Der Rettungsanker hängt am Geld
12.11.2009 | 18:59 Uhr 2009-11-12T18:59:00+0100
Hombruch. Beim Kampf um den Erhalt des Hombrucher Hallenbades ist Land in Sicht: Glaubt man Sportwelt-Chefin Claudia Heckmann und OB Ullrich Sierau, ist der Rettungsanker für das Bad so gut wie sicher. Die Weiterführung des Bades unter neuer Flagge ist nur noch eine Frage des Geldes.
Das Hallenbad kostet die Stadt viel Geld, und jene, die es weiterführen wollen Nerven. Die Fakten: Rund 500 000 Euro sollen jährlich über alle städtischen Hallenbäder eingespart werden. All jene Bäder, die in den Genuss von Geld aus dem Konjunkturpaket II gekommen sind, sollen weitgehend angetastet werden. Die Stadt subventioniert das Bad pro Jahr mit 660 000 Euro. Nur rund 150 000 Euro stehen auf der Einnahmeseite. Die Hälfte fließt über die Schulen, die andere über die Besucher in die Kasse. Unterm Strich kostet das Bad damit rund 500 000 Euro und liegt im Bundesschnitt, weiß Stefan Raetsch, Vorsitzender der DLRG Hombruch. Doch er weiß noch mehr. Nämlich, dass die DLRG, der TuS Westfalia Hombruch und viele weitere Vereine dafür kämpfen werden, dass das Bad bleibt. Dafür übergaben sie gestern OB Sierau 4000 Unterschriften, die ihr Vorhaben unterstützen. „Wir können das Bad nicht allein stemmen”, sagt Raetsch. Die DLRG habe zwar die „Manpower”, aber kaum das Geld und die Erfahrung eines Bad-Betreibers. Die findet sich bei der Sportwelt gGmbH, die schon fünf Freibäder betreibt. Sportwelt könnte nicht nur als Betreiber ins Boot kommen, Sportwelt will das auch. „Wir haben die Verwaltung, die Buchhaltung, das Fachwissen und Personal, auch für technische Fragen. Wir könnten das leisten.” Das Teamwork mit der DLRG und Vereinen funktioniere bei den Freibädern erfolgreich - warum nicht auch beim Hallenbad? Man müsse nicht mal eine Gesellschaft gründen, „so sparen wir Kosten”, sagt eine optimistische Claudia Heckmann. Doch nun sei die Stadt gefragt. „Wir müssen verhandeln.”
So verhandlungsbereit wie gut aufgelegt, zeigte sich gestern OB Ullrich Sierau bei der Unterschriften-Übergabe. Als ehemaligem Leistungsschwimmer liege ihm Schwimmen am Herzen. Er habe das Ziel, die Schwimmbäder in der ganzen Stadt zu erhalten. Aber auch die Pflicht, bei Bädern, wie in Hombruch genau hinzugucken. Kurz: „Es gibt eine Perspektive - die müssen wir jetzt nach allen Regeln der Kunst erarbeiten.” Anders gesagt: Jetzt geht's ans Eingemachte. Es wird gerechnet. Wenn mögliche Ersparnisse für die Stadt und ausreichende Zuschüsse für den Betreiber drin sind, steht einem vorzeitigen Weihnachtsgeschenk nicht mehr viel im Wege.
Ironie des Schicksals: Nur Minuten nach der Unterschriften-Übergabe musste das Hallenbad - zumindest vorübergehend - geschlossen werden: Sechs Alu-Panele über dem Kinderbecken haben sich gelöst, hängen von der Decke herab. Das Wasser muss abgelassen, ein Gerüst aufgebaut werden, um die Decke zu begutachten. Ob die Paneele einfach nur verschraubt werden müssen oder höhere Kosten entstehen, ist noch unklar. Die BV Hombruch um Hans Semmler ist alarmiert.
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