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Hörder Service-Wüste: Wo, bitte, geht’s zum nächsten Klo?

18.09.2012 | 17:34 Uhr
Hörder Service-Wüste: Wo, bitte, geht’s zum nächsten Klo?
Foto: Birgit Schweizer

Hörde.   Ein neuer Bahnhof wurde gebaut. Aber nach wie vor ist Hördes Innenstadt ohne öffentliche Toilette.

Man müsste ein Schild einrammen vor dem Toilettenhäuschen auf der Nordseite des Phoenix-Sees: Achtung, letztes öffentliches Klo vor der Hörder Wüste!

Das Thema ist alt, das dringende Bedürfnis aber noch immer nicht befriedigt. Seit die früheren Toilettenhäuschen an der Bushaltestelle am Hörder Bahnhof wegen ständigen Vandalismus außer Betrieb genommen und später abgerissen wurden, verfügt die Innenstadt von Hörde über kein einziges öffentliches Klo. Mittlerweile ist ein komplett neuer Bahnhof gebaut worden. Aber Toiletten? Weiterhin Fehlanzeige!

Toilettentest: 3 x willkommen, 2 x gescheitert

Darf man bei einem dringenden Bedürfnis die nicht öffentlichen Toiletten in Hörde benutzen? Wir haben es getestet.

1. Positivbeispiel: In der Bezirksverwaltungsstelle Hörde wird uns der Schlüssel für eine Toilette ausgehändigt: „Hinter der Wand, links.“

2. Positivbeispiel: In der Pizzeria Torino wird uns der Weg von der Kellnerin gewiesen: „Selbstverständlich dürfen Sie die Toilette benutzen.“

3. Positivbeispiel: Bücherei Hörde. Wieder wird ein Schlüssel ausgehändigt

Zweimal gescheitert: Im neuen Burger King im Bahnhof zahlt der Nichtkunde 50 Cent, falls er sie klein hat. Im Café Hörder Treff empfängt uns gleich an der Tür ein Plakat mit derselben Botschaft. 50 Cent - oder Konsumzwang.

Friedhelm Hendler aus dem Seniorenbeirat hat so seine drastische Art, das Problem auf den Punkt zu bringen. Wenn er die Tauben sieht, wie sie überall in Hörde ihr Geschäft verrichten, dann denkt Hendler: „Die haben es hier leichter als die Menschen.“ Seit Jahren, erinnert sich der alte Hörder, seien alle Pläne gescheitert, das Thema „öffentliche Bedürfnisanstalt“ in den Griff zu bekommen.

DSW21 mit ins Boot nehmen

Der letzte Anlauf: Ein Antrag der CDU für die Hörder Bezirksvertretung. Man möge Gespräche mit dem Betreiber des neuen „Burger King“ im Hörder Bahnhof führen, ob die Toiletten des Gastronomiebetriebs auch von Nichtkunden mitbenutzt werden könnten. Wie die Antwort auf diesen Vorstoß ausgefallen ist, kann jeder Besucher des „Burger Kings“ auf den ersten Blick erkennen. Die Toilettentüren sind mit Münzeinwurfschlitzen gesichert. Nichtkunden sollen 50 Cent zahlen. Hörder Toilettenfeeling – wie in der Autobahnraststätte. Irgendwo ist immer Geld zu verdienen.

Friedhelm Hendler weiß, dass kaum ein zweites Thema so häufig in den Bürgersprechstunden der Bezirksvertretung angesprochen wird. Er persönlich ist der Meinung, dass auch die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) „mit ins Boot genommen“ werden könnten. Immerhin sei Hörde ein Knotenpunkt für Busse und Bahnen mit entsprechenden Fahrgastmengen. Aber nirgends mit einer Gelegenheit ... „ach“, seufzt Hendler, „es ist alles ein großer Mist“.

Ein Häuschen pro Stadtbezirk

Die Stadt Dortmund hatte vor Jahresfrist Hörder Einzelhändler und Gastronomen gebeten, bei dringenden Bedürfnissen auch mal ein Auge zuzudrücken. Die Bezirksverwaltung geht mit guten Beispiel voran und händigt auf Nachfrage die Schlüssel zu einer nicht öffentlichen Toilette problemlos aus. Doch warum wird das Problem nicht grundsätzlich gelöst? Warum wird nicht einfach das versprochene Toi­lettenhäuschen in einer Baulücke neben dem neuen Bahnhof gebaut?

Die Lage ist kompliziert. In anderen Stadtbezirken wurden öffentliche Toiletten von der Firma Wall errichtet, die sich über Außenwerbung an den Häuschen finanziert. Eigentlicher Platzhirsch bei der Außenwerbung in der Stadt ist aber ansonsten die heimische Firma Ruhfus. Als die Toilettenhäuschen seinerzeit nach der Maßgabe „eines pro Stadtbezirk“ gebaut wurden, verfügte Hörde noch über die alte Anlage am Bus- und Bahn-Knotenpunkt. Als diese später abgebrochen wurde, galt die alte Einigung aber nicht mehr. Aus der Firma Ruhfus heißt es heute: „Das ist alles im Schwebezustand.“

Das bestätigt die Stadt Dortmund. Zur Zeit gebe es keine konkreten Vorstöße, das alte Problem zu lösen. Es sei denn, man ist gut zu Fuß. Am neuen Phoenix-See gibt es eine ansprechende neue und eine provisorische Toilettenanlage.

Davor und dahinter aber ist Wüste.

Jürgen Potthoff



Kommentare
19.09.2012
16:14
Hörder Service-Wüste: Wo, bitte, geht’s zum nächsten Klo?
von martina1959 | #1

Was ist den bitte so schlimm daran, für den Toilettengang 50ct zu bezahlen?
Die zusätzlichen Reinigungskosten für Nichtkunden müssen von dem jeweiligen Geschäft/Gastronomie erbracht werden. Ich zahle lieber ein paar Ct. und finde eine reinliche Toilette vor, als ein unüberwachtes öffentliches Toilettenhaus.

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