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Erinnerungen im Einmachglas

08.10.2012 | 18:31 Uhr
Erinnerungen im Einmachglas
Dass nicht nur Gemüse, sondern auch Erinnerungen in ein Einmachglas passen, will ein neues Kunstprojekt der Rudolf-Steiner-Schule mit dem Hermann-Keiner-Haus beweisen.Foto: Privat

Brünninghausen.   Obst oder Gurken gehören ins Einmachglas, aber Erinnerungen? 35 Bewohnerinnen und Bewohner des Hermann-Keiner-Hauses blickten skeptisch, als sie zum ersten Mal von dieser Idee hörten.

Obst oder Gurken gehören ins Einmachglas, aber Erinnerungen? Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hermann-Keiner-Hauses blickten skeptisch, als sie zum ersten Mal von der Idee hörten. „Diese Aufmerksamkeit wollten wir erreichen“, erklärt Andrea Bergstermann, stellvertretende Leiterin des Hermann-Keiner-Hauses. Denn aus dieser Idee soll ein breitangelegtes Kunstprojekt werden, das die Bewohner gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der benachbarten Rudolf-Steiner-Schule in den kommenden Monaten umsetzen.

Der Klassiker mit rotem Verschluss

Das Konzept stammt von den Kulturpädagoginnen Manuela Wenz und Birgit Mattern. Im Mittelpunkt stehen „klassische Einmachgläser mit rotem Metallverschluss und einem Liter Inhalt“ – wie sie die Senioren unter Umständen ihr Leben lang begleiten. „Der Inhalt besteht aus dem Foto des alten Menschen, einem Gegenstand, der für eine bestimmte Erinnerung steht und einem Naturmaterial“, sagen die beiden Kulturpädagoginnen.

Doch damit nicht genug. Die Schülerinnen und Schüler, im Schnitt 17 Jahre alt, schreiben literarische Texte über die Gegenstände und die Bedeutung, die sie für ihren Besitzer haben. So soll das Projekt eine eigene Dynamik bekommen. Und welcher Teenager kennt heute noch große Taschenuhren mit Kette?

Andrea Bergstermann findet diesen Austausch junger Menschen – für sie ist das Ganze Pflicht – mit den Keiner-Haus-Bewohnern spannend. „Die jüngsten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind zwischen 60 und 70 Jahren alt, die ältesten zwischen 90 und 100.“ Alle Senioren machen freiwillig mit. Beide Gruppen haben sich bereits kennengelernt – der Auftakt für mehrere Treffen. Im Idealfall ergeben sich „Tandems“, die sich ihre Lebensgeschichten anvertrauen. Das machte gleich zu Beginn neugierig. Von den Bewohnern, die sich die Idee bereits angehört haben, wollen schon jetzt 30 mitmachen.

Zum Zeitplan: Ende Oktober gehen die Treffen zwischen Alt und Jung weiter, bis Ende Februar 2013 sollen die Erinnerungsgläser fertig sein. Die bekommen dann alle Interessierten zu sehen. „Zusammengetragen und gestapelt werden die Gläser mit ihren fragilen Erinnerungen in einer Lichtinstallation des Objektkünstlers Jürgen Mans. Präsentiert wird die – einem Schrein ähnliche – Skulptur aus Holz und Licht an einem Ort im Hermann-Keiner-Haus, der die Kommunikation über die Inhalte möglich macht.

Ebenfalls Teil dieser Skulptur werden fotografische Elemente sein, die die Fotografin Frauke Schumann erstellen wird“, beschreiben Manuela Wenz und Birgit Mattern ihr Konzept. Wann das genau sein wird, darüber informiert das Hermann-Keiner-Haus noch.

Von Wolfgang Maas

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