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Angst vor einem verstrahlten Leben

27.05.2010 | 18:48 Uhr
Angst vor einem verstrahlten Leben

Wellinghofen. Eigentlich wäre es ein so toller Wohnort - nette Nachbarn, gute Infrastruktur und die Kinder können auf der Straße spielen. Aber Sascha und Jutta Wegner ist die Freude am Eigenheim an der Feldbank 114 inzwischen gründlich vergällt.

Die Hochspannungsleitung direkt hinter ihrem Grundstück treibt sie um - seit die Kinder da sind.

Denn die Stromleitung von Hörde nach Kruckel erzeugt elektromagnetische Felder. Knapp 1,5 Mikrotesla zeigt das Gerät von Dr. Thomas Haumann, dem Baubiologen, bei der öffentlichen Messung im Wohngebiet neben der Zillestraße an. Weit unterhalb des zulässigen gesetzlichen Grenzwertes (100 Mikrotesla), deutlich oberhalb neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, weiß der Experte um die Spanne zwischen erlaubt und unbedenklich.

Die Wegners von der Feldbank haben mittlerweile einen Sinneswandel durchgemacht. Vor sieben Jahren, als sie hier her zogen, da „glaubten wir noch daran, dass schon alles in Ordnung ist”, sagt Mutter Jutta, doch seitdem Paula (2 Jahre) und Oskar (6 Monate) da sind, wollen sich die Eltern lieber nicht mehr auf den gesetzlichen Werten ausruhen. 0,4 Mikrotesla nennt die Weltgesundheitsorganisation als Wert, darüber könnten Kinderleukämie, Alzheimer und Krebsrisiko deutlich steigen.

Das weiß die Interessengemeinschaft „Vorsicht Hochspannung Do-Süd” und hat deshalb die öffentliche Messung an der Feldbank auf die Beine gestellt. Auch, um die Nachbarn wachzurütteln, bekennt Reinhard Wegener, einer der Sprecher.

Sascha Wegner hat sich dieser Gemeinschaft inzwischen angeschlossen, kämpft mit darum, dass die alten Masten einem neuen, gesundheitlich unbedenklich Erdkabel weichen. Wenn es dafür nicht alsbald ein Signal gibt, dann, ja dann wollen die Wegners der eigentlich liebgewordenen neuen Heimat wieder den Rücken kehren - Paula und Oskar zuliebe.

Dass sie auf dem Bau an der Feldbank, direkt im Schatten der Hochspannungsleitung, sitzen bleiben könnten - nein, das glauben sie nicht. Erst jüngst wurde ein Nachbarhaus verkauft - nur vierzehn Tage brauchte es, um einen neuen Besitzer zu finden, weiß Sascha Wegner. Und ist sich mit seiner Frau Jutta absolut einig: „Wir verzichten beim Verkauf auch auf Geld, um hier weg zu kommen”.

Doch das ist eigentlich nicht das Ziel der jungen Familie – ebenso wenig wie das der gesamten Interessengemeinschaft. Sie wollen vielmehr wachrütteln - vor allem RWE als Betreiber der strahlenden Leitung. Deren Lebensdauer nach Erstellung 1936 übrigens ohnehin bald ablaufe, argwöhnt Reinhard Wegener. Dann könne das Kabel doch auch in der Erde verschwinden – und die Menschen in ihrem Zuhause bleiben.

Katrin Kroemer

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Kommentare
31.05.2010
15:34
Angst vor einem verstrahlten Leben
von vera | #8

Also zuerst glaubten sie, alles ist in Ordnung, nun glauben sie, die Stromleitungen sind schädlich. Es ist durchaus legitim, seinen Glauben zu wechseln, aber warum sollen andere dafür Geld zahlen ?

30.05.2010
11:56
Angst vor einem verstrahlten Leben
von Blogtroll | #7

@6 Ihre fachlichen Argumente versteht erstens kaum einer und zweitens geht es hier um gefühlte Bedrohungen. Dagegen sind Fachargumente eh zwecklos, mögen sie auch noch so richtig und schlüssig sein.

Deshalb richtet der neue OB Sierau auch ein Büro für Bürgerinitiativen und Sprechstunden ein. Da haben dann die Verstrahlten wenigstens eine Plattform auf der sie agieren können.

29.05.2010
15:51
Angst vor einem verstrahlten Leben
von irgendeinem Ingenieur | #6

Ein guter Psychiater kann da wahrscheinlich besser helfen als ein Erdkabel. Das würde dem armen Sascha Hehn auch die Auswanderung auf den Mars ersparen, denn auf der Erde wird er mit seinen Anforderungen an eine magnetische Flussdichte von 0,4 µT keinen Wohnort finden. Allein das Erdmagnetfeld hat hierzulande eine mittlere Stärke von 48 µT (vor ein paar tausend Jahren lag der Wert sogar bei 200 µT).


Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält die Grenzwerte übrigens im Gegensatz zu Baubiologen und anderen Schamanen und Scharlatanen für durchaus ausreichend. Zitat aus http://www.who.int/peh-emf/about/WhatisEMF/en/index4.html : Due to a large safety factor, exposure above the guideline limits is not necessarily harmful to health.


Der Beschwerdeführer sollte vielleicht auch Abstand von Rasierapparaten (15 bis 1500 µT), Waschmaschinen (0,8 bis 50 µT), Haartrocknern (6 bis 2000 µT) und Bügeleisen (8 bis 30 µT) halten – dem Bild nach hat er diese Vorsichtsmaßnahmen allerdings schon konsequent umgesetzt.

29.05.2010
06:21
Angst vor einem verstrahlten Leben
von roterflitzer | #5

von benneo
ich kann das nur unterstreichen.

28.05.2010
10:16
Angst vor einem verstrahlten Leben
von Ralfmaus | #4

In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise, bei dem die Städte kaum noch Geld für die wesentlichsten Sozial- und Kulturleistungen haben, verlangen diese Leute, Stromleitungen einzubuddeln. Dabei sind sie freiwillig neben diese Leitungen gezogen!
Man muss schon eine ziemlich seltsame Wahrnehmung haben, um auf sowas zu kommen. Familie Wegner, Sie sind freiwillig neben die Leitung gezogen. Vielleicht sollten Sie bei grundsätzlichen Entscheidungen wie einem Immobilienerwerb in Zukunft ein wenig nachdenken. Aber jeder blamiert sich nach seiner Weise.

28.05.2010
01:08
Angst vor einem verstrahlten Leben
von MFD | #3

Am besten noch mit Zigarette dabei stehen und Schild hoch halten Elektro Smog! jaja.. ich denke man sollte sich mal Gedanken machen den Leuten GESUNDES Riskobewußtsein überhaupt mal wieder klar zu machen!

27.05.2010
23:28
Angst vor einem verstrahlten Leben
von Benno | #2

Die Hochspannungstrasse besteht seit 1936. Die Häuser an der Trasse sind erst in den letzten 25 Jahren entstanden.

Wer in die Nähe oder sogar unter einer Hochspannungsleitung - meist auf preiswertem Grundstück - warum wohl? - sein Haus baut und anschließend Elektrosmog entdeckt, der muß sich fragen lassen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.Wer ohne Elektrosmog leben möchte, der findet in Deutschland und Europa reichlich Gegenden, wo nicht einmal Mobiltelefone ein Netz finden. Das ist zwar meistens am ***** der Welt, dafür aber auch sehr ruhig.

Auch ein Erdkabel entwickelt übrigens - ganz den Gesetzen der Physik folgend - ein von Spannung und Stromstärke abhängiges elektromagnetisches Feld in der Umgebung. Hier gilt allenfalls: Aus den Augen - aus dem Sinn.

Herr, verschone uns vor diesen Leuten mit ihren Scheinproblemen. Der Mitbürger auf dem Bild sieht auch schon reichlich verstrahlt aus. Derzeit sind ganz andere und ernste Probleme zu lösen.

27.05.2010
19:17
Angst vor einem verstrahlten Leben
von Der_Hexer | #1

Ich bin dafür, das in einer Großstadt wie Dortmund alle Strommasten verschwinden und die Leitungen unter die Erde gelegt werden.

Dieses müßte die Stadt Dortmund (die ja auch Anteile an RWE hat) mit RWE vereinbaren. Dieses geht jedoch nicht von heute auf morgen. Man sollte der RWE eine angemessener Übergangsfrist geben.

Kein Verständnis jedoch habe ich für Leute, die erst unter oder in die Nähe einer Hochspannungsleitung ziehen und sich dann später beschweren.
Liebe Leute, Ihr hättet Euch vorher informieren können.
Und deshalb kann ich zu Familie Wegner kann ich nur sagen: dann zieht halt weg.

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