Das aktuelle Wetter Dortmund 3°C
Holzen

Auf der Spur eines Gauners mit Herz

21.01.2013 | 16:16 Uhr
Auf der Spur eines Gauners mit Herz
Fackelrundgang durch Holzen auf den Spuren des Räuberhauptmanns Dolf Mohr.Foto: Klaus Pollkläsener

Holzen.   Mit Fackeln folgten interessierte Bürger den Spuren des Räuberhauptmanns Dolf Mohr.

Mit hell lodernden Fackeln ausgestattet, stapfte eine Gruppe von Menschen jetzt durch die Eiseskälte der Holzener Schneelandschaft. Dabei handelte es sich um eine Fackelwanderung, die sich an die Spuren eines berühmten Einwohners dieses Landstrichs heftete. Die Fackelwanderung folgte Lebensstationen des einstmals berühmt berüchtigten Räuberhauptmanns Dolf Mohr.

Organisiert wurde die Führung von der SPD Holzen, Schwerte und Aplerbeck. Führungen dieser Art finden öfters im Jahr statt, wobei im Sommer ein längerer Weg entlang der Ortsgrenzen abgegangen wird. Auch für Schulen werden ein bis zweimal im Jahr Führungen angeboten, um die Schüler über die Geschichte ihres Ortes aufzuklären und an bedeutende Ereignisse früherer Jahre heranzuführen.

Für „vogelfrei“ erklärt

Angeführt von Heinrich Brieke, Seniorenbeauftragter, und Heimatforscher Ferdinand Ziese mit einem obligatorischen Räubersack auf dem Rücken wurden die Teilnehmer bei der etwa einstündigen Wanderung mit spannenden Erzählungen über die Taten des berühmten Räubers unterhalten. Dieser Mann ist uns Heutigen besser bekannt unter dem Namen „der Robin Hood vom Höchsten“. Das 1984 erschienene Buch „Ein Räuberleben in der 48er Revolution“ von Katja Müller und Helmut Lierhaus bildet die historische Grundlage für alles, was von Mohr heute bekannt ist.

INFO
Schwarze Haare, schwarzer Bart

Am 4. November 1850 setzte die Staatswaltschaft eine Belohnung von 10 Talern auf Mohrs Ergreifung aus und veröffentlichte einen Steckbrief:

„Derselbe ist Fuhrmann, katholischer Confession, 35 Jahre alt, 5 Fuß 7 Zoll groß, hat schwarze Haare, einen schwarzen Bart, ein volles Gesicht“.

Die andauernden Hungersnöte und Missernten im Dortmunder Süden Mitte des 19. Jahrhunderts zwangen die armen Bauern, ihr ganzes Vieh für Lebensmittel zu verkaufen, um die Steuern bezahlen zu können. Viele Bewohner griffen zu illegalen Mitteln und überfielen Vorratshäuser und Bäckereien. Dolf Mohr versorgte die örtliche Bevölkerung in dieser Zeit mit Lebensmitteln und stand ihr mit Rat und Tat zur Seite.

Dabei plante er die Raubzüge von seiner Höhle auf dem Höchsten aus, wo er schließlich 1851 von einem Gendarmen erschossen wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Höhle noch von deutschen Soldaten als Unterschlupf genutzt. Obwohl er mehrfach für „vogelfrei“ erklärt worden war, verriet niemand den Räuber. Seine kreativen Beutezüge nötigten den Zeitgenossen viel Respekt ab. Beispielsweise schlachtete Dolf Mohr in einer Nacht eine weidende Kühe, zerlegte und versteckte ihre Überreste in Fässern, wodurch das Fleisch unentdeckt in die Häuser der Notleidenden gebracht werden konnte.

Trotz der eisigen Temperaturen genossen die Teilnehmer die historische Fackelwanderung: „Als ich in der Zeitung davon las, habe ich mich sehr über das Angebot gefreut und bei diesem schönen Wetter hat es sich auf jeden Fall gelohnt“, erzählt die an Heimatgeschichte interessierte Karin Meißner aus Aplerbeck.

Berit Leinwand



Kommentare
Aus dem Ressort
Pfarrei stellt Flüchtlingen Wohnung zur Verfügung
St. Ewaldi
Es wird viel diskutiert über Flüchtlinge. Wer soll das bezahlen, wo sollen sie hin? In der Pfarrei St. Ewaldi wird nicht viel geredet, da wir angepackt. So wird in der nächsten Woche eine Familie aus Eritrea eine Wohnung im Bereich der Pfarrei beziehen. Ein Hort der Zuflucht für eine junge Mutter...
Dortmunds ältester Wasser-Hochbehälter verschwindet
Speicher-Relikt
Er hat seine Schuldigkeit getan. Der alte Hochbehälter an der Buswendestelle an der Berghofer Straße. Von 1899 bis 2004 hat er dafür gesorgt, dass es in Berghofen und Umgebung keinen Mangel an Frischwasser gab. Jetzt verschwindet das Relikt.
Vorweihnachtlicher Einkauf in festlichem Ambiente
Candle-Ligth-Shopping
Festlich geschmückte Geschäfte, große Laternen auf dem Gehweg und Kerzen, wohin das Auge reicht. Im Ortskern von Aplerbeck steht am Donnerstag (4. 12.) das zweite Candle-Light-Shopping auf dem Programm.
Lerncoaching für überforderte Schüler
Helene-Lange-Gymnasium
Das Turbo-Abitur G 8 katapultiert die Schüler mit rasanten Tempo aus der Kindheit in die Verantwortung für ein erwachsenes Leben. Viele von ihnen leiden unter Versagensangst. Am Helene-Lange-Gymnasium helfen zwei Lehrerinnen, den Schülern die Angst vorm Scheitern zu nehmen.
So soll die Phoenix-Halle zur Popkultur-Hochburg werden
Pläne für Phoenix-West
Die Phoenix-Halle soll zur europaweit angesagten Konzert-Location werden: Am Dienstag wurden die konkreten Pläne vorgestellt, wie Konzert- und Clubleben für bis zu 3600 Menschen nach Hörde gebracht werden sollen. Hinter dem neuen Betreiber der Halle steht die Firma von vier Giganten der deutschen...
Fotos und Videos
Nachwuchs bei den Ameisenbären
Bildgalerie
Fotostrecke
Rundgang durch die Phoenix-Halle
Bildgalerie
Fotostrecke
Neues Wohnen im Denkmal
Bildgalerie
Fotostrecke
Gasleck in Barop
Bildgalerie
Fotostrecke