Ein richtiger Saftladen
29.10.2012 | 16:49 Uhr 2012-10-29T16:49:00+0100
Schnee. Die Behindertenwerkstätten Gottessegen verarbeiten jedes Jahr 60 Tonnen Äpfel zu Saft. Die Anlieferung ergibt rund 60 000 Flaschen leckeren Most.
Äpfel. Überall Äpfel. Containerweise stapeln sich die beliebten Früchte des Herbstes draußen auf dem riesigen Gelände der Behindertenwerkstätten Gottessegen des Christopherus-Hauses. Ganz idyllisch und naturnah am Stadtrand gelegen. Im Innern, in der Mosterei, herrscht Hochbetrieb.
Die Äpfel, angeliefert von Besitzern einiger Streuobstwiesen aus der näheren und weiteren Umgebung, werden zu frischem Apfelsaft gepresst und abgefüllt. Ohne irgendwelche Zusatzstoffe. Aus der Saftpresse sofort in die Flasche ist der Weg. „Wollen Sie mal ein Glas probieren?“, erkundigt sich eine junge Mitarbeiterin. Gerne nehmen wir das Angebot an. Er ist frisch, lecker, süffig und schmeckt wirklich nach Apfel. Nur eben als ein ganz und gar naturrein gewonnener Saft. „Insgesamt 28 Menschen mit Unterstützungsbedarf arbeiten hier“, informiert Roswitha Bette, zusammen mit Frank Schreiber und einem Jugendlichen, der sein Freiwilliges Soziales Jahr ableistet, Gruppenleiter der Einrichtung des Christopherus-Haus.
Ein Druck von 20 Tonnen
Äpfel von Streuobstwiesen werden im Christopherus-Haus noch montags von 8 bis 15 Uhr angenommen.
Die gemeinnützige Einrichtung Christopherus-Haus wurde 1964 von Ärzten und Heilpädagogen gegründet. Im Bereich der Städte Dortmund, Bochum und Witten werden rund 800 Menschen jeder Altersstufe mit geistigen und körperlichen Behinderungen gefördert und betreut.
Die vom Menschenbild der Anthroposophie Rudolf Steiners geprägte Pädagogik, Heilpädagogik und Sozialtherapie bilden Grundlage der vielfältigen Aktivitäten.
Ausstaffiert mit dicken Gummistiefeln und weißen Lederschürzen sind die Mitarbeiter, zwischen 19 und 55 Jahre alt, in der ringsum gläsernen Mosterei beschäftigt. Ein Betrieb der kurzen Wege. In einer Ecke wird mit heißem Wasser und viel Druck das Leergut gespült. Ein paar Schritte weiter steht die Abfüllanlage. Behutsam werden die frisch gefüllten Flaschen in Kästen gestellt, noch einmal mit warmem Wasser übersprüht und ab geht’s zum Etikettieren.
Eher am Schluss der Mosterei steht die große Apfelpresse. „In einem Arbeitsgang können 300 Kilogramm gepresst werden“, weiß Gruppenleiter Frank Schreiber. Nachdem die Früchte von Hand nach und nach auf einzelne, durchlässige, mehrstöckige Holzplatten gelegt wurden, wird die Presse in Bewegung gesetzt. „Beim Druck von 20 Tonnen ist der Saft schnell ausgepresst“, lacht Schreiber. Der wenige Abfall wird kompostiert. So geht es auf dem Schnee im Herbst Tag für Tag. Um 7.45 Uhr ist Arbeitsbeginn, danach eine Morgenbesprechung. Feierabend ist für die 28 Menschen mit Unterstützungsbedarf um 15.30 Uhr.
Die Herbstproduktion kann sich sehen lassen. „Aus 60 Tonnen angelieferten Äpfeln werden 45 000 Liter Saft gewonnen, die in 60 000 Flaschen zu je 0,75 Liter abgefüllt werden“, rechnete Roswitha Bette vor. Abnehmer sind meist Bioläden und Getränkehändler. „Doch es gibt hier auch einen Hofverkauf an private Kunden“, sagt Roswitha Bette. Lohnpressung ist ebenso im Angebot: „Ab 300 Kilo Äpfel kann sich der Gartenbesitzer seinen eigenen Saft pressen lassen“, sagt Frank Schreiber.
Im Frühjahr leckerer Erdbeersaft
Welche Sorte sich am besten für die Saftverarbeitung geeignet ist, können Roswitha Bette und ihr Kollege Schreiber nicht sagen: „Wir treffen keine Auswahl. So, wie sie angeliefert werden, kommen sie unter die Presse. Eine Sortentrennung kann es bei diesen Mengen nicht geben.“
Weit vor der Apfelernte, im Juni/Juli, geht es in der Mosterei schon los. Dann wird Rhabarber alleine oder Erdbeere und Rhabarber zusammen zu einem leckeren Saft verarbeitet.
0mitdiskutieren