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Ehemalige Landtagsabgeordnete Annegret Krauskopf

Beim Streiten Demokratie gelernt

12.11.2012 | 22:00 Uhr
Beim Streiten Demokratie gelernt
Annegret Krauskopf, ehemalige Landtagsabgeordnete (NRW) mit Ehemann Harald.Foto: Klaus Pollkläsener

Huckarde.   Sie war sieben Jahre alt, als ihre Mutter starb. Sieben Jahre später, als der Vater wieder heiratetet, ging sie freiwillig in ein katholisches Mädchenheim. Annegret Krauskopf, geborene Becker aus Huckarde, war trotz christlicher Erziehung nie eine Kirchgängerin und hat schon immer ihren eigenen (Kraus)Kopf gehabt.

Sie war sieben Jahre alt, als ihre Mutter starb. Sieben Jahre später, als der Vater wieder heiratetet, ging sie freiwillig in ein katholisches Mädchenheim. Annegret Krauskopf, geborene Becker aus Huckarde, war trotz christlicher Erziehung nie eine Kirchgängerin und hat schon immer ihren eigenen (Kraus)Kopf gehabt. Als zweifache Mutter, Ehefrau, Kinderpflegerin, Leiterin eines Kindergartens, als Ratsmitglied und später als Abgeordnete für die SPD im Düsseldorfer Landtag.

Ihre politische Karriere ist seit dem 8. Juni 2010 Geschichte. Ihr Engagement für sozial benachteiligte Menschen, für Kinderinteressen, für Seniorinnen und Senioren wird aber erst ein Ende haben, „wenn ich mit den Füßen voran aus meinem Haus getragen werde“, sagt die 68-Jährige.

Keine Quotenfrau

Annegret Krauskopf hat nie ein Blatt vor den Mund genommen. Schon im Dortmunder Rat hat sie für ihre Ziele gekämpft, gewonnen und verloren, sich gefreut und gelitten. „Beim Streiten habe ich Demokratie gelernt“, sagt Krauskopf. Ihr Respekt vor der Andersartigkeit, ihre Herzlichkeit, ihre Fähigkeit zuzuhören und ihre zupackende Art hat auch den Männern imponiert. Die 68-Jährige, seit 1979 Mitglied in der SPD, kam 1989 über den damaligen Ortsverein Gartenstadt-Jungferntal-Rahm an ihr erstes Mandat im Rat. Dort gehörte sie dem Fraktionsvorstand an, wirkte im Ausschuss für Soziales, Familie und Wohnen, im Schulausschuss und im Ausschuss Städtische Kliniken. „Männer haben mich in die Politik geholt“, blickt die SPD-Frau zurück. Trotzdem sieht sie sich nicht als Quotenfrau, hat die Quotenregelung immer abgelehnt: „Frauen müssen lernen, sich zu behaupten. Sie müssen verlieren können, sich selbst immer treu bleiben und den Mut haben, sich zu stellen“, betont die ehemalige Abgeordnete. Sie selbst hat starke Frauen kennen- und schätzengelernt auf ihrem Weg ins Düsseldorfer Parlament, dem sie von 1995 bis 2010 angehörte. „Die Männer haben mich protegiert, die Frauen haben mir geholfen und wenn nötig, den Kopf gewaschen“.

Familie ist am wichtigsten

Stolz ist sie, dass sie was bewegen konnte, als Abgeordnete. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass Kinderrechte nun auch in der NRW-Verfassung verankert sind. Sie kämpfte für kleine Schulen, setzte sich für kurdische Flüchtlinge ein und für den Kinderbetreuungsausbau. Manchmal war Annegret Krauskopf 60 Stunden in der Woche im Einsatz. Nicht nur im Landtag war sie immer präsent – auch in Dortmund und besonders in „ihrem“ Stadtbezirk Huckarde nahm sie an zahlreichen Veranstaltungen teil. Trotzdem ist sie nur auf wenigen Fotos zu sehen. Im digitalen Archiv unserer Zeitung gibt es von 1999 bis heute nur 22 Bilder von und mit Annegret Krauskopf. Ihr Nachfolger im Landtag, Armin Jahl, wurde in den letzten sieben Jahren mehr als 60 Mal abgelichtet. „Es ging mir nie um die Karriere. Ich wollte was bewegen in der Politik. Deshalb habe ich mich immer im Hintergrund gehalten“, erklärt die SPD-Frau. Wie sehr sie damit den Nerv der Bürgerinnen und Bürger traf, zeigen beispielsweise die Landtagswahlen im Jahr 2005. Da holte sie in ihrem Wahlkreis 49,4 Prozent der Stimmen – das beste Ergebnis aller Landtagskandidaten in Dortmund.

Doch noch wichtiger als die Politik ist für Annegret Krauskopf die Familie. Sie stand früher jeden Morgen um 4.30 Uhr auf, um das Haus zu putzen, ihren Kindern und ihrem Mann Frühstück zu machen. Der Gatte war zwar auch im Ortsverein, hat jedoch seine Frau nur selten bei ihrer politischen Tätigkeit unterstützt. „Er wollte eigentlich gar nicht, dass ich arbeite.“ Und er ist der Grund, warum Annegret Krauskopf vor zwei Jahren nicht mehr kandidierte. Ihr Mann Harald (70), mit dem sie seit 47 Jahren verheiratet ist, ist nach zwei Schlaganfällen bettlägerig und muss ständig betreut werden.

Seine Frau ist dadurch zwar ans Haus gebunden, doch ihren Optimismus hat sie nicht verloren. Denn weiterhin kommen Menschen, um sich einen Rat bei ihr zu holen oder um Hilfe zu bitten. Und das nicht mehr nur zu den Sprechzeiten im Abgeordnetenbüro, sondern jeden Tag, rund um die Uhr.

Von Susanne Meyer



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