Eintauchen ins Mittelalter
20.04.2009 | 16:11 Uhr 2009-04-20T16:11:00+0200Über fünfzig Menschen des 21. Jahrhunderts begaben sich am vergangenen Wochenende auf eine Zeitreise ins Jahr 928. Der Ort dieses historischen Spiels: der Schultenhof in Renninghausen. Das Motto: Gemeinsam schaffen schafft Gemeinsamkeit.
Renninghausen.Das Interesse für die Welt des Mittelalters verband Kinder, aber auch Jugendliche und ältere Besucher - egal ob mit oder ohne Behinderung. „Das Miteinander steht im Vordergrund, es gibt keine Berührungsängste, keiner wird ausgegrenzt”, sagt Anja Read vom Familien-Projekt Dortmund.
Die städtische Einrichtung hatte zusammen mit den Werkstätten der AWO, dem Verein „Historisches Spiel Schwerte” und der FH Dortmund dazu eingeladen, in das Leben einer mittelalterlichen Dorfgemeinschaft einzutauchen, und zwar möglichst authentisch - wie es tatsächlich war.
So konnte man auf dem Schultenhof nicht nur kleine Ritter beobachten, die - gänzlich unfallfrei - stolz mit ihren selbstgemachten Holzschwertern hantierten. Viele Dorfbewohner(innen), im mittelalterlichen Gewand und mit fremd klingenden Namen, übten sich auch in damaligen Handwerkstechniken, schmiedeten Metall, gossen Bronzeschmuck, stellten Seife her oder webten auf dem Gewichtswebstuhl.
Um die Phantasie der kleinen Zeitreisenden anzuregen, wurde das Rollenspiel mit einer Aufgabe verbunden, die das Eintauchen ins Jahr 928 erleichtern sollte. Die Hintergrundgeschichte: König Heinrich I. war auf Durchreise, und für den waren nicht nur wertvolle Schmuckstücke herzustellen, sondern auch eine üppige Mahlzeit vorzubereiten. „Die Geschichte basiert auf einem tatsächlichen historischen Ereignis”, weiß Monika Nowak, die für das AWO-Kunst- und Kulturprojekt „Gemeinsam schaffen schafft Gemeinsamkeit” verantwortlich ist. Und die Idee mit dem Plot sorgte dann auch für rege Betriebsamkeit auf dem Schultenhof. Schließlich mussten Sauerkraut, Speck und Zwiebeln, zubereitet am offenen Feuer, rechtzeitig zur Ankunft des Königs fertig werden.
Dass das Spektakel am Schultenhof hervorragend angenommen wurde, ist für die Theaterpädagogin Dorle Ferdinand keine Überraschung. Sie ist freiberuflich für den Verein „Historisches Spiel Schwerte” tätig und arbeitet hierbei mit Museen, Schulen und Jugendämtern der Region zusammen. Bei den Veranstaltungen hat Dorle Ferdinand ein „vermehrtes Interesse” für das Mittelalter ausgemacht. „Es gibt aber auch viel Unwissen und Klischees.” Deshalb sei es wichtig, ein differenziertes, historisch korrektes Bild zu vermitteln. So wie am Wochenende in Renninghausen.
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