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Bildhauerin in Berghofen

Bildhauerin auf dem elterlichen Hof: Holz ist Gesa Wilmsmanns Material

24.09.2012 | 16:31 Uhr
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Bildhauerin auf dem elterlichen Hof: Holz ist Gesa Wilmsmanns Material
Gesa Wilmsmann gibt ihr Fachwissen in Schnitzkursen weiter; hier eine unvollendete Arbeit eines Teilnehmers.Foto: Michael Printz

Berghofen.   Gesa Wilmsmann hat einen außergewöhnlichen Beruf: Sie ist gelernte Holzbildhauerin und gibt ihr Wissen in Schnitzkursen weiter.

Der Grat zwischen Kunsthandwerk und Herrgottsschnitzerei ist schmal. Manchmal genügt ein falscher Schlag, ein Span zu viel, der abgehoben wird. Wenn Gesa Wilmsmann zu Knüpfel und Beitel greift, kämpft sie nicht nur mit dem Material, sondern auch mit einer Herausforderung: „Nichts Kitschiges zu machen“, sagt sie. Die 30-jährige Berghoferin hat einen ungewöhnlichen Beruf: Sie ist Holzbildhauerin und gibt ihr Können in Schnitzkursen weiter.

Nicht weit entfernt vom Berghofer Zentrum, an der Kneebuschstraße 9, befindet sich ihr Atelier. Natürlich stilecht, wie man es sich in einem Heimatfilm nicht schöner vorstellen könnte: Auf dem Kornboden des ehemaligen Backhauses des Wilbergshofes. Balken und Wände atmen noch das erdige Aroma des alten Bauernhofes, unter dem Fenster bullert ein kleiner Kanonenofen. Unter der Schnitzstube öffnet sich ein großer Wintergarten dem Licht. Agaven gedeihen hier, Bougainvillea, Essigbaum, Rosen und Zitronenbaum – Mittelmeer trifft Landwirtschaft.

Faltenwürfe regen den Geist an

Oben unter dem Dach der Schnitzstube lagert Holz, ebenso an den Wänden, Äste, Bretter, Stämme. Selbst beim Waldspaziergang hat Gesa Wilmsmann den Blick fürs Holz, aber „auch für den lebenden Baum“. Holz ist ihr Material, ist auch ihre Herausforderung. „Es ist aber schwer, die Holzbildhauerei in die Moderne zu transportieren“, sagt Gesa Wilmsmann. Holzbildhauerei umgibt ein Hauch des Klassischen, das Material birgt aber auch eine gewisse Enge – siehe Kitsch-Gefahr. Welche Form wählt man und wo stellt man Holzskulpturen hin? Für Wilmsmann muss ein künstlerisches Holzobjekt einen Bezug zu dem Raum haben, in dem es steht. Aber warum nicht auch einmal ein Treppengeländer schnitzen oder Figuren aus dem Chorgestühl des Kölner Domes?

INFO
In den Ferien beginnt ein Kompaktkurs Schnitzen

Mit der Rückkehr auf den elterlichen Hof schließt sich für Gesa Wilmsmann ein Kreis.

Als kunstgeneigte Gymnasiastin traf sie auf einer Ausstellung einen Steinmetz, mit dem sie auf mittelalterlichen Märkten auftrat und keltische Schlingentiere schuf.

2002 wechselte sie auf die Staatliche Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau und nach drei Jahren zaghaft in Selbstständigkeit in Murnau.

Ein Illustrationsstudium an der Ruhrakademie Schwerte und ein Volontariat am Restaurierungszentrum der Stadt Düsseldorf – dort hat sie an der Restaurierung einer kostbare n Madonna mitgearbeitet – schlossen sich an.

Seit 2010 lebt sie wieder in Berghofen.

Die nächsten Schnitz- und Modellierkurse:
Ferien-Kompaktkurs (250 €) vom 15. bis 20. Oktober, tägl. 10-17 Uhr. Abendkurse: je zehn Abendtermine von 17.30 bis 20.20 Uhr (180 €) beginnen am 22., 23. und 24. Oktober.
www.gesa-wilmsmann.de

Thematisch haben es der 30-Jährigen Faltenwürfe angetan, weil sie den menschlichen Geist zur Vorstellung anregen. Ein nasser Baby-Strampelanzug, den sie in Flensburg sah, hat sie elektrisiert. „Dass man so etwas in Holz festhalten kann, finde ich faszinierend.“ Aktuell entringt sie einer 150 Jahre alten Platane von einem früheren Rittergut in Sölde Konturen. Ein gefaltetes, zerknittertes Papier dient als Vorbild. Das rotblonde Holz ist schwer und noch feucht, wie alle Stücke, an denen sie arbeitet. Handlichere Stücke schlägt Wilmsmann in feuchte Lappen und Frischhaltefolie. „Nass lässt es sich deutlich besser verarbeiten“, erklärt sie.

Etwas extrem Bodenständiges

Ihr handwerkliches Wissen gibt Gesa Wilmsmann in Schnitzkursen weiter. Sie setzt bei ihren Schülern keine Fertigkeiten voraus, „nur einen Gedanken, was sie machen wollen. Denn es ist schwer, aus einem Holzblock etwas herauszubringen, wenn man keine Vorstellung hat.“ Mit Modellierdraht und Plastilin erstellen die Kursteilnehmer Modelle, nach denen sie Holzskulpturen formen. Unvollendete Eulen stehen auf dem Kornboden, viel Figurliches, geöffnete Hände aus Holz, ein üppiger Frauenakt – Holz, das auf die letzten Stiche der Schnitzeisen wartet. Die Teilnehmer ihrer Kurse sind jenseits der 50, arbeiten viel mit dem Kopf und haben Freude am Holz. „Bei mir wollen sie genau das Gegenteil tun, etwas extrem Bodenständiges, dass sie erdet.“

Schauschnitzen auf Märkten

Kann Gesa Wilmsmann von der Holzbildhauerei auch leben, vom Schauschnitzen auf Märkten, von den Kursen und dem Verkauf ihrer Objekte? Es ist schwer, räumt sie ein. „Man bekommt kaum den Preis, den man für ein Objekt haben müsste.“

Aber, um noch einmal auf die Kitschgrenze zu sprechen zu kommen: „Ich will nicht etwas schaffen, dass man in fünf Jahren auf dem Trödelmarkt findet.“

Michael Schmitz

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