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Die Puppen sind die Stars

24.12.2012 | 11:00 Uhr
Die Puppen sind die Stars
Die Hörder Puppenkiste erzählt die Weihnachtsgeschichte im ev. Gemeindehaus Wellinghofer Straße. Manfred Ostermann ist guter Geist der Gruppe. Foto: Klaus Pollkläsener

Hörde. Es ist dunkel. Jannis rutscht auf den Steinen, Marvin rennt noch mal durch die Reihen. So sieht Vorfreude bei Fünfjährigen aus. Gleich aber wird es still im Saal der Evangelischen Kirchengemeinde Hörde. So war es schon immer: Wenn ein Vorhang sich öffnet, wirkt die alte Magie des Theaterspiels. Egal, ob Profis oder Laien auf der Bühne stehen.

In Hörde sind es einmal im Monat Laien. Menschen wie Du und ich. Die Floristin, die Kindergärtnerin, der Konditormeister im Ruhestand und der Softwareentwickler. Dass sie ein junges Publikum mit biblischen Texten bannen können, hat natürlich vor allem mit ihren höchst knollnasigen Bühnenkollegen zu tun. Sie sind die Stars. Auf sie richten sich alle Augen im Saal: Auf die Könige, Engel und Hirten aus der „Hörder Puppenkiste“.

Pfarrer Martin Pense entstammt der Generation, die mit Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, groß geworden ist. Oder mit Urmel aus dem Eis. TV-Helden einer Kindheit, in der die Augsburger Puppenkiste ihren festen Platz hatte. Auch im Zeitalter von computeranimierten Filmen, so hat Pense festgestellt, funktioniert das Puppenspiel noch wie früher. Seine Gemeinde nutzt es, um die Bibel auch für die Kleinsten lebendig werden zu lassen.

Puppen aus Papier und Drahtbügeln

Es weihnachtet schon sehr in der Kiste. Manfred Ostermann (75), guter Geist für Kulissenbau und Puppenpflege, hat die Hauptdarsteller des Nachmittags noch einmal zurechtgezupft. „Die Köpfe sind aus zerknülltem Papier, die Rücken aus Drahtbügeln“, erklärt der frühere Konditormeister. In Hörde kennt man noch sein „Café Ostermann“. Als er in Ruhestand ging, da kam dieses Gefühl auf: „Man sollte etwas Sinnvolles tun“. Im Gemeindebrief las Ostermann von der Puppenkiste. Zwei Lebenslinien kamen in diesem Moment zusammen. In seiner Freizeit hatte der Rentner früher schon mal Kasperletheater bei der Freiwilligen Feuerwehr gespielt. „Und gestalten konnte ich als Konditormeister sowieso.“ Ostermann sprach beim Pfarrer vor. Jetzt ist er Puppenspieler und Requisiteur in einem.

Das kleine Bühnenspiel steuert auf einen ersten Höhepunkt zu. Maria hat Besuch zum Tee gehabt. Der ist gerade gegangen, aber jetzt schwebt der Erzengel Gabriel in ihr Zimmer. Was er verkündet, kann Maria erst gar nicht glauben. Aber auch die Hirten auf dem Felde werden es bald erfahren. Ein Strahler wird aufgeblendet, um die frohe Botschaft auch optisch leuchten zu lassen. Das ist aber auch schon alles, was sich die Hörder Puppenkiste an Bühnentechnik gönnt. Ein Hirte sagt, „das ist ja Wahnsinn“. Junge Leute führen die Hirten-Puppen. Schüler. Die dürfen auch schon mal so unbiblisch sprechen.

Helge Nigl führt die Josefs-Puppe und leiht ihr seine Stimme. Nigl ist einer dieser Menschen, bei deren Berufsbezeichnung man unweigerlich an Dauerstress und keine Zeit für die Familie denkt. Der Wellinghofer ist „Vorstand einer kleinen AG“. Doch egal, was draußen in der Welt los ist, für die Puppenkiste findet Nigl immer Zeit. Für jeden Auftritt gibt es Vortreffen, auf denen die geschichte entwickelt, der Dialog skiziiert und das Bühnenspiel geprobt wird. Nigl liebt diese Momente der Gemeinschaft: „Für mich ist es wichtig, dass ich ein Stückchen Wärme mitgeben kann“, sagt er. Die Puppenkisten-Nachmittage geben außerdem Einblick in eine Welt, von der sich viele längst abgekoppelt haben. Im Publikum sitzen nicht wenig Kinder, die sich keine teure Freizeitgestalltung leisten können. Und Eltern, für die die anschließende, kostenlose Mahlzeit, die das Küchenteam mit Anita Emte, Bärbel Städler und Soon Sim-Kappler für bis zu 80 Gäste bereiten, bitter nötig ist.

Die Stille tut allen gut

Das Licht wird abgeblendet. Der Engel entschwebt. Noch spürt man seine Wirkung im Raum. Jannis rutscht nicht mehr auf den Steinen. Marvin rast nicht mehr durch die Reihen. Die Stille tut allen gut. Die nächste Geschichte wird sogar noch freudiger sein, sagt der Pfarrer. Heiligabend haben die Puppen Pause. Im Familiengottesdienst um 14.30 Uhr in der Lutherkirche übernehmen Kindergartenkinder die tragenden Rollen. Wird das ein Gejuchze und Jubilieren!

Jürgen Potthoff



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