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Ray Chen in Hombruch

Die sechs-Millionen-Dollar-Geige in Klasse 4

19.02.2013 | 15:53 Uhr
Ray Chen zwischen den JeKi-Schülern der 4. Klasse der Gebrüder-Grimm-Grundschule.
Ray Chen zwischen den JeKi-Schülern der 4. Klasse der Gebrüder-Grimm-Grundschule.Foto: Hackstein

Hombruch.  Ein Lottogewinn im Geigenkasten: Mit einer echten Stradivari hat Nachwuchs-Geigenstar Ray Chen am Dienstag die vierte Klasse der Gebrüder-Grimm-Grundschule in Hombruch besucht. Mit seiner Geige (Wert: 6 Millionen Dollar) spielte er mit den staunenden Viertklässlern.

Als Ray Chen sein Instrument auspackt werden die Kinderaugen groß: Gebaut im Jahre 1702 vom wohl renommiertesten aller Geigenbauer, geschätzter Wert sechs Millionen Dollar. Ein Raunen geht durch die Reihen - eine echte Stradivari hat man auch in Hombruch nicht jeden Tag im Klassenzimmer.

Besuch vorm Konzert

Ray Chen schmunzelt verlegen. Der 23-Jährige Geiger wurde in Taiwan geboren und wuchs in Australien auf. Im Alter von gerade vier Jahren begann er, Geige zu spielen, mit 15 verließ er seine Familie und zog in die USA, um sein Studium zu intensivieren.

Chen besuchte die "Jedem Kind ein Instrument"-Klasse der Gebrüder-Grimm-Grundschuleim Vorfeld eines Konzerts mit Pianist Julien Quentin im Konzerthaus. Geduldig beantworteten die Musiker die zahlreichen Fragen der Kids und gaben kurze Kostproben aus ihrem aktuellen Programm.

Vier Wochen geübt
Schon vor der Ankunft von Chen und Quenti brummt der Musikraum vor Aufregung. Vier Wochen lang haben die knapp 20 Kinder ein eigenes Stück einstudiert, dass sie zur Begrüßung vorspielen wollen, "Idas Sommerlied" aus dem Kinderserien-Klassiker "Michel aus Lönneberga" von Astrid Lindgren.

An Gitarre, Celli und Geigen spielen sie nervös die ersten Takte, bis Ray Chen und Julian Quenti an Geige und Klavier einsteigen und wie selbstverständlich mitspielen.
"Musik muss man fühlen"
Danach steht Musiktheorie auf dem Plan. Chen hat sichtlich Spaß dabei, sein gebrochenes Deutsch auszuprobieren und ist ganz überrascht, als die Kinder ihm erklären, dass sie auch schon ein wenig Englisch sprechen können.

Konzerthaus-Mitarbeiterin Katharina Kierig bietet sich vorsichtshalber trotzdem als Übersetzerin an. Das "Preludium" von Johann-Sebastian Bach spielen Ray Chen und Julien Quentin den Schülern an Geige und Klavier vor. Danach wollen sie wissen, was für Geschichten die Kinder aus der Musik heraushören können.

Die Kinder sind sofort dabei: Frühling, Vogelgezwitscher - erst ein Vogel, dann zwei. Eine Schlange schlängelt sich durch den Wald, dann kommt ein Hase dazu. "All das ist richtig", sagt Ray Chen hocherfreut. "Man muss Musik fühlen und das tut jeder auf seine eigene Art. Wenn man Musik spielt, muss man dieses Gefühl in sein Spiel hineinlegen, als würde man eine Geschichte erzählen." Die Kinder nicken.
Fantasien auf der Bühne
"Ich hätte nicht gedacht, dass der so nett ist", sagen die neunjährige Diana und der zehnjährige Michael. Für sie steht am Abend noch das Konzert ihrer neuen Vorbilder im Konzerthaus an. Musiklehrer Dirk Machatzke ist sich sicher: "Da werden die Fantasien der Kinder auf die Bühne fliegen".

Infos zur Stradivari
Antonio Giacomo Stradivari (geboren um 1644) war ein italienischer Geigenbaumeister. Er wird von vielen als der beste Geigenbauer der Geschichte angesehen. Seine Geigen sind die wertvollsten Saiteninstrumente, die es derzeit auf dem Markt gibt.

Es wurden im Laufe der Zeit viele Theorien aufgestellt, die den Klang von Stradivaris Instrumenten erklären sollten. Etwa sollen die besonderen klimatischen Verhältnisse im 16. Jahrhundert für Holz verantwortlich gewesen sein, das es heute nicht mehr gibt.

Von Hauke Hackstein

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