Fotoausstellung

Ich rette – mein Klopapier

26.09.2012 | 19:00 Uhr
Ich rette – mein Klopapier
Sina Weber inmitten ihrer Fotoreihe „Das Kostbarste“Foto: Knut Vahlensieck

Barop.   Die TU-Kunststudentin Sina Weber hat Menschen eine existenzielle Frage gestellt: Was nehmt ihr mit, wenn ihr nur noch einmal in eure Wohnung dürft? Daraus entstand eine ungewöhnliche Fotoreihe.

Was ist wichtig für ihr Leben? Was würden Sie retten, wenn Sie nur noch einmal in ihre Wohnung zurückkehren dürften? Sina Weber hat diese existenzielle Frage 48 Freunden, Bekannten und Fremden gestellt und sie mit diesen Dingen fotografiert. Und, lachen Sie jetzt nicht: Patrick Klose aus Münster würde eine Rolle Klopapier retten.

Es waren schreckliche, einschneidende Ereignisse, die die 24-jährige Kunst-Studentin der TU Dortmund auf die Idee für die Fotoserie „Das Kostbarste“ brachten. Desaster wie die Atomkatastrophe in Fukushima, Erdrutsche in Innsbruck oder Bombenentschärfungen: Immer mussten Menschen, in Japan Tausende für immer, ihre Häuser und Wohnungen verlassen. „Vorgabe war nicht, den Ehemann oder die Liebste zu schultern. Mich interessiert: Was nehmen diese Menschen aus ihren Wohnungen mit? Geld, Unterlagen, woran hängt ihr Herz?“, erläutert Sina Weber. „Die Bilder sollen einen Einblick in die verschiedenen Persönlichkeiten und Charaktere geben.“

Neutraler Gesichtsausdruck

Anders als bei ihrem zweiten künstlerischen Wirken in Theatergruppen und an der Naturbühne Syburg, hat Sina Weber auf die Inszenierung der Menschen verzichtet und sie formal einfach, vor den Fassaden ihrer Häuser fotografiert. Ihr Gesichtsausdruck fällt neutral aus, eine Forderung Webers an ihre Objekte. „Ich wollte kein Lächeln oder Oje-ich-stürze-aus-brennendem-Haus. Es sollte auf die Menschen ankommen und ihre Gegenstände.“

Kleider, Handys, Fleischsalat

Ja, was nehmen sie nun mit?

Info
Ausstellung ab 10. Oktober

„Das Kostbarste“ von Sina Weber war bislang nur in Teilen zu sehen, unter anderem bei der Ausstellung der Kunststudenten im U-Turm und an der TU Dortmund.

„Ich freue mich, sie jetzt erstmals komplett ausstellen zu
können“, sagt Sina Weber. Bei der Eröffnung spricht Webers
TU-Dozent Felix Dobbert.

Die Fotoreihe kann ab 10.
Oktober, 19.30 Uhr
, in der kat­holischen Hochschulgemeinde Dortmund (Ostenbergstraße 107) besichtigt werden. Webers Fotos sind dann bis zum 1. Februar 2013 zu sehen.

Alexandra Beer zog ihr Hochzeitskleid an, drapiert mit einem Fanschal des Iserlohner Eishockeyclubs. Sohn Lukas wählte dann auch ein Kleid („Als Theaterkind hat er solche Sachen“). Schwester Lilly fischte sich ein Schälchen Fleischsalat, ihr Lieblingsessen, aus dem Kühlschrank. Computer, Handys finden sich auf den Fotos, Fotos auch, Bücher, bei einem jungen Mann auch ein verschämt verstecktes Haargel. Gitarrist Stefan schleppte eine Menge Instrumente heraus und Püppi, sein erstes Kuscheltier. „Auf der Bühne ist er ein cooler Sänger. Ich fand es niedlich, dass er auch eine weiche Seite hat“, sagt Sina Weber.

Die beste Freundin einer Porträtierten war zu Tränen gerührt. Diese hatte ein Foto der beiden mit aus ihrer Wohnung genommen. „Es war die Gewissheit, ein Teil des Kostbarsten ihrer Freundin zu sein“, sagt die 24-Jährige. Es gab auch Menschen, denen offenbar nichts Materielles wichtig ist. „Dann ist euch auch Kleidung nicht wichtig und ich fotografiere euch nackt“, war Webers Entgegnung. Man zeigte dann doch etwas...

Über Patrick, den Retter des Klopapiers, lässt sich wild und trefflich mutmaßen, was ihn zu diesem Verhalten trieb.

Spekulieren durchaus erwünscht

Spielt er ironisch mit dem Betrachter oder ist er ganz einfach pragmatisch veranlagt? Denn wer weiß schon, ob er wieder in Reichweite einer Toilette kommt, wenn er die Tür zu seinem Heim ein und für alle Mal schließen muss. Solche Überlegungen des Betrachters hat Sina Weber ganz einfach berechnet: spekulieren, rückschließen und diskutieren, was wichtig ist, sind erwünscht. „Und man fragt sich sofort: Was würde ich mitnehmen?“, sagt Weber. Sie hat diese Frage natürlich mit einem Selbstbildnis beantwortet. Es ist ein Notizblock, Webers künstlerisches Ideenheft (nachdem ihr zweimal die Festplatte ihres Computers abgestürzt ist).

Michael Schmitz


Kommentare
27.09.2012
13:57
Ich rette – mein Klopapier
von dortmund007 | #1

...super idee!!! ne chance diese fotos hier zu sehen gibt es nicht ?

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