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Bei M+W zählt vor allem der Mensch

14.08.2012 | 06:00 Uhr
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Bei M+W zählt vor allem der Mensch
Große Werksteile werden bei M+W in Hombruch repariert. Fotos: Klaus Pollkläsener

Hombruch.   Die Firma Maschinen- und Werkzeugbau M+W gibt es seit m1951 in Hombruch. Mit dem Gründer Dr. Karl-Heinz Kirchhoff florierte es, bis er 2004 aus Altersgründen an einen internationalen Konzern verkaufte. Da ging es in Hombruch bergab, bis Volker Wihler vor einem Jahr das Schiff umsteuerte und wieder auf Erfolgskurs brachte.

Er sitzt am Original-Schreibtisch des Firmengründers und auch die Leitz-Ordner sehen so aus, als stammten sie noch aus der Gründerzeit der Firma in den 1950er Jahren. Der Schreibtisch, der ist handgemacht, und so ist auch die Kunst der Firma „M+W“. Beim Maschinen- und Werkzeugbau in Hombruch zählt vor allem der Mensch, weiß Volker Wihler. Seit einem Jahr steuert er den Traditionsbetrieb nach drohender Pleite wieder auf Erfolgskurs.

Meisterstück

Ein Meisterstück des Diplom-Ingenieurs, geschmiedet aus langjähriger Kenntnis der Firma und viel Zuversicht.13 Jahre hatte er selber in der Hombrucher Betriebsleitung gearbeitet, dann trennten sich die Wege: Wihler baute einen eigenen Betrieb auf, M+W wurde an den internationalen Konzern CMI mit Sitz in Belgien verkauft. Und während Wihlers P & L in Wetter Erfolgsgeschichte schrieb, baute M+W unter CMI-Hoheit immer mehr ab.

„Die kleine Hombrucher Einheit passte wohl einfach nicht in so ein großes Gefüge“, vermutet Wihler heute und weiß vor allem: „Wir können nicht einfach nur Arbeit straffen. Wir machen Einzelfertigung – egal wie gut eine Maschine ist, ohne die Menschen hier geht es nicht“. Und auf die Menschen in Hombruch konnte der gelernte Maschinenschlosser und diplomierte Ingenieur zählen. „Den überwiegenden Teil der Belegschaft kannte ich selber noch und wusste, was die können“, nennt er ein Hauptmotiv für das Wagnis Übernahme.

Motivationsschub

Und sie stielte Wihler eigenständig ein, weil er auf dem Markt von den Schwierigkeiten der CMI in Hombruch Wind bekam. So wandte er sich an die neuen Chefs im ehemals eigenen Laden und stieß auf mehr als offene Arme. Nur zu gerne stieß man die kleine hoch defizitäre Filiale ab.

Und Wihler? Der wusste nach seiner eigenen Erfahrung bei M+W, was er tat. „Ich habe durchgerechnet und kam auf eine schwarze Null. Da habe ich es gemacht. Das positive Ergebnis heute, das kommt durch den Motivationsschub der Mitarbeiter“, weiß der Chef, dass er ohne seine Truppe die Schlacht nicht schlagen kann.

„Als ich am 1. September 2011 vor die Belegschaft getreten bin, waren alle überrascht. 60 Prozent voller Zuversicht, 20 wollten sehen, was ich wohl kann und 20 Prozent waren skeptisch“, erinnert sich Wihler an seinen ersten Auftritt als Inhaber im alten Laden.

„Ich sehe uns als familiäre Unternehmung. Ich lebe von meinen Jungs. Die auch von mir. So gehen wir eine echte Symbiose ein“, beschreibt der neue Chef seine Philosophie.

80 Mitarbeiter hat er inzwischen wieder am Luisenglück in Lohn und Brot. Und es könnten gerne mehr sein. Händeringend werden Zerspanungsmechaniker, Fräs- und Drehtechniker und Schlosser gebraucht. Deshalb bildet Wihler auch aus – den eigenen Nachwuchs für den eigenen Bedarf.

Und der Bedarf wächst, weil auch die Zahlen bei M-W plus P+L wieder stimmen. Gerne möchte Wihler expandieren, verhandelt deshalb mit NRWUrban. Auf deren Grundstück steht eine Halle, die M+W einst in den 1980er Jahren von den alten Hoesch-Röhrenwerken kauften.

Das Grundstück möchte Wihler kaufen oder langfristig pachten. Schließlich hat er rund 300 000 Euro in die Halle gesteckt, um sie den modernen Anforderungen anzupassen. Und das tut außerdem in den anderen Bereichen Not: Die letzte Maschine, die gekauft wurde, stammt von 1999 --Wihler kennt sie noch aus seiner eigenen Zeit. Modernisierung tut Not – für die Arbeit und für die Menschen. Denn die will der Mann nicht einsparen, sondern noch mehr unter sein Dach holen.

Katrin Kroemer (Text)und Klaus Pollkläsener (Fotos)

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