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Handwerk

Auf Messers Schneide

29.10.2012 | 22:00 Uhr
Auf Messers Schneide
Der 33-jährige Augenoptiker Fabian Bätzel (links) nimmt bei Schmied Klaus Hülsmann an einem mehrtägigen Messerschmiedekurs teil.Foto: Michael Printz

Oestrich.   Wo der Hammer hängt, weiß Klaus Hülsmann ganz genau. Wer dem Messerschmied aus Oestrich bei seiner Arbeit über die Schulter schaut, lernt schnell: Kunst kommt von Können. „Seit drei Jahren biete ich Kurse im Messerschmieden an“, erklärt der 48-Jährige.

Wo der Hammer hängt, weiß Klaus Hülsmann ganz genau. Wer dem Messerschmied aus Oestrich bei seiner Arbeit über die Schulter schaut, lernt schnell: Kunst kommt von Können. „Seit drei Jahren biete ich Kurse im Messerschmieden an“, erklärt der 48-Jährige.

Gelernt hat er das Handwerk in einer Schmiede in Lindenhorst. Kräftig zuschlagen kann Hülsmann. So kräftig, dass die Funken des rotglühenden Eisens sprühen. Wer nicht genug Abstand hält, fängt sich Brandspuren an Haut und Kleidung ein. Bei 1050 Grad Celsius in der Gasesse, dem gasbefeuerten Ofen, schmilzt das Eisen wie Butter in der Sonne. „Viel heißer darf’s nicht werden“, sagt Hülsmann. Sonst sei alles vergebens gewesen. Für seine Kurse nutzt der Kunsthandwerker lieber die Gasesse, nicht das Kohlenfeuer: „Beim Kohlenfeuer muss man höllisch aufpassen.“

Meisterliche Exponate

Fabian Bätzel absolviert schon seinen zweiten Kurs bei Hülsmann. 450 Euro kostet die Teilnahme – kein Pappenstiel. Doch dafür garantiert der Schmied, dass jeder Teilnehmer am Ende ein schönes Messer in den Händen hält. Stolz präsentiert Bätzel sein Erstlingswerk, das er vor gut einem Jahr in Hülsmanns Werkstatt erschaffen hat. „Das benutze ich täglich beim Kochen“, freut sich der 33-Jährige, der im Kreuzviertel wohnt. Der Hobbykoch und Amateur-Schmied arbeitet als Augenoptiker. „Da ist eigentlich eher meine Feinmotorik gefragt.“ Doch Bätzels Körperbau lässt erahnen, dass er mit dem Vorschlaghammer einen Eisenrohling so bearbeiten kann, dass daraus später ein kunstvolles Schneidwerkzeug wird.

Rostfrei sind Hülsmanns Werke freilich nicht. „Nach dem Spülen einfach trocknen lassen, führt zu einer Rostschicht“, sagt Fabian Bätzel. Abtrocknen und mit ein wenig Öl bestreichen erhalte den Glanz des Schneidewerkzeugs. „Ich schärfe mein Messer täglich, damit es in der Küche gute Dienste leistet.“

Zur Weißglut hat bislang noch kein Kursteilnehmer den Meister gebracht, der eigentlich nur Geselle ist, aber meisterliche Exponate präsentieren kann: „Damit will ich erreichen, dass die alten Techniken nicht in Vergessenheit geraten“, betont Klaus Hülsmann.

Zehn Schritte bis zum Messer

Mehrere Lagen muss der Künstler addieren, damit später die typische Maserung des Damaststahls entsteht. „Das ist abhängig vom Kohlenstoff-Gehalt des Materials“, erklärt er. Das Material erhält Hülsmann teilweise von seinen Auftraggebern, aber auch von Schrotthändlern. „Gestern sind alte Feilen eingetroffen“, berichtet er und zeigt auf die am Boden liegenden alten Werkzeuge. Daraus wird der Kunsthandwerker später Messer schmieden – genauso wie aus Granaten-Überresten vom Zweiten Weltkrieg.

An die zehn Schritte sind notwendig, damit aus dem Eisen-Rohling ein gebrauchsfertiges Messer wird. Auf rund 30 Arbeitsstunden beziffert Kursteilnehmer Bätzel die Zeit, die er investieren muss, um bald sein zweites Messer in den Händen halten zu können. „Zwölf Zentimeter feststehende Länge für ein Messer sind in Deutschland legal“, weiß Klaus Hülsmann. Als „Waffenproduzent“ mag er sich nicht sehen: „Auch ein bloßer Kugelschreiber kann schnell zur Waffe mutieren“, gibt er zu bedenken.

Wer sich für einen Kurs im Messerschmieden oder ein fertiges Messer interessiert, kann sich bei Klaus Hülsmann unter k.huelse64@gmx.de anmelden.

Von Sebastian Schulte



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