Gedenkfeier erinnert an Karfreitagsmorde vor 70 Jahren

Ein riesiges anonymes Gräberfeld umgibt das Mahnmal in der Bittermark. Eine Gedenkfeier an dem Mahnmal erinnert an die Karfreitagsmorde vor 70 Jahren. Bei ihr bekommen zumindest einige der hier begrabenen NS-Opfer wieder ein Gesicht.

Bittermark.. Der "Weg der Erinnerung" führt von der Kirchhörder Straße zu der Lichtung im Stadtwald Bittermark. Die Bilder und Texte am Wegesrand erinnern zur Karfreitags-Gedenkfeier an einige der Menschen, die wenige Tage vor Kriegsende vor genau 70 Jahren in der Bittermark, im Rombergpark und anderen Orten in Dortmund von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) ermordet wurden.

"Botschafter der Erinnerung"

Bilder und Texte sind ein Verdienst der jungen "Botschafter der Erinnerung" - zumeist Schülerinnen und Schüler, die sich mit dem dunklen Kapitel der Stadtgeschichte auseinandergesetzt haben und dafür sorgen wollen, dass es nicht in Vergessenheit gerät.

Besonders brutal und sinnlos erscheinen die Morde, weil es für die NS-Täter nichts mehr zu retten gab. Dortmund stand im März 1945 kurz vor der Einnahme durch amerikanische Truppen. Anfang 1945 hatte die gefürchtete Gestapo ihre Aktionen gegen Widerstandskämpfer verstärkt. Dutzende wurden in der Steinwache in der Innenstadt und in der Gestapo-Wache in der Benninghofer Straße in Hörde inhaftiert, verhört und gequält.

Wochenlange Mordserie

Die Mordserie begann vermutlich am 7. März. Spätnachts holten Gestapo-Beamte Gefangene aus ihren Zellen, fesselten sie mit Stacheldraht und bugsierten sie auf Lastwagen. In der Bittermark wurden sie von der Ladefläche geholt und mussten ihren Todesmarsch zu einem Bombentrichter auf einer Waldlichtung antreten. Mit Genickschüssen wurden sie hier hingerichtet und verscharrt.

Die brutale Prozedur wiederholte sich vor den Ostertagen 1945. Nach zwei weiteren Hinrichtungen in der Bittermark von jeweils mehr als 20 Häftlingen wurden am Karfreitag, dem 30. März 1945, mindestens 43 Menschen im Rombergpark erschossen - sie gingen als Karfreitagsmorde in die Geschichte der Stadt ein. Bei weiteren Erschießungen starben in den folgenden Tagen noch einmal rund 110 Häftlinge - neben Widerstandskämpfern auch zahlreiche Zwangsarbeiter.

Amerikanische Truppen besetzten Dortmunder Vororte

Noch am 12. April, als die amerikanischen Truppen schon zahlreiche Dortmunder Vororte besetzt hatten und kurz vor der Einnahme der Innenstadt standen, wurden in Hörde noch drei Widerstandskämpfer von Gestapo-Leuten erschossen. Die genaue Zahl der Opfer hat sich nie ermitteln lassen. Geschätzt wird, dass rund 280 Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter in den Wochen vor und nach Ostern 1945 erschossen wurden.

In eigener Sache: Wir werden ab Ostermontag die Befreiung Dortmunds in einem historischen Liveticker begleiten.

Sechs Tage nach der Befreiung Dortmunds durch US-Truppen, am 19. April, ging man dem Verbrechen, von dem bislang Gerüchte im Umlauf waren, gewissermaßen auf den Grund. In der Bittermark und im Rombergpark wurden zahlreiche Leichen exhumiert. Ehemalige NSDAP-Mitglieder wurden dazu herangezogen. 88 Leichen wurden drei Tage später in einem Gemeinschaftsgrab in der Bittermark bestattet.

Mahnmal als überdimensionaler Grabstein

Weitere 106 Ermordete, vor allem ehemalige Zwangsarbeiter, wurden zum Karfreitag 1954 vom Friedhof in Hörde in die Bittermark umgebettet, wo in den folgenden Jahren das Mahnmal gewissermaßen als überdimensionaler Grabstein entstand. Die Krypta im Inneren beherbergt den Leichnam eines unbekannten Zwangsarbeiters und ist damit ein besonderer Erinnerungsort für die Menschen aus anderen Ländern, die in der NS-Zeit zum Arbeitseinsatz in Dortmund gezwungen wurden.

- Die Gedenkfeier am frisch sanierten Mahnmal in der Bittermark beginnt am Karfreitag (3. 4.) um 15 Uhr.

- Beteiligt sind unter anderem Oberbürgermeister Ullrich Sierau, die "Botschafter der Erinnerung", Jean Chaize als Präsident des Verbandes der französischen Zwangs- und Arbeitsdeportierten und BVB-Vizepräsident Gerd Pieper. Begleitet wird die Veranstaltung vom Kinderchor der Chorakademie und einem Posaunenchor.

- Vom Parkplatz des Augustinums an der Kirchhörder Straße fährt ein Pendelbus zum Mahnmal.

- Das Mahnmal ist auch Ziel des Heinrich-Czerkus-Gedächtnislaufes, der ab 12 beziehungsweise 13 Uhr vom Stadion Rote Erde in die Bittermark führt. Er erinnert an den früheren BVB-Platzwart Heinrich Czerkus, der zu den NS-Opfern gehört.