Bedeutung der Jugendfreizeitstätten lange unterschätzt

Als Verdi die Kitas bestreikte, blieben auch die Jugendfreizeitstätten der Stadt zu. Doch während der Streik in den Tagesstätten der Fabido bei den Eltern für große Aufregung sorgte, ging die zeitgleiche Schließung der Jugendfreizeitstätten unter. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Gegenwart und Zukunft der Einrichtungen.

Aplerbeck.. Wie lange waren die Jugendfreizeitstätten vom Verdi-Streik betroffen?

Für vier Wochen waren die beiden Einrichtungen im Stadtbezirk Aplerbeck (Aplerbeck und Schüren) geschlossen, es gab keine Ansprechpartner für die Jugendlichen. Seit einer Woche nun sind die Einrichtungen wieder geöffnet. "Zum Glück", sagt Bezirksbürgermeisterin Barbara Blotenberg. Man habe immer den Eindruck gehabt, dass Jugendfreizeitstätten eigentlich nicht so wichtig seien. Dabei sei das Gegenteil der Fall.

Gab es während der Streikphase Alternativen für die Jugendlichen?

Nein, zumindest keine von der Stadt bereitgestellten. Bei dem vierwöchigen Streik sei darum deutlich spürbar gewesen, dass die Einrichtungen äußerst wichtig sind, erklärt Brigitte Blotenberg. Während bei den Fabido-Kitas versucht worden war, Ersatzplätze zu schaffen, habe es dies bei den Jugendfreizeitstätten nicht gegeben. "Die Jugendlichen standen vor verschlossenen Türen", sagt Blotenberg.

Und wie reagierten dann die Betroffenen auf die Schließungen?

Die Bezirksbürgermeisterin stand während des Streiks dauernd in Kontakt mit den Jugendlichen. Sie hätten sich dann draußen getroffen, auf dem Aplerbecker Marktplatz oder in der Emschergasse, sagt sie. "Wir haben jetzt die Belege, wie wichtig die Mitarbeiter der Jugendfreizeitstätte für die Jugendlichen als Bezugsperson sind." Nicht nur in Aplerbeck, auch in Schüren blieb der Treffpunkt geschlossen. Auch hier fiel die zeitweise Schließung - sicherlich auch aufgrund des professionellen Tonstudios - stark ins Gewicht. "Die Jugendlichen haben auch Anspruch auf einen Ort, an dem sie sich treffen können und betreut werden", sagt die Bezirksbürgermeisterin.

Gibt es Lösungsansätze für den nächsten Streik-Fall?

Der Sinn des Streiks ist für Brigitte Blotenberg unbestritten. Die Mitarbeiter hätten einen besseren Lohn verdient, das stünde außer Frage. Eine Lösung wolle sie nun vom Jugendamt einfordern. Ihrer Meinung nach müsse man sowieso überlegen, ob das Personal in Jugendfreizeitstätten nicht generell aufgestockt werden müsse. "Wir haben ein personelles Problem. Das Personal ist zu knapp, es gibt keine Springerkräfte mehr. Wir sparen uns kaputt."

Wäre ein selbst verwaltetes Jugendzentrum eine Lösung?

Das kommt eher nicht in Frage. "Da gibt es doch gar kein richtiges Konzept", sagt Blotenberg. Was bleibt, ist für die Jugendarbeit zu werben und aufzuzeigen, wie wichtig sie ist - auch im Falle eines erneuten Streiks.

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