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Bergbauspuren im Schwerter Wald

18.10.2012 | 17:49 Uhr
Bergbauspuren im Schwerter Wald
Am Kohleteckel vor dem „Freischütz“ erläuterte Joachim Huske den Lesern unserer Zeitung die Bergbaugeschichte der Umgebung.Foto: Horst-Dieter Czembor

Im Süden.  Wie spannend die Bergbauvergangenheit der Region bis heute ist, erfuhren Leser unserer Zeitung bei ihrem Tripp vom Freischütz aus auf der GeoRoute Ruhr.

„Glück auf“, begrüßt Joachim Hunke die Teilnehmer der bergbaukundlichen Wanderung an dem „Kohlenteckel“ vor dem „Freischütz“. Rund 20 Leser unserer Zeitung konnte der ehemalige Diplom-Bergingenieur zu der Exkursion begrüßen, die direkt in die Bergbauvergangenheit im Schwerter Wald bis auf das Dortmunder Stadtgebiet führte.

An der ersten Station, am „Blauen See“, der seinen Ursprung nicht im Bergbau hat, skizzierte Joachim Huske den Rundgang. Der „Blaue See“ ist der Überrest eines stillgelegten Steinbruchs, der indirekt doch etwas mit Bergbau zu tun haben kann: „Hier gebrochenes Gestein wurde vermutlich zur Verfüllung von offenen Grubenbauen verwendet“, erfuhren die Teilnehmer.

„Schottland“ und „Josephiene“

Zwei Bergbaubetriebe waren hier im 19. Jahrhundert in Betrieb: „Schottland“, eine Grube, der 1851 die Kohle- und Eisensteingerechtsame verliehen wurde, östlich der Bundesstraße 236 gelegen, und „Josephiene“, eine Eisensteinzeche mit Steinkohleabbau im Besitz des Hörder Bergwerks- & Hüttenvereins.

„Wasser ist der große Feind der Bergleute“, erfuhren die Teilnehmer der Exkursion. Sie bekamen aber auch die Lösung dieses Problems präsentiert: Erbstollen wurden unter den Kohleerzstollen angelegt, die das absickernde Wasser mit geringem Gefälle ableiteten. Und die als Wertanlage auch lange nach der Einstellung des eigentlichen Bergbaus vererbt werden konnten.

„Josephiene“ dagegen hat heute noch sichtbare Spuren im Schwerter Wald hinterlassen. Allen voran der gleichnamige „Lochstein“ mit der Jahreszahl 1858, der am Zechenweg 170 Meter vor dem Wanderparkplatz an der Bergstraße steht. „Er hat aber gar kein Loch“, staunte ein Teilnehmer und musste erfahren, dass mit „Loch“ der „Förderschacht Paul“ bezeichnet wurde, der seit 1858 wenige Meter vom Stein 36,5 Meter tief direkt zu dem Eisensteinflöz „Wasserbank 1“ führte. Ab 1859 besaß „Paul“ eine eigene Dampfmaschine, die aus dem Schacht 4 Schöffel (200 Kilogramm) fassende Gefäße Eisenstein zu Tage förderte.

„Wer erwartet hat, hier im Wald Fundamente von Fördertürmen zu sehen, wird enttäuscht sein: Hier wurden Kohle und Erze ,von Hand’ mit Winden und Göpeln nach oben befördert“, erläuterte Joachim Huske. Die Eisensteinförderung im Schwerter Wald wurde 1869 eingestellt, da Erze aus dem Siegerland dem Betreiber, dem Hörder Bergbau- und Hüttenverein, wegen des höheren Eisenanteils mehr Gewinn brachten.

Ziel der Exkursion war das „Mundloch“, die Stelle wo sich Unter- und Über-Tage vereinigen, des „Erbstollens Josephiene“, fast direkt an der Stadtgrenze zu Dortmund. Etwas abseits des Weges, die Teilnehmer mussten Baumwurzeln und feuchte Erde bezwingen, sickert das Wasser aus einer kleinen Öffnung. „Das ist aber keine Quelle, sondern Sickerwasser aus den darüber liegenden Stollen, das seit Jahrhunderten hier herausquillt und weiter zu Tal sogar kleine Teiche füllt“, erklärte Joachim Huske, ehe er sich mit einem letzten „Glück auf“ von den Mitwanderern verabschiedete. Über einen schmalen, von Brennnesseln gesäumten Weg, ging es wieder zurück zum Treffpunkt.

Von Horst-Dieter Czembor


Kommentare
19.10.2012
10:12
Bergbauspuren im Schwerter Wald
von Guntram | #1

Es ist doch schön, wenn so eine Veranstaltung von vielen jungen Familien besucht wird. Zumal man auch Rücksicht nimmt auf die immer kleiner werdende Gruppe von Menschen, die einer geregelten Tätigkeit nachgeht.
Oder sehe ich auf dem Foto etwa mal wieder, wie so oft bei solchen Veranstaltungen nur Renter und Pensionäre? Liegt es am mangelden Interesse der jungen Arbeitnehmer? Wohl kaum, aber irgendjemand muss ja diese Parties bezahlen. Da bin ich doch gerne Leser dieser Zeitung.

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